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MV: Herkunft von 900 Kunstwerken lückenhaft : Nazi-Raubkunst lagert in den Museen

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Fast 70 Jahre nach Ende der Hitlerdiktatur befinden sich noch immer zahlreiche von Nazis geraubte Kunstgüter im Besitz des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Etwa 900 von ihnen lagern allein im Staatlichen Museum Schwerin.

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erstellt am 03.Apr.2013 | 07:40 Uhr

Schwerin | Fast 70 Jahre nach Ende der Hitlerdiktatur befinden sich noch immer zahlreiche von Nazis geraubte Kunstgüter im Besitz des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Etwa 900 Kunstwerke mit fehlenden oder lückenhaften Herkunftsnachweisen lagern allein im Staatlichen Museum Schwerin, heißt es in einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen im Schweriner Landtag. Zumeist würde es sich dabei um alte Münzen und Medaillen handeln. Aber auch Zeichnungen und Gemälde befinden sich darunter.

"Aufgrund von Provenienzlücken beziehungsweise keiner Provenienz ist derzeit eine jüdische Vorbesitzerin oder ein jüdischer Vorbesitzer nicht auszuschließen", wird in der Antwort der Landesregierung mitgeteilt. Ein Teil der möglicherweise geraubten Kunstgegenstände veröffentlicht das Museum seit 2001 im Internet. Diese Liste wurde auch bei der Koordinierungsstelle für die Recherche nach Raubgütern in Magdeburg gemeldet und in deren Datenbank "Lost Art" eingelesen.

Dennoch gehe die Landesregierung sehr nachlässig mit dem Thema um, kritisieren die Grünen. Die vorbildliche systematische Überprüfung des Staatlichen Museums sei eher die Ausnahme. In den meisten Museen und Bibliotheken mit maßgeblicher Landesbeteiligung würden Recherchen nach Nazi-Raubgütern nicht stattfinden, sagte Ulrike Berger, kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. "Die Landesregierung macht es sich zu einfach."

So räumte das Kultusministerium in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Grünen ein, dass bislang noch keine Prüfungen auf NS-Raubgut im Bestand der Stiftung Mecklenburg vorgenommen wurde. Weiter heißt es in der Antwort, das Technische Landesmuseum in Wismar, das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund und das Pommersche Landesmuseum in Greifswald würden aufgrund des Sammlungsbestandes beziehungsweise des Gründungsdatums für die Überprüfung nicht in Frage kommen. Das wird von den Grünen angezweifelt. "Das Pommersche Landesmuseum wurde zwar erst 1996 gegründet, hat aber alte Kunstgüter im Bestand", so Ulrike Berger. Das bestätigte der Direktor des Museums, Uwe Schröder. Er sagte aber gegenüber unserer Redaktion, die Gegenstände seien bereits zu einem früheren Zeitpunkt überprüft worden.

Auch schreibt die Landesregierung in der Antwort, dass "bezüglich der Rostocker und Greifswalder Universitätsbibliotheken und -archive der Landesregierung keine Hinweise auf NS-Raubgut" vorliegen würden. "Aber recherchiert wurde offenbar auch nicht", schlussfolgerte daraus Ulrike Berger.

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