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Streit um Entschädigung zwischen Landwirt und Ministerium : Nandus fressen Utechter Feld kahl

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Bislang hieß es immer: Nandus verursachen keine Schäden. Weder in der Landwirtschaft noch für die Jagd. Das stimmt inzwischen nicht mehr. Die Laufvögel haben jetzt bei Utecht erstmals ein ganzes Rapsfeld kahl gefressen.

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erstellt am 29.Mär.2011 | 07:52 Uhr

Utecht | Bislang hieß es immer: Nandus verursachen keine Schäden. Weder in der Landwirtschaft noch für die Jagd. Das stimmt inzwischen nicht mehr. Die ursprünglich aus Südamerika stammenden Laufvögel haben jetzt bei Utecht in Nordwestmecklenburg zum ersten Mal ein ganzes Rapsfeld kahl gefressen. Landwirt Hans-Friedrich Grube aus Hornstorf bei Lübeck musste sich also eines Besseren belehren lassen. Er schüttelt den Kopf. Auf seinem gepachteten Flächen in Utecht ist nur noch braune Erde zu sehen. Der Landwirt musste sein Feld umbrechen und Sommergerste ansäen. Der Grund: Bis zu 70 Nandus hatten sich im Winter über den Acker hergemacht, der gerade einmal 15 Fußballfelder groß ist. Grube hat sogar versucht, den Nandus mit Gülle den Appetit auf Raps zu verderben. Allerdings erfolglos. Nachdem der Schnee aufgetaucht war, sah er das Unheil: Das Feld war kahl gefressen.

Schaden beläuft sich auf 30 000 Euro

Experten des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt haben sich inzwischen selbst ein Bild davon gemacht. Ihr Urteil: Totalschaden. Landwirt Grube schätzt den Verlust auf 30 000 Euro. Ersetzt bekommt er ihn allerdings nicht. Zwar gibt es im Land eine so genannte Ertragsausfallrichtlinie, aber die greift nur, wenn einheimische Arten Schäden auf den Feldern verursachen, sagt Marion Zinke vom Landwirtschaftsministerium. Und dazu zählen die Exoten aus Südamerika bisher nicht. Zinke: "Wir zahlen nur, wenn einhei mische Arten Schäden auf den Feldern verursachen." Und die Laufvögel aus Südamerika seien alles andere als einheimisch.

Das ärgert Landwirt Grube mächtig. "Ich bleibe auf meinen Kosten sitzen. Das ist eine Katastrophe erster Ordnung. Man stellt mir ganz klar dar, dass man eigentlich ja gar keine Nandus in Mecklenburg-Vorpommern hat. Es gibt eine Entschädigung für Kraniche, für Wildgänse, für Schwäne und natürlich auch für die seit kurzem aufgetretenen Wölfe, aber es gibt keine Schadensregelung für Nandus", sagt Landwirt Grube.

Dass es überhaupt zu den Schäden durch die Nandus gekommen ist, führt Grube auf die vielen Niederschläge im August zurück. "Das hat die Rapsbestellung verzögert. Viele Landwirte in dieser Region haben ihren Raps überhaupt nicht bestellt, weil die Böden nicht befahrbar waren." Grube dagegen hatte es rechtzeitig geschafft. Seine Rapspflanzen waren damit weit und breit am größten. Auf seinem Feld trafen sich die Nandus, um über den Winter zu kommen. Nandus lieben Raps wegen des hohen Energiegehaltes, sagt Landeskundler Frank Phillip. Er schließt auch künftig Schäden durch Nandus nicht aus.

Phillip führt seit Jahren Zählungen der Laufvögel durch. Und er warnt: Denn allein 2009 hatte sich der Bestand der Nandus verdreifacht - 35 erwachsene Tiere haben 80 Küken groß gezogen. Nur weil die beiden letzten Winter so streng waren, leben im Moment nur noch rund 35 Nandus in der Schaalseeregion. Werden es wieder mehr Nandus, könnte es mehrere kahle Rapsfelder geben, befürchtet Hans-Friedrich Grube.

Laufvögel längst eine heimische Art

Deshalb fordern er und inzwischen auch andere Landwirte vom Landwirtschaftsministerium in Schwerin eine Lösung für das Nanduproblem. Und eigentlich ist die Sache auch ganz einfach, sagt Frank Philipp. Denn eigentlich seien die Nandus als heimische Art anzusehen, da sie sich seit rund zehn Jahren erfolgreich vermehren. Phillip: "Als heimisch gilt eine Art, wenn diese sich über zwei bis drei Generationen, ohne Hilfe des Menschen erfolgreich reproduziert." Deshalb müssten Landwirte eigentlich längst eine Entschädigung erhalten. Marion Zinke vom Landwirtschaftsministerium sagt allerdings klipp und klar: "Es wird auch künftig keine Entschädigungen für Schäden durch Nandus geben. Wir können doch nicht jeden Schaden der Landwirte durch Steuergelder ausgleichen." Die ersten drei Paare waren vor mehr als zehn Jahren aus einem Gehege bei Lübeck Richtung MV entwischt. Zwischenzeitlich war ihre Zahl auf über 100 Tiere angewachsen. Bis zu 35 dieser straußenähnlichen Laufvögel aus Südamerika leben derzeit in der Schaalseeregion - eine in Mitteleuropa einmalige Population. Die Nandus sind braun gefiedert und rund 1,40 Meter groß.

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