zur Navigation springen

Grausiger Fund bei Thandorf : Nandu abgeschossen und zerstückelt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spaziergänger entdecken einen getöteten Laufvogel im Wald. Die Tiere sind streng geschützt und dürfen nicht gejagt werden

Das einst so eindrucksvolle Tier liegt dreckverschmiert im Laub: ein Einschussloch in der Brust, die Beine professionell abgetrennt. „Das ist einfach eine Sauerei“, sagt Annette Herbing. Am ersten Weihnachtsfeiertag haben sie und Tochter Alina den toten Nandu beim Spaziergang im Thandorfer Gemeindewäldchen gefunden. Unweit des Wanderweges nahe Rehna hat ihr Hund den erschossenen Laufvogel entdeckt. „Es war offensichtlich, dass die Beine mit einer scharfen Klinge abgeschnitten wurden“, sagt Annette Herbing, in der Brust habe sie ein Einschussloch festgestellt. „Der, der das getan hat, konnte schießen. Ich gehe davon aus, dass der Nandu im nahegelegenen Rapsfeld erschossen und dann in den Wald gezogen wurde“, so Herbing. Sie ist sauer: „Das war ein gesunder, kräftiger, Nandu. Diese Tiere sind geschützt.“

Und das gleich zweifach: Sie unterliegen dem weltweit gültigen Washingtoner Artenschutzabkommen, und dürfen als sogenanntes „nicht jagdbares Wild“ nach dem Jagdgesetz nicht geschossen werden.

Für Matthias Hippke, Sachgebietsleiter für Arten und Biotop-Schutz beim Amt für das Biosphärenreservat, hat dieser Fall damit eine ganz neue Qualität: „Wir hatten bereits Fälle, in denen illegal Nandu-Eier entnommen wurden. Aber dass ein Nandu geschossen wurde, habe ich noch nicht gehört. Das ist Wilderei.“ Für Nandus, die innerhalb der Grenzen des Biosphärenreservats tot aufgefunden werden, ist grundsätzlich das Amt für das Biosphärenreservat zuständig. Tote Nandus sollten hier unmittelbar gemeldet werden. „Einem solchen Fall würden wir selbstverständlich nachgehen und bei Polizei und Unterer Jagdbehörde anzeigen, damit versucht wird, den Täter zu ermitteln“, so Hippke.

Verendete Nandus würden ins Berliner Institut für Zoo- und Wildtierforschung geschickt, wo sie beispielsweise auf Parasiten untersucht würden, aber auch geprüft werde, wovon sich die Nandus ernähren. Um tote Nandus, die außerhalb des Biosphärenreservats gefunden werden, kümmert sich die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises. Wird – wie beim aktuellen Fund in Thandorf – eine Straftat vermutet, kann zusätzlich vor Ort auch die Polizei informiert werden.

Laut der letzten Nandu-Zählung der Biosphäre vom November leben 70 Alt- und 34 Jungtiere in Nordwestmecklenburg. „Damit haben wir einen relativ hohen Bestand an erwachsenen Tieren, während die Anzahl der Jungen abnimmt. Hier hatten wir früher auch schon zwischen 80 und 90 pro Jahr.“ Die hier lebenden Vögel sind Nachkommen dreier Nandu-Paare, die vor 13 Jahren aus einem Privatgehege bei Lübeck ausbrachen und über die Wakenitz nach MV kamen.

Annette Herbing hat indes einen Verdacht: Bereits zweimal fand sie im Vorjahr verendete Nandus im Wald. „Diese Tiere waren allerdings schon so verwest, dass man nicht mehr viel erkennen konnte. Ich hoffe nicht, dass auch sie erschossen wurden.“

 

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 08.Jan.2014 | 21:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen