Betrugsprozess in Rostock : Naiv oder geblendet?

Der frühere Radiomoderator im Landgericht Rostock
Der frühere Radiomoderator im Landgericht Rostock

Die Rostocker Kosmetikerin, die Strohfrau für den ehemaligen Ostseewelle-Moderator Marcus J. war, stand heute vor Gericht

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17. März 2016, 21:00 Uhr

Sie sitzt auf 180 000 Euro Schulden und ist wegen Beihilfe zum Betrug vorbestraft. Beides hat die junge Kosmetikerin dem ehemaligen Morgen-Show-Moderator der „Ostseewelle“ Marcus J. zu verdanken. Als Zeugin vor dem Rostocker Landgericht räumte sie heute ein, von 2010 bis 2012 die Strohfrau für seine krummen Geschäfte gewesen zu sein. Aber die dunklen Punkte ihrer Vergangenheit machen ihr anscheinend wenig aus. „Es war eine Erfahrung für mich. Das Leben geht weiter.“

Marcus J.und sein Komplize Andre B. haben gestanden, bei der „Ostseewelle“ Gewinnspiele mit Hilfe fingierter Gewinner so manipuliert zu haben, dass das meiste Geld in ihre eigenen Taschen floss. Marcus J. hat darüber hinaus seine Gläubiger betrogen. Er war mit etwa 520 000 Euro verschuldet. Damit er auf großem Fuße leben konnte, verschleierte er sein Moderatoren-Honorar. Die Kosmetikerin war die zweite Frau, die ihm dabei half. Ob sie naiv war oder vom Promi-Status des bekannten Moderators geblendet wurde, blieb unklar.

Er hatte die damals 20-jährige in ihrem Kosmetik-Geschäft kennengelernt und sich angefreundet. Da seine Ex-Freundin nicht mehr dafür zur Verfügung stand, fragte Marcus J. die Kosmetikerin, ob sie seine Agentin werden wolle. Sie stellte ihn für 930 Euro im Monat an und vermittelte ihn für 10 000 Euro Honorar als Moderator an die „Ostseewelle“. So kamen die Gläubiger nicht an J.s Einnahmen. Offen gab sie zu, dass sie von der Medienbranche keine Ahnung hatte. Der Sender habe angeblich nur jemanden gebraucht, der den zur Unpünktlichkeit neigenden Marcus J. morgens rechtzeitig ins Studio brachte. Das übrige Honorar floss in den – allerdings erfolglosen – Umbau einer alten Gastwirtschaft. Sie beteuerte, mit J. nie eine Beziehung gehabt zu haben, auch wenn sie fast täglich 24 Stunden mit ihm zusammen war.

Die Kosmetikerin ist nicht die einzige, die wegen der krummen Geschäfte von J. Post vom Gericht bekam. Seine frühere Freundin, die ebenfalls als Strohfrau diente, bekam ebenfalls eine Bewährungsstrafe aufgebrummt. Als Zeugin stand sie gestern nicht zur Verfügung. Sie ist international in der TV-Branche unterwegs.

Auch die fingierten Gewinner der Radio-Gewinnspiele mussten Geldbußen bezahlen. Allerdings nicht an die „Ostseewelle“, sondern an gemeinnützige Einrichtungen. Ein „Gewinner“ blieb verschont. Da sein Gewinn öffentlich bekannt wurde, kürzte die Arbeitsagentur ihm für mehrere Monate die Unterstützung. Der Prozess wird im April fortgesetzt.

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