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Ostseeland Verkehr GmbH : Nahverkehr erwägt Kauf der Ola-Privatbahn

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Neue Chance für die größte Privatbahn in MV: Der Nahverkehr Schwerin erwägt den Kauf der Ostseeland Verkehr GmbH (Ola) vom französischen Veolia-Konzern.

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erstellt am 24.Aug.2012 | 08:05 Uhr

Schwerin | Betrieb auf der Schiene: Im Streit um die Zukunft des mehrheitlich zum französischen Konzern Veolia gehörende Ostseeland Verkehr GmbH erwägt der Minderheitsgesellschafter Nahverkehr Schwerin auch eine Komplett-Übernahme. "Das ist eine Option", sagte Nahverkehrschef Norbert Klatt gestern in Schwerin. Allerdings gebe es bislang noch keinerlei Erklärungen des Veolia-Konzerns zur Zukunft des Unternehmens. Besser wäre es allerdings, wenn der Konzern weiter zur Ola stehen und der Nahverkehr auf der Bahnstrecke Bützow-Neubrandenburg-Pasewalk gemeinsam organisiert würde. Dazu zähle auch, dass sich die Ola doch noch an der Ausschreibung für die Strecke im Ost-West-Netz beteiligen könnte. Ein entsprechendes Bekenntnis des Konzerns fehle aber noch, sagte Klatt. An der Ola sind die Veolia Verkehr GmbH mit 70 Prozent, der Nahverkehr Schwerin mit 30 Prozent beteiligt.

Der Ende 2011 vom Veolia-Konzern angekündigte Verkauf der Verkehrssparte brachte die profitable und größte Privatbahn in MV mit einem Marktanteil im Nahverkehr von knapp 16 Prozent in Existenznot. Die Pläne sorgen für Verwunderung: Zumindest die Ola schreibe schwarze Zahlen, sagte Klatt: "Es läuft sehr gut." Unverständlich, warum man "eine gute Geschichte plötzlich in Frage stellt". Die ehemalige Mecklenburg-Bahn des Nahverkehrs Schwerin und die einstige Veolia-Tochter Ostmecklenburgische Eisenbahngesellschaft (OME) waren 2005 zur Ola fusioniert und fuhren gemeinsam u. a. auf den Strecken Rehna-Parchim, Bützow-Ueckermünde und Rostock-Güstrow im Nahverkehr.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Konzern der Ola allerdings unmittelbar vor Abgabefrist überraschend untersagt, sich an der Ausschreibung des Landes für den Nahverkehr auf der Bahnstrecke Bützow-Neubrandenburg-Pasewalk und Pasewalk-Ueckermünde im Ost-West-Verkehrsnetz zu beteiligen und für Frust in der Belegschaft gesorgt. Zur Verblüffung des Konzerns reichte ein Mitarbeiter daraufhin kurzerhand die Unterlagen doch noch ein und kündigte - bevor der Mutter-Konzern das Angebot erneut stoppte.

Die Courage des Ola-Mitarbeiters hat indes die gesamte Auftragsvergabe des Landes im Ost-West-Netz scheitern lassen. Die Ausschreibung sei aufgehoben worden, teilte das Verkehrsministerium gestern mit. Es habe "kein wirtschaftliches Angebot" gegeben, sagte Ministeriumssprecher Steffen Wehner. Für Reisende habe die Entscheidung aber "keine spürbaren Konsequenzen". Protest hingegen bei einem der Bewerber: Ein Bieter habe die Aufhebung gerügt. Nach dem Rückzug der Ola sollen sich nur zwei Verkehrsunternehmen um den Betrieb der Strecke beworben haben, heißt es in der Branche. Offenbar mit dabei: die Deutsche Bahn. Im März war bereits die Ausschreibung im anderen Teilnetz Ost-West, dem so genannten Los Parchim, aufgehoben worden. Der Grund: finanzielle Fehlkalkulationen im Verkehrsressort. So habe sich der "vorgesehene Finanzrahmen" als "zu eng erwiesen", gestand die vom Land beauftragte Verkehrsgesellschaft ein.

Der Vergabestopp sorgt bei der Ola indes für neue Hoffnung: Damit gebe es die Chance, sich doch noch an einer erneuten Ausschreibung für die Strecke beteiligen zu können, die zum Kerngeschäft der Ola gehörte, hieß es. Erst am Donnerstag hatten 150 Ola-Mitarbeiter vor der Pariser Konzernzentrale für den Erhalt des Unternehmens protestiert. Der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG) zufolge soll der Konzern dabei sig nalisiert haben, dass die Privatbahn weiter Schienenverkehr in MV anbieten könne.

Der Vergabestopp bringt der Ola eine weitere Schonfrist. Derzeit werde über Überbrückungsverträge zum Betrieb der Strecke verhandelt, sagte Wehner. In der Branche wird damit gerechnet, dass die Ola zumindest für weitere ein bis zwei Jahre vom Land mit dem Nahverkehr beauftragt wird. Das Ziel bleibe es aber, den Streckenbetrieb auszuschreiben, erklärte Wehner - allerdings nur mit einem wirtschaftlichen Angebot.

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