Kultur : „Nathan der Weise“ reloaded

Nathan (Ismael Volk, 2.v.l.) erzählt die Ringparabel.
Nathan (Ismael Volk, 2.v.l.) erzählt die Ringparabel.

Das Junge Staatstheater Parchim zeigt mit „Nathans Kinder “ eine erfrischende Version von Lessings Klassiker für junge Zuschauer

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12. März 2018, 05:00 Uhr

Ein Kritiker hat „Nathans Kinder“ von Ulrich Hub das Stück der Stunde genannt. Er irrte sich. Denn der Ur-„Nathan“ war natürlich aktuell in jener Zeit, von der es erzählt, als die Kreuzritter in Jerusalem einfielen. Es war aktuell, als Lessing es vor mehr als 200 Jahren schrieb. Und aktuell ist es noch immer. Fortsetzung folgt? Man muss kein Pessimist sein, um das zu befürchten.

Das Junge Staatstheater Parchim hat nun diesen neuen „Nathan“ für junge Zuschauer ab 14 herausgebracht, und wenn wir uns nicht sehr irren – die umjubelte Premiere am Sonnabend im Schweriner E-Werk besuchten eher ältere Zuschauer – wird die Zielgruppe sehr angetan sein von dieser frischen und frechen Inszenierung.

Autor Ulrich Hub und Regisseur Frank Voigtmann verschlanken die bekannte Geschichte von dem jungen Kreuzritter, der das Judenmädchen Recha aus einem brennenden Haus rettet, bewahren aber Lessings moral- und religionsphilosophische Essenz. Was ist der einzig wahre Glaube? Gehört Gott einer Religion allein? Was ist das für ein Gott, dass man für ihn tötet? Die alten Fragen sind, wie gesagt, leider immer noch die neuen.

Die 70-minütige Inszenierung vergeht wie im Fluge. Fünf transparente, bewegliche Stellwände erlauben stimmungsvolle Schattenspiele und Videoinstallationen und strukturieren zugleich die Bühne immer wieder neu (Ausstattung Hannah Hamburger). Kreuzritter Kurt (Nils Höddinghaus) ist ein wütender junger Mann mit Mopedhelm und Jeans, Recha (Betül Okur) eine quirlige und lebenslustige junge Frau, die ihren Retter nach und nach um den Finger zu wickeln weiß, der Sultan (Julian Dietz) mit Megaphon und immigrantischem Slang viel weniger fanatisch als der oberlehrerhaft, dogmatische Bischof (Andreas Schirra), und Nathan (Ismael Volk) ein gewitzter Vater, weitaus mehr als die erwartbare Karikatur des weisen Juden.

„Väter sind so nutzlos“, Muslim, Muselmann, Moslem – viele der witzigen Dialoge und frechen Wortspiele setzen auf die Erfahrungswelt junger Zuschauer, die sich wahrscheinlich leicht mit der sich anbahnenden Liebesgeschichte zwischen Kurt und Recha identifizieren können und lästige Belehrungen von zu Hause nur allzu gut kennen.

Nicht zuletzt trägt die Musik zwischen arabischem Pop und Klezmer zur ganz und gar nicht klassisch-verschnarchten Anmutung dieser Inszenierung bei.

Selbst Nathans berühmte Ringparabel wird zur heftig diskutierten Geschichte. Und während sich die Vertreter aller drei Religionen zum Schluss heftig streiten über den wahren Glauben, knutschen Recha und Kurt unter kitschig-roten Herzen. Das letzte Wort indes hat Nathan. Es ist keines der Liebe.

Weitere Vorstellungen:
am 12.3. um 10.30 Uhr, 12.4. und 24.4. um jeweils 10 Uhr und am 27.4. um 18 Uhr im E-Werk des Mecklenburgischen Staatstheaters und am 22.3. und 18.4. um 10 Uhr im Malsaal in Parchim

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