Neonazis durften nicht am jüdischen Friedhof vorbei

Gegendemonstration: Die Mahnwache am jüdischen Friedhof wurde von der VVN-Kreisvereinigung und weiteren Güstrower Bürgern organisiert. Dadurch wurde ein Vorbeimarsch der Nazis verhindert. Auch die Sitzblockade autonomer Linker sorgte dafür. Heiko Lietz sprach auf dem Friedhof ein Kadisch-Gebet. Zu den Gegendemonstranten gehörten  weiter Sozialdemokraten, Freie Demokraten, Bündnisgrüne, Linke und Gewerkschafter.
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Gegendemonstration: Die Mahnwache am jüdischen Friedhof wurde von der VVN-Kreisvereinigung und weiteren Güstrower Bürgern organisiert. Dadurch wurde ein Vorbeimarsch der Nazis verhindert. Auch die Sitzblockade autonomer Linker sorgte dafür. Heiko Lietz sprach auf dem Friedhof ein Kadisch-Gebet. Zu den Gegendemonstranten gehörten weiter Sozialdemokraten, Freie Demokraten, Bündnisgrüne, Linke und Gewerkschafter.

svz.de von
24. März 2013, 06:55 Uhr

Güstrow | "Bunt statt Braun - Güstrow nazifrei": Das war Sonnabend das Motto gegen die Demonstration, die die NPD in Güs trow "Gegen Asylantenheime in Dettmannsdorf und anderswo" veranstaltete. Die Güstrower hielten ein Friedensfest in der Ahornpromenade und eine Mahnwache in der Neukruger Straße vor dem jüdischen Friedhof dagegen. Gegen 14 Uhr waren Demonstration und Gegen-Proteste beendet. Die nach Polizeiangaben rund 260 Nazis kamen aus dem ganzen Land und Nachbar-Bundesländern mit Zügen und Bussen. Ihr Zug bewegte sich mit Fahnen, Transparenten sowie Musik und Reden mit rechtsradikalem Hintergrund zum Waldweg, wo im April die ersten von 124 Asylbewerbern im Ex-Bahninternat einziehen.

Friedensfest und Mahnwache

Mit Beginn des Neonazi-Aufmarsches sperrten Linksautonome vor dem jüdischen Friedhof mit einer Sitzblockade den Vorbeimarsch der Nazis an diesem geschichtsträchtigen und zu schützenden Ort. Das war auch das Ziel einer Mahnwache der VVN (Verfolgte des Naziregimes)-Kreisvereinigung und von einer Gruppe von Bürgern um Christian Dobslaw, Folker Hachtmann und Heiko Lietz. Das gelang. Die Linken wurden zwar von der Polizei eingekesselt, um eine Konfrontation mit den Nazis zu verhindern, aber der Erfolg der ca. 300 Teilnehmer war da. Der NPD-Aufmarsch führte nicht am Friedhof vorbei, sondern hin und zurück durch die Niklotstraße. Dort wurden die Rechtsradikalen an der Ahornpromenade lautstark von Teilnehmern des Friedensfestes des lokalen Familienbündnisses mit friedlichem Protest empfangen. Mahnwache und Friedensfest waren allerdings erst Freitag am späten Abend vom Oberverwaltungericht genehmigt worden. Zuvor hatten Landkreis und Verwaltungsgericht die Gegen-Proteste aus Sicherheitsgründen in die Innenstadt verdrängen wollen.

Benno Plassmann: "Kampf geht weiter"

Heiko Lietz, der als Güstrower zehn Jahre Asylbewerber betreute, war zufrieden, dass der jüdische Friedhof nicht durch den Neonazi-Marsch "besudelt" wurde.

Sascha Zimmermann, FDP-Stadtvertreter, freute sich, dass durch ein breites Bündnis gegen den NPD-Aufmarsch die "Stadt uns und nicht den Nazis gehörte". Ihm geht es künftig darum, dass sich Stadt und Stadtvertreter für die Asylbewerber einsetzen.

Benno Plassmann vom Aktionsbündnis Vorpommern erklärte: "Der Kampf um Menschenrechte und Grundwerte der Gesellschaft geht bei diesem Thema weiter. Wenn die Menschen in Güstrow und anderswo, denn das ist kein lokales Problem, aber kein Interesse an dem Thema haben, dann müssen wir es wecken." Er fordert ein Zusammengehen aller demokratischen Kräfte und kritisierte nochmals die unzureichende Kooperationskultur zwischen demokratischem Staat und Zivilgesellschaft. Das würden Nazis gnadenlos ausnutzen. Er, Plassmann, habe den Eindruck, gehabt, dass der Güs trower Präventionsrat erst tagte, als "Leute von außen" nachfragten, was gegen den NPD-Aufmarsch getan werden soll. Plassmann kritisierte auch, dass Bürgermeister Arne Schuldt (parteilos) Sonnabend nicht in der Stadt gewesen sei.

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