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Zwischen Leben und Sterben : Nelson Mandelas langer Weg

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Zwischen Leben und Sterben: Nelson Mandela wird heute 95 Jahre alt. Dennoch wird der Tag vor allem überschattet von den Sorgen um das Leben des Südafrikanischen Nationalhelden, der seit dem 8. Juni im Krankenhaus liegt.

svz.de von
erstellt am 18.Jul.2013 | 12:05 Uhr

Kapstadt | Es war die eigene Tochter, die Nelson Mandela für fast tot erklären ließ. Denn Berichte über einen angeblich bevorstehenden Tod und dauerhaft vegetativen Zustand des 94-Jährigen beriefen sich auf einen Brief von Makaziwe Mandela (59) an ihre Anwälte. Diese vertraten vor Gericht die Interessen von 15 Mandela-Angehörigen, die in einem hässlichen Familienzwist über die künftige Grabstätte des Nationalhelden streiten. Die Juristen zeichneten aufgrund der Angaben Makaziwes ein düsteres Bild des Gesundheitszustandes Mandelas, der heute 95 Jahre alt wird. Die Ärzte sollen der Familie demnach geraten haben, die lebenserhaltenden Geräte abzuschalten.

Viele Südafrikaner, wie etwa Sandra Glebert in Kapstadt, forderten daraufhin aufgebracht in sozialen Netzwerken und Leserbriefen, "den alten Mann endlich in Würde sterben zu lassen". Inzwischen gibt es aber erhebliche Zweifel an der Darstellung, Mandela befinde sich in einem wachkomaähnlichen Zustand.

Präsident Jacob Zuma, der immer wieder mahnt, die Würde des 95-Jährigen zu wahren, betont seit Wochen fast gebetsmühlenartig, der Zustand Mandelas sei "kritisch, aber stabil". Glaubwürdige Zeugen berichten, bei jüngsten Besuchen am Krankenbett hätten sie einen zwar von Lungenentzündung und Schwäche gezeichneten Mandela getroffen, der aber durchaus lebendig sei. Denis Goldberg (80), ein alter Kampfgefährte Mandelas gegen das rassistische Apartheidsystem, erklärte etwa, der erste schwarze Präsident Südafrikas sei bei Bewusstsein und ansprechbar. Die Enkelinnen Zaziwe Dlamini-Manaway and Swati Dlamini, Hauptfiguren der umstrittenen US-Reality-Show "Being Mandela" (in etwa: "Leben als eine Mandela") twitterten laut der "Times", Mandela lächele zuweilen und reagiere mit den Augen.

Auch ein anderer Enkel, Ndaba Mandela, betonte am Dienstag: "Der alte Mann ist ausgesprochen lebendig", er nehme sichtlich seine Umgebung und die Besucher wahr. Er forderte seine Landsleute auf, nicht in Trauer zu verfallen, sondern sich zu freuen, "dass der alte Mann noch immer unter uns ist". Auch Zuma rief seine Landsleute auf, den 18. Juli im Geiste Mandelas zu feiern.

Zu Ehren des südafrikanischen Nationalhelden, der 27 Jahre wegen seiner Überzeugungen im Gefängnis saß, ist sein Geburtstag 2009 von der UN zum "Internationalen Nelson Mandela Tag" erklärt worden.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon ermunterte auch dieses Jahr wieder zu Aktionen und würdigte Mandela: "Seine Opfer dienten nicht nur Südafrika, sondern machten die Welt zu einem besseren Ort für alle Menschen. Er hat die Welt verändert". In New York wollen diesmal UN-Mitarbeiter am 18. Juli helfen, vom Hurrikan Sandy zerstörte Häuser wieder aufzubauen.

"Madiba", wie Mandela in seiner Heimat mit seinem Clannamen genannt wird, hatte selbst die Parole für diesen Tag ausgegeben: "Werde aktiv und inspiriere andere". In Südafrika sind diese Aktion stets ein großer Erfolg: 2012 strichen Freiwillige Kindergärten, säuberten Freiflächen in Townships, halfen in Suppenküchen aus oder kümmerten sich um bedürftige Alte.

Dennoch wird der Mandela-Tag 2013 vor allem überschattet von den Sorgen um das Leben des Friedensnobelpreisträgers, der seit dem 8. Juni im Krankenhaus liegt. Dass er diesmal mit dem Tod ringt, hatte sich schon an den offiziellen Verlautbarungen gezeigt. Erstmals erhielten die Südafrikaner nicht mehr wie früher beschwichtigende, fast verharmlosende Krankenbulletins. Südafrikas politische Führung schien die Menschen auf den Tod des Vaters der "Regenbogennation" vorbereiten zu wollen.

Präsident Zuma sagte zwar auch, es bestehe Hoffnung, dass Mandela auch diesmal wieder siegen und weiterleben könne. Dennoch sind die Südafrikaner aufgewühlt: Schon seit Wochen strömen Menschen unterschiedlichster Herkunft und Hautfarbe zum Hospital in Pretoria, um Blumen, Stofftiere, Luftballons und Genesungswünsche auf Karten und selbstgemalten Bildern zu hinterlassen.

Mit dem Ende der Apartheid wurde Mandela von 1994 bis 1999 erster schwarzer Staatspräsident Südafrikas. Geboren am 18. Juli 1918 in einem Dorf nahe Umtata in der Transkei, wurde Mandela nach dem Jurastudium zum Bürgerrechtler, Aktivisten und Anführer des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC). Wegen Terrorismus und Landesverrats wurde er 1964 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Insgesamt 27 Jahre verbrachte er als Häftling mit der Nummer 46664 auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt; dort zog er sich eine dauerhafte Erkrankung der Atemwege zu.1990 wurde Mandela auf Betreiben des damaligen Premierministers Frederik de Clerk freigelassen und von der schwarzen Bevölkerung triumphal gefeiert. 1993 erhielten Mandela und de Klerk gemeinsam den Friedensnobelpreis. Zum Millenniumswechsel zog sich Mandela aus der aktiven Politik ins Privatleben zurück.

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