Flugplätze in MV : Natur erobert einstige Militärgelände

Auf dem damaligen Bundeswehrflughafen Neubrandenburg-Trollenhagen  wird  Ende 2012 ein Transportflugzeug    für den Afghanistan-Einsatz beladen. Der Militärflughafen mit seiner maroden Landebahn wurde im September 2013 geschlossen.
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Auf dem damaligen Bundeswehrflughafen Neubrandenburg-Trollenhagen wird Ende 2012 ein Transportflugzeug für den Afghanistan-Einsatz beladen. Der Militärflughafen mit seiner maroden Landebahn wurde im September 2013 geschlossen.

Seit 1990 zieht sich das Militär schrittweise zurück und hinterlässt den Kommunen Gebäude und Flächen. Besondere Hilfe braucht derzeit die Region Neubrandenburg mit dem Flugplatz Trollenhagen.

svz.de von
08. Dezember 2013, 17:18 Uhr

Wo einst Soldaten das Kriegshandwerk übten, sind heute vielerorts zivile Betriebe und Institutionen eingezogen. Auf einigen alten Militärflächen in Mecklenburg-Vorpommern darf sich auch die Natur ausdehnen. Das gehört laut Wirtschaftsministerium zur Konversion, der Umwandlung militärischer Liegenschaften in zivile.

Umweltminister Till Backhaus (SPD) will den Truppenübungsplatz Lübtheen in Südwestmecklenburg dem Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe“ angliedern. Der Platz wurde Mitte 2013 von der Bundeswehr geräumt. Noch sind die Finanzen nicht geklärt. „Das Land müsste die Flächen vom Bund zurückkaufen“, sagte die Referatsleiterin im Wirtschaftsministerium, Frauke Hilgemann. Allerdings müsse die Munitionsbelastung berücksichtigt werden. Bis zu 800 des rund 6000 Hektar großen Gebietes sollen belastet sein. Backhaus strebt die kostenfreie Übernahme des Platzes an, der zu den herausragenden Naturräumen des Landes zählt.


„Ein Allgemeinrezept
gibt es nicht“


Mit schwierigen Konversionsvorhaben muss sich der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte herumschlagen. Seit der Schließung des Militärflughafens Trollenhagen im September ist dessen Zukunft unklar. Rund 700 Dienstposten auf dem Fliegerhorst fallen weg, insgesamt sind es in der Region Neubrandenburg rund 1300. Damit verbunden ist die Schließung eines Bundeswehrdepots in Rechlin, wo in den nächsten Jahren 150 Dienstposten verloren gehen.

Die Gemeinde Trollenhagen lässt mit finanzieller Hilfe des Wirtschaftsministeriums ein Konversionskonzept für den Technikpark des Fliegerhorstes erarbeiten, die Gemeinde Rechlin lässt eine gewerbliche und touristische Nutzung des Depots prüfen, wie Hilgemann sagte. Das Land fördere zudem die Beschäftigung von Konversionsbeauftragten etwa in Rechlin, der Mecklenburgischen Seenplatte und in Peenemünde, wo mit der ehemaligen Heeresversuchsanstalt aus der Nazizeit auch denkmalpflegerische Aspekte zu berücksichtigen sind.

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sagte: „Ein einheitliches Allgemeinrezept für Lösungen vor Ort gibt es nicht, dies muss von Fall zu Fall entschieden werden und ist individuell verschieden. Wir lassen die Gemeinden mit dieser Aufgabe nicht allein.“

Beratung erhalten die Konversionsgemeinden auch von der IMAG, der Interministeriellen Arbeitsgruppe Standortkonversion beim Wirtschaftsministerium. Ihr gehört der innenpolitische Sprecher der Linksfraktion im Landtag, Peter Ritter, an. Sein Name ist eng mit dem Standort Basepohl bei Stavenhagen in seinem Wahlkreis verbunden, wo er einst selbst Offizier war. Basepohl gilt als Vorzeigeobjekt. Dort wurde die gleitende Konversion „erfunden“: Ein Teil der Gebäude und Flächen wird bereits zivil genutzt, der andere noch militärisch.


Bio-Futtermittelwerk und Solarpark


Zwei Drittel des Kasernengeländes sind an Gewerbebetriebe verkauft, wie Ritter sagte. Ein Metallbaubetrieb, eine Spedition, ein Bio-Futtermittelwerk und ein Maschinenhändler kamen. Der 36 Hektar große Hubschrauberstart- und -landeplatz wurde zum Solarpark.

Die aktuelle Bundeswehrreform ist die dritte „Welle“ der Konversion in MV. Anfang der 1990er-Jahre zogen die sowjetischen Streitkräfte ab, deren Hinterlassenschaften mit den heutigen Objekten nicht vergleichbar seien: „Vieles musste abgerissen werden, Böden waren durch Munition oder Öl verunreinigt“, sagte Ritter. 2002 und 2011 folgten Strukturreformen. In die Objekte sei seit 1990 viel Geld geflossen. „In viele große Fahrzeughallen zum Beispiel können Investoren sofort einziehen.“

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