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„Skandal“ in Güstrow : Nerzfarm - Vorwurf der Tierquälerei

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Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ hat gegen den Betreiber der Nerzfarm in Güstrow Strafanzeige wegen Tierquälerei gestellt. Mitglieder der Organisation blockierten die Zufahrt zu der Farm.

Güstrow | Einen "Skandal" wittern die Tierschützer der Organisation "Vier Pfoten" in Güstrow-Klueß. Auf der dortigen Nerzfarm würden Tiere illegal in viel zu kleinen Käfigen gehalten. Deshalb blockierten Aktivisten der Tierschutzorganisation gestern bei einer Protestaktion die Zufahrt der Farm. "Hier wird mit Tierquälerei Geld verdient. Wir haben bereits Strafanzeige gegen den Farmbetreiber gestellt", so gestern Thomas Pietsch, Wildexperte von "Vier Pfoten", gegenüber unserer Zeitung.

Hintergrund: Nach geltender Rechtslage müssen Nerzkäfige auf Pelzfarmen seit gestern mindestens drei Quadratmeter groß sein. Alte Käfige von 0,27 Quadratmeter Größe seien damit illegal. "Dennoch sind auf der Güstrower Farm noch Hunderte Tiere in die winzigen Altkäfige gepfercht, die rechtlich vorgeschriebenen Umbauten haben nicht stattgefunden. Diese illegale Farm muss von den zuständigen Behörden sofort still gelegt werden", fordert Pietsch.

Noch während die Protestaktion in Güstrow-Klueß lief, hakte SVZ beim Präsidenten des Zentralverbandes Deutscher Pelztierzüchter, Jürgen Brokamp, nach und konfrontierte ihn mit den Tierquälerei-Vorwürfen. "Es ist richtig, die Käfige in Güstrow wurden nicht vergrößert, weil der Farmbetreiber gerade gegen die neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, die größere Käfige vorsieht, klagt", sagt Brokamp. So würden es zahlreiche Betreiber von Nerzfarmen machen.

Nach Meinung von Brokamp würden es sich die Tierschützer zu einfach machen. "Die neue Verordnung entspricht nicht den Bedürfnissen der Tiere", ist er überzeugt. "Wir wollen die alten Käfige beibehalten, weil es sich um domestizierte Tiere handelt. Wenn wir sie in größere Käfige tun, werden sie dedomestiziert und es wird immer ein Kampf, wenn wir sie aus diesen Käfigen herausholen wollen", sagt er. Ein Umbau der Käfige schade also den Tieren.

Dass der Güstrower Nerzfarm-Betreiber, ein Unternehmer aus Holland, gegen die neue Verordnung klage, sei den Behörden und auch "Vier Pfoten" bekannt, sagt Brokamp. "Das Gericht muss zunächst klären, ob ein Umbau der Käfige überhaupt notwendig ist", sagt er.

Bis 2016 müssen deutsche Pelzfarmen weitere rechtsverbindliche Neuerungen umsetzen. Nerze müssen dann Kletter- und Bademöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, die üblichen Drahtgitter teils durch solide Untergründe ersetzt und die Käfige höher werden.

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erstellt am 12.Dez.2011 | 10:02 Uhr

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