Urteil aus Neubrandenburg : Nebenbuhler und Ex-Freundin niedergestochen: Neun Jahre Haft

Ein Justizbeamter steht in einem Sitzungssaal im Landgericht.

Ein Justizbeamter steht in einem Sitzungssaal im Landgericht.

An einem Maiabend sticht ein 29-Jähriger in Neubrandenburg einen vermeintlichen Nebenbuhler und seine Ex-Freundin nieder. Ein Gericht verurteilt den Asylbewerber aus der Türkei wegen versuchten Mordes zu neun Jahren Haft

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15. Oktober 2018, 20:00 Uhr

Für eine blutige Messerattacke auf zwei Menschen in Neubrandenburg muss der Täter neun Jahre in Haft. Das Landgericht Neubrandenburg sprach den Asylbewerber aus der Türkei am Montag des versuchten Mordes und der gefährlichen Körperverletzung schuldig. Der 29-Jährige hatte vor Gericht zugegeben, seinen 31 Jahre alten Landsmann, den er als Nebenbuhler sah, und seine deutsche Ex-Freundin mit einem Messer mit einer knapp 20 Zentimeter langen Klinge niedergestochen zu haben.

Die Tat geschah vor vielen Zeugen am 18. Mai - dem Freitag vor Pfingsten - vor einem Dönerstand am Rathaus Neubrandenburg. Als Grund gab er Eifersucht an.

«Sie können Gott danken, dass die Geschädigten am Leben geblieben sind», sagte Richter Jochen Unterlöhner in der Urteilsbegründung. Der 29-Jährige habe in seinem kulturell geprägten Denken aus der Heimat einen Nebenbuhler beseitigen wollen, obwohl die Geschädigten gar keine engere Beziehung hatten.

Täter legte Geständnis ab

Der Verurteilte hatte zugegeben, erst den Landsmann von hinten niedergestochen zu haben und dann - schon auf der Flucht vor Verfolgern - die 38 Jahre alte Ex-Freundin. Das Messer prallte beim ersten Stich an einem Wirbel im Nacken des 31-jährigen Mannes ab, was ein Gutachter als «glücklichen Zufall» einschätzte. Das Dönermesser blieb danach im Oberkörper der Frau stecken, als der Täter floh. Beide Opfer erlitten lebensgefährliche Verletzungen, überlebten aber dank Notoperationen und waren vor Gericht Nebenkläger.

Der Verurteilte hatte nach eigenen Angaben nur eine geringe Schulbildung in der Türkei. Er war Ende 2016 mit einem Besuchsvisum nach Deutschland gekommen, das zwei Monate galt, dann aber illegal in Deutschland geblieben, wie Oberstaatsanwalt Bernd Bethge erklärte. In der Zeit, als er in Neubrandenburg bei Bekannten an Dönerständen jobbte, lernte er die 38 Jahre alte Neubrandenburgerin kennen, die mit vier Kindern bei ihren Eltern wohnte.

Beziehungsende war Auslöser

Die Beziehung hielt von September bis Dezember 2017. Sie endete, als der Angeklagte der Frau im Dezember im Streit mit einer vollen Bierflasche auf den Kopf schlug. Der 29-Jährige hatte vor Gericht auch eingeräumt, der Frau vorher einen Heiratsantrag gemacht zu haben, um in Deutschland bleiben zu können. Diese lehnte aber ab.

Die Trennung im Januar habe der Mann «als Demütigung und Kränkung erlebt», erläuterte ein psychiatrischer Gutachter vor Gericht. Zudem habe er nicht akzeptiert, dass die Frau weiter Kontakte zu anderen Männern hatte und in sozialen Medien wie Facebook «unterwegs war». Im Prozess wurde auch bekannt, dass sein Asylantrag inzwischen abgelehnt worden war und er dagegen prozessiere.

Urteil folgte Staatsanwaltschaft

Nach der Messerattacke war der Täter erst geflohen, hatte sich der Polizei aber später gestellt. Mit dem Urteil folgte die Kammer weitgehend der Forderung der Staatsanwaltschaft, die neuneinhalb Monate Haft verlangt hatte. Die Nebenkläger wollten deutlich höhere Strafen. Der Verteidiger hatte eine mildere Strafe für seinen Mandanten angeregt.

Der Verurteilte war bisher in Zossen bei Berlin gemeldet. Er äußerte im Prozess, dass er sich auch nach einer Entlassung nicht mehr in der Heimat sehen lassen könne, denn der Geschädigte stamme aus dem gleichen Ort wie er. Angehörige des 31-jährigen Geschädigten hatten ihn schon im Gerichtssaal bedroht.

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