Spendenaktion : Narben auf Körper und Seele

Gewalt hinterlässt Spuren fürs Leben – und ist gesetzlich verboten.
Gewalt hinterlässt Spuren fürs Leben – und ist gesetzlich verboten.

Kinderschutzbund kämpft mit Hilfs- und Präventionsprojekten gegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen

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25. November 2014, 07:29 Uhr

Oktober 2014: Ein drei Monate altes Baby aus Dranske auf der Insel Rügen wird mit schweren Verletzungen in eine Greifswalder Klinik eingeliefert. Der 34-jährige Vater wird verdächtigt, das kleine Mädchen misshandelt zu haben. Er bestreitet die Tat und beschuldigt die 26 Jahre alte Mutter. Der Säugling ist inzwischen außer Lebensgefahr. Ob er Folgeschäden davonträgt, kann noch nicht abgeschätzt werden.

Wenige Tage zuvor: Ein 30-jähriger Mann aus Grevesmühlen wird vom Landgericht Schwerin zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Er hatte sich mehrfach an seiner Tochter vergangen und Fotos davon im Internet verbreitet. Das Kind war zur Tatzeit knapp zwei Jahre alt.

September 2014: Eine 28-jährige Mutter muss sich vor dem Landgericht Schwerin wegen Totschlags verantworten. Sie wird zu fünf Jahren Haft verurteilt. Die junge Frau aus Grevesmühlen hatte ihren kleinen Jungen unmittelbar nach der Geburt in der Badewanne ertrinken lassen. Vorher hatte sie ihm noch einen „Abschiedskuss“ gegeben.

Erschütternde Meldungen wie diese haben sich in den vergangenen Monaten gehäuft. Inzwischen müssen die Jugendämter im Land rund 1000 Kinder und Jugendliche pro Jahr zu ihrem eigenen Schutz kurz- oder langfristig in Obhut nehmen. Fast 1000 Anrufe gingen 2013 außerdem bei der Kinderschutzhotline des Landes ein. Auch hier spielten bei den Meldungen Vernachlässigung und Misshandlungen eine große Rolle.

Um Gewalt gegen Kinder entgegenzuwirken, hat der Kinderschutzbund im Nordosten in den vergangenen Jahren ein breites Netzwerk von Angeboten aufgebaut. Das wollen wir in den kommenden Wochen anhand mehrerer Beispiele und Geschichten vorstellen. Psychosoziale Prozessbegleiter helfen Kindern und Jugendlichen, die Gewalt erfahren haben, bei Strafverfahren. Trainer gehen in Kitas und erklären den Jüngsten, wann und wie man „Nein“ sagt. In Kursen bekommen Eltern Erziehungstipps, die nicht nur überforderte Mütter oder Väter gerne annehmen. In Geschäften werden „Notinseln“ für Kinder eingerichtet. Am Kinder- und Jugendtelefon können Betroffene ihr Herz ausschütten. Hat sich der Kummer bedrohlich verfestigt, bietet die Landesfachstelle Suizidprävention in der Kinder- und Jugendhilfe Unterstützung an. Gegen Mobbing werden Schüler als Streitschlichter ausgebildet. Anlaufstellen mit Mittagstisch oder offene Treffs wirken außerdem Armut und Ausgrenzung entgegen.

Diese Arbeit des Kinderschutzbundes in Mecklenburg-Vorpommern finanziert sich zu einem großen Teil aus Spendengeldern. „Ohne diese Spendengelder könnten die Kreis- und Ortsverbände des Verbandes viele ihrer Projekte und Angebote, wie zum Beispiel den pädagogischen Mittagstisch in Schwerin oder die Beratung von Familien in Rostock nicht fortführen“, sagt die Landesvorsitzende Angelika Stiemer. „Gerne würden wir auch noch mehr jungen und werdenden Müttern und Vätern Elternkurse anbieten. Jede Spende trägt dazu bei, dass wir Familien in ihrem veränderten und oftmals schwierigen Erziehungsalltag nicht allein lassen“, so Angelika Stiemer weiter.

Auch was den sexuellen Missbrauch betrifft, würde der Kinderschutzbund gern die Prävention verstärken. Häufig geschehen diese Übergriffe in der Familie. Aber auch im Freizeitbereich, wie beispielsweise beim Jugendsport, kommt es immer wieder zu Fällen sexueller Gewalt an Kindern. „Wir brauchen noch viel mehr Präventionsangebote – gerade auch im Sportbereich – um Kinder und Jugendliche vor solchen Übergriffen zu schützen“, stellt Landesgeschäftsführer Carsten Spies fest. „Jede Spende hilft uns dabei, Kinder durch Aufklärung und Hilfe vor sexueller Gewalt zu schützen.“

Neben dem Einsatz des Kinderschutzbundes sieht sich auch die Politik in der Pflicht. Die Landesregierung werde sich weiterhin dafür stark machen, Kindern in Mecklenburg-Vorpommern „eine altersgerechte Entwicklung und lebenswerte Zukunft zu bieten“, sagt Landessozialministerin Birgit Hesse (SPD): „Gewalt gegen Kinder ist durch nichts zu rechtfertigen. Kinder benötigen unseren besonderen und uneingeschränkten Schutz.“

Ein Dach für Kinder

Eine Aktion  unserer Zeitung und des Kinderschutzbundes  

Spendenkonto:  DKSB Landesverband MV e.V.
Kontonummer:  1713812769
BLZ: 140 520 00
Sparkasse Mecklenburg-Schwerin
IBAN: DE96 1405 2000 1713 8127 69
BIC: NOLADE21LWL
Stichwort: Ein Dach für Kinder

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