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Analyse zur Landtagswahl MV Teil 3 : Namen und Gesichter als entscheidender Wahlfaktor

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Blick auf Personen ist ein wichtiger, aber immer nur ein Aspekt des Wahlausgangs.

Einige Ansätze der Wahlforschung stellen die Personenwahrnehmung in ein gleichwertiges Dreieck mit der Parteienidentifikation und den Themen der Wahl. Diese wissenschaftliche Ausrichtung fußt auf jahrzehntelanger Beobachtung der Politik und des Wahlkampfes. Das Spitzenpersonal steht im Mittelpunkt und kann Wählergruppen binden, auch wenn in Deutschland die Regierung – anders als z.B. der US-Präsident – nicht direkt gewählt wird. Die Kandidierenden zur Landtagswahl 2016 in Mecklenburg-Vorpommern müssen daher als Einflussfaktor der Wahlentscheidung berücksichtigt werden.

Personalisierung ist kein neues Phänomen, bereits der erste Bundeskanzler Konrad Adenauer nutzte die Wahrnehmung seiner Person als Ausdruck von Sicherheit, Stabilität und Wachstum.

Auf Landesebene sind es so zumeist die Ministerpräsidenten sowie deren Herausforderer, die den Personali-sierungseffekt in Kampagnen verwenden: eine Person, die Programm und Arbeit der Partei verkörpert. Bekanntheit, Sympathie und Kompetenzwahrnehmung sind zentrale Aspekte.

In MV wurden lange Zeit Harald Ringstorff (SPD) diese Attribute zugeschrieben. Der Ministerpräsident (1998-2008) verfügte über einen Amtsbonus und das Image als „personifiziertes Mecklenburg-Vorpommern“. Hierin ist gleichzeitig eine wichtige Wegmarke bei der Entwicklung der SPD zur Landespartei zu sehen.

Im Wechsel zu Erwin Sellering konnte dieser, trotz seiner westdeutschen Herkunft, das Bild des Landesvaters rasch einnehmen und bei der Wahl 2011 dieses mit der als gut rezipierten Arbeit der Landesregierung verknüpfen. Für beide SPD-Spitzen wurde ein stark personalisierter Wahlkampf geführt.

Die CDU-Herausforderer Jürgen Seidel (2006) und Lorenz Caffier (2011) konnten in der Wahrnehmung der Bevölkerung mit einer ähnlichen Strategie weniger überzeugen und blieben in der so genannten Direktwahlfrage („Wenn der Ministerpräsident direkt gewählt werden würde, für wen würden Sie sich entscheiden?“) zum Teil deutlich hinter den Werten der Amtsinhaber zurück.

2016 setzen die großen Parteien erneut auf das Spitzenpersonal von 2011. Die April-Umfrage zeigte: Bei der Direktwahlfrage konnte Caffier als Innenminister zwar aufholen, ihn trennen aber weiterhin 33 Prozentpunkte von Sellering – 57 Prozent würden den Ministerpräsidenten, nur 24 den CDU-Herausforderer direkt wählen. Sellering bleibt, ähnlich wie 2011, der populärste Landespolitiker. 67 Prozent bewerten seine Arbeit positiv, bei Caffier sind es 53 Prozent.

Für die Spitzenkandidaten der anderen Parteien geht es in erster Linie darum, ausreichend Bekanntheit zu erlangen, um mögliche Personalisierungseffekte nutzen zu können.

Helmut Holter (Die LINKE) hat als ehemaliger Arbeitsminister einen Bekanntheitsvorsprung, 36 Prozent der Bevölkerung sind mit seiner Arbeit zufrieden.

Silke Gajek, als Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, kennen hingegen 63 Prozent der Befragten nicht. Ebenso ist Leif-Erik Holm, der den Listenplatz 1 der AfD innehat, 56 Prozent unbekannt.

Ein Höhepunkt des Personenwahlkampfs bildet zumeist das so genannte „TV-Duell“ der Spitzenkandidaten.

Die Stimmen werden aber den Parteien und ihren Direktkandidaten in den Wahlkreisen gegeben. So bleibt der Blick auf Personen ein wichtiger, aber immer nur ein Aspekt der Wahlentscheidung.

Exklusiv für unsere Zeitung: Die Experten

Die Politikwissenschaftler Martin Koschkar (l.) und Jan Müller beobachten exklusiv für unsere Zeitung den Wahlkampf in MV. Die beiden Mitglieder der Arbeitsgruppe Politik und Wahlen am Institut für Politik- und Verwaltungswissenschaften der Universität Rostock werden bis zum Wahltag am 4. September an dieser Stelle monatlich analysieren, welchen Einfluss das Handeln der Parteien und ihrer Spitzenpolitiker auf die Wahlentscheidung der 1,4 Millionen Mecklenburger und Vorpommern haben könnte.
 

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erstellt am 30.Mai.2016 | 21:00 Uhr

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