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Müritz-Nationalpark : Naturschützer fordert Jagd auf Wölfe

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erstellt am 08.Aug.2012 | 07:16 Uhr

Waren | In Umfragen bekommt der Wolf immer wieder eine Mehrheit in Deutschland. Viele wollen, dass das Raubtier wieder hier heimisch werden kann. Doch das ficht Gerd Steinberg nicht an. Der Rentner lebt unmittelbar am Müritz-Nationalpark in Boek und ist einer der wenigen, die sich offen gegen die Rückkehr der Wölfe engagieren. "Erst in wenigen Jahren - wenn bestimmte Tierhaltungen nicht mehr möglich sind - werden einige verstehen, dass wir Recht hatten", sagt Steinberg, der ein länderübergreifendes "Bündnis gegen den Wolf" gegründet hat. Der 72-Jährige ist kein Laie: Steinberg arbeitete jahrzehntelang in Berlin-Marzahn ehren- und hauptamtlich für den Naturschutz und hat sogar Auszeichnungen dafür erhalten.

"Der Wolf wird von vielen Deutschen mit dem Hund gleichgesetzt und erhält seinen Ehrenstatus, das ist ein schwerer Fehler", meint Steinberg. Nahe Boek an der Landesgrenze zu Brandenburg, wo er seit zwölf Jahren lebt, wurden mehrfach Wölfe gesichtet. In den letzten zwei Jahren wurden in der Region fast 100 Schafe, Damhirsche und sogar Rentiere gerissen, obwohl bisher nur einzelne Wolfsmännchen nachgewiesen wurden. "Wir erwarten aber in Kürze die Ansiedlung eines ersten Rudels", kündigte Agrarminister Till Backhaus (SPD) kürzlich an. Das ist keine gute Nachricht, meint Steinberg. Seine Familie stammt aus dem früheren Hinterpommern, wo es damals auch Wölfe gab.

Steinberg ist in Mecklenburg aufgewachsen, war in der DDR im Fischgroßhandel und kennt alle Gewässerecken in Ostdeutschland. Half er in Berlin-Marzahn Amphibien durch das Anlegen von Kleingewässern, so unterstützt er jetzt vor allem wilde Enten und Gänse. Mehr als 100 Tiere hält Steinberg auf seinem Fünf-Hektar-Hof in Boek, der mit einem Wildzaun gesichert ist. Auch der regional fast ausgestorbene Spatz ist dort dank Steinberg wieder vertreten, was ihm Naturschützer hoch anrechnen.

"Die Enten und Gänse ziehen bei mir ihre Jungen auf, die dann wegfliegen, wenn sie können", erzählt Steinberg. Dabei muss er vor allem Füchsen das Handwerk legen und Waschbären verscheuchen. Wölfe möchte er deshalb, wie andere Tierhalter in der Region, nicht unbedingt auch noch als "Nachbarn". Auch wenn Politiker immer wieder Hilfen beim Bau von Elektrozäunen zusichern, ein Miteinander sei in der Landwirtschaft nicht machbar, glaubt Steinberg. Die Landesregierung in Potsdam hält eine Koexistenz von Landwirtschaft und Wolf dagegen durchaus für machbar. Allerdings müssten Naturschützer und Landwirte etwas dafür tun. Derzeit werde der Wolfsmanagementplan überarbeitet.

Noch bestehe sicher keine Gefahr für Menschen, räumt der Wolfsgegner ein, denn Isegrim könne von einem guten Wildbestand zehren. Doch wenn Wölfe an Dörfern vorbeizögen, nähmen sie auch Hunde und Katzen. Und wenn der Wildbestand erstmal dezimiert sei, würden auch Rinder und Pferde nicht mehr sicher sein, was Wolfsbefürworter bestreiten. Das werde zuerst die ökologische Tierhaltung merken, erwartet Steinberg. "Wir verlangen, dass Wölfe wieder gejagt werden, wie in anderen Ländern auch, sonst verlieren sie die Scheu", heißt die Forderung der Wolfsgegner.

Steinberg hat bei allem, was er anpackt, einen langen Atem. Er war jahrelang Marathonläufer. In dem kleinen Ferienort engagiert er sich auch bei Dorffesten. Mit grünem Försterhemd und dem Transparent "Leben ohne Wolf" haben Steinberg und Unterstützer mehrfach bei Versammlungen auf Bedenken aufmerksam gemacht. Bei einigen Wolfsfreunden vermutet Steinberg ein gesundes Eigeninteresse. "Biologen bekommen nicht so einfach gut bezahlte Stellen heute, da kommt manchem so ein Wolfsprojekt sicher zugute", vermutet der Rentner - und geht wieder zu seinen Schafen, Gänsen und Enten.

Das Wolfsmanagement

Ein Wolfsmanagementplan soll im Land Brandenburg den Umgang mit den seltenen Raubtieren regeln. Bis Anfang 2013 soll das Konzept, für das mehr als 80 Institutionen gehört würden, vorgestellt werden. In dem Papier soll es um den Schutz des Wolfes gehen. Es soll aber auch geklärt werden, wo Wölfe leben und wie Landwirte ihre Tiere schützen können.

Der alte Wolfsmanagementplan stammt offiziellen Angaben zufolge noch aus dem Jahr 1994.
In Brandenburg gibt es 40 bis 50 frei lebende Wölfe. Das Nachbarland Sachsen will Wölfe unter Jagdrecht stellen, aber ganzjährig schützen. Davon verspricht sich die Regierung ein größeres Engagement der Jäger beim Wolfsmanagement. Allerdings bedeutet das nicht, dass die Tiere gejagt werden dürfen.

In Brandenburg wurden nach Angaben des Ministeriums in Potsdam zuletzt vor etwa 150 Jahren Wölfe geschossen. Anfang der 1990er-Jahre kehrten die ersten Tiere zurück.


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