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Geschichte der Polizei : Nazis demonstrieren ihre Macht

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Seit wann gibt es in Mecklenburg eigentlich eine Polizei? Wie sah sie früher aus? Um was musste sie sich kümmern? Heute stellt der Autor Dr. Klaus-Ulrich Keubke die Geschichte der Polizei im Dritten Reich bis 1939 vor.

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erstellt am 16.Apr.2012 | 11:54 Uhr

Seit wann gibt es in Mecklenburg eigentlich eine Polizei? Wie sah sie früher aus? Um was musste sie sich kümmern? In einer Reihe von Beiträgen stellt der Autor Dr. Klaus-Ulrich Keubke Geschehnisse aus der Geschichte der Polizei vor. Im heutigen Teil geht es um die Zeit im Dritten Reich bis 1939.

Die Herrschaft der NSDAP setzte in Mecklenburg-Schwerin bereits mit dem 13. Juli 1932 ein, als der Landtag eine vollständig von dieser Partei bestimmte Regierung wählte. Bereits am 1. August wird der Leiter des Kommandos Wismar der Ordnungspolizei, Polizeimajor Hans Heidemann, nach Schwerin zum Leiter der Ordnungspolizei des Landes berufen und am 10. September des Jahres zum Polizeioberstleutnant befördert.

Heidemann veröffentlichte im Frühjahr 1931 das "Handbuch für den Mecklenburg-Schwerinschen Polizeibeamten" in der Hinstorffschen Verlagsbuchhandlung. Obwohl sich Heidemann schon früh sehr der NSDAP verschrieben und den so zahlreichen Eintritt vieler Polizeibeamter in diese Partei befördert hatte und er noch am 21. Dezember 1933 zum Oberst der Landespolizei befördert wurde, endet seine Partei- und Polizeikarriere wohl aufgrund von Querelen mit Reichsstatthalter Hildebrandt schon bald. Ab 31. Juli 1935 wurde er in den dauernden Ruhestand versetzt, auch eine Übernahme in die Wehrmacht wurde ihm verweigert. Seine Spuren verlieren sich in Leipzig, wo er, auch ein leidenschaftlicher Reiter, als Generalsekretär des dortigen Rennklubs wirkte.

Das sichtbarste Symbol für die andere Zeit in den Augen der Schweriner wird damals die Tatsache gewesen sein, dass am 20. April 1933, dem Geburtstag Hitlers, das Arsenal am Schweriner Pfaffenteich als erste Polizeikaserne des Deutschen Reiches den Namen "Adolf-Hitler-Kaserne" bekam und ihn bis zum 9. November 1938 behielt, um diesen dann an eine der neuerbauten Kasernen der Wehrmacht abzugeben.

Im Innern der Polizei kam es ab 1933 zu Säuberungen

Schon am 1. April des Jahres wurden die Ordnungspolizei in "Mecklenburg-Schwerinsche Landespolizei" und deren Kommandos sowie die Polizeischule umbenannt. Es gab nun die I. Abteilung (Schule), die II. Abteilung (Schwerin), die III. Abteilung (Wismar), die IV. Abteilung (Rostock) und die V. Abteilung (Güstrow) der Mecklenburg-Schweriner Landespolizei.

Wie in der gesamten Beamtenschaft kam es auch im Innern der Polizei zu Säuberungen, als am 7. April 1933 das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, kurz Berufsbeamtengesetz, erlassen wurde. Es erlaubte, politisch missliebige und jüdische Beamte aus dem Dienst zu entfernen. In der Landespolizei geschieht das am 27. April mit einer Verfügung von Polizeioberstleutnant Heidemann. Es betrifft 24 Wachtmeister und den Polizeihauptmann Wilhelm Grabbe.

Interessant sind die diesbezüglichen Vorgänge um den Polizeioffizier. Grabbe ersucht Heidemann um ein Gespräch, in dessen Ergebnis er aufgrund eines polizeiärztlichen Gutachtens wegen Polizeidienstunfähigkeit ("Schwerhörigkeit stärkeren Grades" und "Nervenschwäche") am 31. Juli des Jahres entlassen wird. Dementsprechend erhält er keine drei Monate Gehaltszahlungen, sondern lebenslange Versorgungsbezüge nach den Bestimmungen des Wehrmachtversorgungsgesetzes, d.h. er wird pensioniert. Grabbe zieht dann nach Hamburg und wird 1940 von der dortigen Polizei wieder eingestellt und auch weiter befördert. Die 2003 in Hamburg erschienene Publikation "Für Freiheit und Demokratie. Hamburger Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Verfolgung und Widerstand 1933-1945" führt ihn interessanterweise als "Polizeioffizier, Oberstleutnant der Schupo SPD 1907-1933, ab1945, Kreisvorstandsmitglied". Auch viele der so entlassenen Wachtmeister werden später wieder eingestellt.

Des Weiteren wirft die Vereinigung beider Mecklenburg, am 13. Oktober 1933 beschlossen und ab 1. Januar 1934 gültig, in der Polizei ihre Schatten vo raus. Schon ab 1. Juli 1933 werden bei der Mecklenburg-Strelitzer Staatspolizei eingestellte Polizeirekruten in der Mecklenburg-Schweriner Landespolizei ausgebildet. Ab Dezember 1933 existieren dann nur noch zwei Abteilungen der Landespolizei: die I. Abteilung in Schwerin und die II. Abteilung in Rostock. Am 30. Januar 1934 ging mit dem Gesetz über den Neuaufbau des Reiches die Polizeihoheit auf das Reich über und am 1. Mai wurden die Revierhauptmannschaften in den großen Städten aus der Landespolizei Mecklenburgs herausgelöst. Am 26. Juni 1936 wurden mit dem Erlass Heinrich Himmlers als Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei der General der Polizei Kurt Daluege als "Chef der Ordnungspolizei" und der SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich als "Chef der Sicherheitspolizei" eingesetzt.

Ab 1. Oktober 1936 führten die Politischen Polizeien der deutschen Länder die Bezeichnung "Geheime Staatspolizei". Die Gestapo Mecklenburgs wie auch die Kriminalpolizeistelle Schwerin leitete der 1888 in Goldberg geborene Ludwig Oldach, zuletzt SS-Standartenführer und Regierungsdirektor, nach 1945 bis 1948 bei Neumünster interniert und erst 1987 in Flensburg gestorben.

Erste Einsätze auch der Polizei Mecklenburgs erfolgten ab 1938, so am 12. März im Zusammenhang mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich durch die Abordnung von Angehörigen der Schutzpolizei und Gendarmerie. Das wiederholte sich im Herbst vom 1. bis 10. Oktober bei der Besetzung der sudetendeutschen Gebiete durch deutsche Truppen und auch während der Besetzung von Böhmen und Mähren. Dann nahm die Polizei in Rostock bereits am 28. Oktober jenen Jahres die Deportation von 37 Juden polnischer Staatsangehörigkeit nach Polen vor. In der Nacht vom 9. zum 10. November kam es während der Aktionen von Mitgliedern und Anhängern der NSDAP zu den Übergriffen gegen jüdische Geschäfte und Synagogen unter dem Schutz der Polizei.

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