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Stralsunder Ladenbesitzer im Visier der Ermittler : Nazi-Terroristen mit Verbindungen nach MV

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Bekamen die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Hilfe von einem Stralsunder Ladenbesitzer? Nach einem Zeitungsbericht ist Malte R. ins Visier der Ermittler gerückt. Er gilt als führender Kopf der "Hammer-Skins".

Schwerin | Die rechtsextremistische Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hatte möglicherweise Verbindungen zur Neonazi-Szene in Mecklenburg-Vorpommern. Wie die Frankfurter Rundschau berichtet, ist der Neonazi Malte R. ins Visier der Ermittler gerückt. Der 35-Jährige betreibt den Szene- und Devotionalienladen "Headhunter" in der Hansestadt Stralsund.

Malte R. ist einer der Köpfe der martialisch auftretenden, rechtsextremen Vereinigung "Hammerskin Nation" (HSN). Zudem soll er eine maßgebliche Rolle bei der Neonazi-Gruppe "Lunara" in Ludwigshafen (Rheinland-Pfalz) inne haben. Nach Informationen des Blattes habe Malte R. Schießübungen im Ausland organisiert. "Lunara" würden die Behörden als terroristische Vereinigung bewerten. Nach Dokumenten, die der Zeitung vorliegen, gilt Malte R. den Behörden zudem als verdächtig, den Brandanschlag auf ein Ludwigshafener Wohnhaus verübt zu haben, bei dem am 3. Februar 2008 neun türkischstämmige Bewohner ums Leben gekommen waren.

Ob die mutmaßlichen Terroristen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt Hilfe von dem Stralsunder Ladenbesitzer bekamen, als das Neonazi-Trio in der Hansestadt Ende 2006 und Anfang 2007 zweimal eine Sparkasse überfiel, kann das Schweriner Innenministerium nicht sagen. Eine Sprecherin verwies gestern nach einer Anfrage unserer Redaktion auf die laufenden Ermittlungen durch den Generalbundesanwalt. Verbindungen von Mecklenburg-Vorpommern zur Mordserie des NSU hatte das Ministerium bislang verneint.

Nach Ansicht des Extremismus-Experten Günther Hoffmann in Anklam gab es enge Kontakte zwischen dem jetzt unter Verdacht stehenden Malte R. und den "Hammerskins" in Mecklenburg-Vorpommern. Der harte Kern deutscher "Hammerskins" wird bundesweit auf etwa 200 bis 300 Mitglieder geschätzt. Etwa 20 von ihnen gehören nach Schätzungen von Hoffmann den "Hammerskins Pommern" an. Etwa ebenso groß wird die Kameradschaft "Hammerskins Mecklenburg" geschätzt.

Im aktuellen Bericht des Verfassungsschutzes Mecklenburg-Vorpommern sind zwar landesweit 16 verschiedene Kameradschaften aufgeführt, doch die "Hammerskins" finden keine Erwähnung, obwohl die Gruppe bereits seit Jahren aktiv ist - insbesondere in Vorpommern und Nordwestmecklenburg. "Nach meinem Eindruck hatte der Verfassungsschutz die sehr konspirativ agierende Gruppierung jahrelang nicht auf dem Plan", schätzt Günther Hoffmann ein. Das Innenministerium teilte dazu mit: "Die rechtsextremistische Gruppierung ,Hammerskin’ ist dem Verfassungsschutz selbstverständlich bekannt, aber um weitere Ermittlungserfolge nicht zu gefährden, wurden vorliegende Informationen nicht im aktuellen Verfassungsschutzbericht 2010 veröffentlicht."

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erstellt am 20.Dez.2011 | 07:55 Uhr

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