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Nestlé bringt Stadt und Land Millionen in die Kasse

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erstellt am 01.Mär.2012 | 09:52 Uhr

Schwerin | Volle Kassen: Die Ansiedlung des nach eigenen Angaben weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé in Schwerin bescheren Stadt und Land Millioneneinnahmen. Der Verkauf der zunächst 31 Hektar Gewerbefläche im Industriepark Schwerin spült 1,55 Millionen Euro in die öffentlichen Kassen. Das Landeskabinett habe in dieser Woche dem Verkauf von einer 7,5 Hektar großen Teilfläche zugestimmt, teilte Vize-Regierungssprecher Matthias Crone gestern mit. Der Preis: 375 000 Euro, heißt es in Regierungskreisen. Weitere 23,5 Hektar verkauft die Stadt. Der notleidenden Stadtkasse bringt das 1,17 Millionen Euro ein. Über den Verkauf müssen in den kommenden Wochen noch die Stadtvertretung und der Landtag entscheiden. Eine entsprechende Vorlage werde dem Landesparlament jetzt zugestellt, sagte Crone. Nestlé plant im Industriepark Schwerin den Bau der nach Unternehmensangaben modernsten Kaffeefabrik für die Produktion von Portionskaffee. Start: Ende 2013. In dem Werk sollen 450 tarifgebundene Arbeitsplätze entstehen.

Der Weltkonzern geht in Mecklenburg-Vorpommern auf Nummer sicher: Für mögliche Werkserweiterungen hat sich Nestlé in dem größten Gewerbegebiet in MV beim Land die Option für den Kauf von zwei weiteren Teilflächen von insgesamt 78 Hektar gesichert. Damit würden nochmals 3,7 Millionen Euro in die Landeskasse fließen.

Der Preis für die Gewerbeflächen sei durch Verkehrsgutachten und ein Bieterverfahren ermittelt worden und beinhaltete die Erschließungskosten und Kosten für Ausgleichsmaßnahmen, hieß es gestern in der Verwaltung. Die Preise für Gewerbeflächen waren nach dem Immobilienboom der vergangenen Jahre auch in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gestiegen. So sind Gewerbeflächen im Schweriner Industriepark inzwischen doppelt so teuer wie vor fünf Jahren. In einem Standort-Exposé hatte die Stadt Schwerin die Flächen 2007 noch für 2,50 Euro je Quadratmeter erschlossener Fläche angepriesen - mit Nestlé wurden jetzt fünf Euro vereinbart.

Ein angemessener Preis, werten Immobilienbranche und Steuerzahlerbund. Neben dem Kaufpreis müsse man auch die möglichen Steuereinnahmen, die neuen Arbeitsplätze und die zu erwartende Sogwirkung für weitere Investitionen einkalkulieren, meinte der Chef des Steuerzahlerbundes Reiner Holznagel. MV habe es ohnehin schwer, Industrie anzusiedeln. Überhöhte Kaufpreise sollten Ansiedlungen daher nicht gefährden. Es sei besser Investoren durch verbesserte Rahmenbedingungen wie beispielsweise attraktive Flächenpreise zu gewinnen, als dass direkte Subventionen fließen, meinte Holznagel.

Für den Milliarden-Konzern Nestlé lohnt das Geschäft: Im norddeutschen Standortvergleich bietet Schwerin mit die günstigsten Gewerbeflächen - deutlich unter dem Preisniveau von Schleswig-Holstein. So werden beispielsweise für einen Quadratmeter in Flensburg zwischen 15 Euro je Quadratmeter mit einfachem Nutzwert und 35 Euro je Quadratmeter mit gutem Nutzwert und in Neumünster zwischen 30 bis 50 verlangt, ermittelte der Immobilienverband Deutschland (IVD). In Lübeck würden 30 bis 60 Euro fällig, in Kiel zwischen 35 und 55 Euro.

Auch innerhalb Mecklenburg-Vorpommerns liegen die Bodenpreise im Industriepark Schwerin am unteren Preisende - der niedrigste Flächenpreis im Vergleich aller zwölf Groß gewerbe stand orte in MV. So wird eine 1,2-Hektar-Fläche in Lüdersdorf für 34 Euro je Quadratmeter angeboten, 100 Hektar in Neubrandenburg-Trollenhagen für 12 Euro, 60 Hektar in Rostock-Poppendorf für 15 Euro und 7,5 Hektar in Valluhn/Gallin für 22 Euro je Quadratmeter, geht aus einem Invest-MV-Standortkatalog hervor. Im Schnitt würden in den Gewerbegebieten zwischen Boizenburg und Pasewalk zwischen 3,50 Euro und 25 Euro je Quadratmeter Gewerbefläche bzw. Industriefläche berechnet, teilte die landeseigene Wirtschaftsfördergesellschaft Invest MV gestern mit. Der Preis sei abhängig von der Lage und dem Erschließungsgrad. Insgesamt werden in 233 Gewerbegebieten Flächen angeboten. Am teuersten ist es in Zingst mit 60 Euro, in Stralsund und Roggentin mit 40 Euro je Quadratmeter. In Torgelow, Lübesse und Lübtheen werden nur fünf Euro fällig.

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