Wintervogelzählung in MV : Naturschutz aus der Vogelperspektive

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Vogelschützer wollen am ersten Januarwochenende bundesweit die Wintervögel zählen und rufen dafür zur Mithilfe auf. Amseln stehen dabei unter besonderer Beobachtung.

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02. Januar 2013, 06:49 Uhr

Schwerin | Die Wetterprognose hat Ulf Bähker fest im Blick. Der Vogel-Fachmann vom Naturschutzbund Mecklenburg-Vorpommern (NABU) hofft auf ein trockenes Wochenende. Noch besser wäre ein bisschen Schnee. "Dann kann man an den Futterplätzen besonders viele Tiere beobachten", so Bähker.

Der Naturschutzbund veranstaltet ab morgen wieder die "Stunde der Wintervögel". Drei Tage lang sollen an Vogelhäuschen, in Parks und auf Balkonen die gefiederten Besucher gezählt werden. Jeweils eine Stunde lang und das bundesweit.

Dabei geht es nicht nur um die Exoten. Amsel, Drossel, Specht und Spatz sind genauso gefragt. Denn wie sich die Population der einheimischen Tiere entwickelt lässt sich nur schwer bestimmen. Wetter, Krankheiten, natürliche Schwankungen sind nur einige der Faktoren. Und auch das Zählen der Vögel läuft nie ganz ohne Fehler. Deshalb die Massenuntersuchung am kommenden Wochenende. "Je mehr Daten wir haben, desto eher können wir einzelne Fehler ausgleichen."

Dabei sollen ausschließlich Tiere in menschlichen Siedlungen gezählt werden. Wälder und Felder bleiben bei der Aktion außen vor. "Die Städte sind ein eigener Lebensraum, den wir gezielt betrachten", so Bähker. Die Ergebnisse können per Telefon, Post oder im Internet übertragen werden. Ab Freitagabend werden die ersten Resultate über die Homepage des NABU bekannt gegeben. "Durch so eine Mitmach-Studie wollen wir bei den Bürgern das Interesse für den Naturschutz wecken", sagt Bähker.

Auch Vogelkundler Klaus-Dieter Feige aus Matzlow-Garwitz hofft, dass die Aktion die Beliebtheit seines Hobbys beflügelt. "Gerade für Kinder ist das eine tolle Gelegenheit sich mit dem Thema zu befassen", sagt er. Feige hat allerdings auch den ein oder anderen Zweifel an der Untersuchungsmethode. "Das ist eher populärwissenschaftlich", so sein Urteil. Trotzdem: Auch er will sich beteiligen und wartet mit Spannung auf die Ergebnisse. "Von den einheimischen Vögeln haben wir im Moment besonders die Amsel im Blick", erklärt er. Eine Viruskrankheit hatte dieser Art deutlich zugesetzt. Das hatten die bundesweiten Zählungen im letzten Jahr bestätigt. "In Norddeutschland sind die Vögel weitgehend verschont geblieben, aber wir müssen das im Auge behalten", so Feige. Fluktuationen seien allerdings nicht immer gleich ein Grund zur Besorgnis. "Wenn die Zahl nicht gerade gegen Null geht, hat die Natur eine Menge Mechanismen, die solche Rückschläge ausgleichen können. Bei einigen Arten ist es völlig normal, dass die Bestände sich regelmäßig deutlich reduzieren." Er erwartet allerdings, dass der milde Winter die Beobachtung erschweren wird. "Es ist eher eine Frühlingszählung. Die Vögel finden überall genügend Futter. Scheue Tiere kommen da gar nicht erst in die Nähe der Menschen." Einzelne Arten hätten sogar schon mit dem Paarungsvorspiel, der so genannten Balz begonnen.

Der Winter hätte dennoch viele gefiederte Gäste aus Nordeuropa nach MV gebracht. "Ich selber habe schon eine ganze Menge Seidenschwänze beobachtet. Die sind eigentlich eine Seltenheit, aber jetzt sind sie schon das zweite Jahr in Folge hier", berichtet Feige. Auch Singschwäne könne man in diesem Jahr wieder sehen. Sie seien an den gelblichen Schnäbeln zu erkennen.

Wer sich am Wochenende auf die Lauer legt, der sollte ein Fernglas im Gepäck haben, so der Experte. "Die Menschen sollten auf Abstand bleiben und ruhende Tiere nicht aufschrecken. Gerade größer Vögel kostet das sehr viel Kraft."

Zum dritten Mal ruft der NABU im Januar zum großen Vogel-Zählen auf. Alleine in Mecklenburg-Vorpommern beteiligten sich im letzten Jahr trotz Dauerregens mehr als 1200 Vogelfreunde. Bundesweit waren es fast 60 000. Feld- und Hausspatz konnten damals besonders häufig gesichtet werden. In MV wurden dem NABU mehr als 12 000 Tiere gemeldet. Kohl- und Blaumeise waren zwar nicht ganz so häufig, aber noch stärker verbreitet. An rund 80 Prozent der Beobachtungsplätze wurden diese Arten gesichtet.

Für alle, die sich an der Aktion beteiligen wollen, hält der Naturschutzbund auf seiner Internetseite www.nabu.dezusätzliches Informationsmaterial bereit. Unter anderem auch spezielle Zählkarten mit den Fotos der wichtigsten Arten.

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