27-Jährigem droht für Vielzahl von Delikten hohe Haftstrafe : Nächtlicher Besuch mit Schlagkraft

Der nächtliche Besuch kam unerwartet. Kurz vor Mitternacht klingelte es Sturm an der Wohnungstür im dritten Stock, mitten in Schwerin. Thomas Krüger* ahnte wohl schon Böses, als er der ungebetenen Gäste gewahr wurde.

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04. September 2012, 12:03 Uhr

Schwerin | Der nächtliche Besuch kam unerwartet. Kurz vor Mitternacht klingelte es Sturm an der Wohnungstür im dritten Stock, mitten in Schwerin. Thomas Krüger* ahnte wohl schon Böses, als er der ungebetenen Gäste gewahr wurde. Er machte nicht auf. Das Trio verschaffte sich auf andere Weise Zutritt. Tobias R.* riss eine Holzstrebe aus dem Treppengeländer und zertrümmerte Krügers Tür. Das Unheil nahm seinen Lauf - einen sehr schmerzvollen für den unfreiwilligen "Gastgeber", der zudem seine ungebetenen Besucher gar nicht kannte. Am Ende hatte er Schläge kassiert und Prellungen - unter anderem am Kopf, war um 265 Euro leichter und etliche technische Geräte los. Er rief den Arzt. 24 Stunden behielt ihn die Klinik zur Beobachtung auf der Station.

"Das Treppengeländer war sowieso morsch", erklärte Tobias R. gestern vor Gericht, als würde das die ganze Aktion irgendwie besser machen. Ihm wird unter anderem schwerer Raub, gefährliche Körperverletzung und Diebstahl vorgeworfen. In jener Nacht sind die drei Ganoven mit Skimasken über dem Kopf und mit Handschuhen zu Krüger marschiert. Er habe ihn gar nicht persönlich gekannt. "Aber wir wussten, dass er ein stadtbekannter Dealer war", sagt der Angeklagte. So einer hat doch Drogen und Bargeld zu Hause. Das habe gereizt. "Ich wollte meine Sucht befriedigen", bietet der 27-Jährige dem Gericht ein vielleicht akzeptables Motiv an.


"Wir haben uns gegenseitig hochgeschaukelt"

Die Masken, das bewusst ausgewählte Opfer - ob die Aktion geplant war, will der Vorsitzende Richter wissen. R. überlegt kurz. "Spontan geplant", sagt er dann weise. "Wir haben uns gegenseitig hochgeschaukelt", fügt er hinzu. Die Holzleiste - nun sowieso einmal in Gebrauch - habe er in der Wohnung gegen Krügers Knie gehauen. "Was sehr dumm war", sagt Tobias R. mit neu gewonnener Einsicht und erklärt, woher die rührt. "Ich möchte, dass mir geholfen wird. Dass ich ohne Drogen und mit einer Perspektive leben kann", erklärt er. Wohl wissend, dass einer seiner Kumpane bereits ausgepackt hat. Und dass sein Verteidiger einen Deal mit dem Gericht ausgehandelt hat. Voraussetzung ist, dass R. ein glaubhaftes Geständnis ablegt.

Nun ist R. kein unbeschriebenes Blatt, mehrfach vorbestraft, mit Knasterfahrung. Und das, was ein Gericht "Bewährungsversager" nennt. Er weiß, auf was es jetzt ankommt. Und auch, was ihm hier drohen kann. Diesmal liegt gleich gut ein halbes Dutzend Anklagen auf dem Tisch - darunter auch eine zweite wegen eines Überfalls in einer Wohnung. So lässt er sich auf den "Deal" ein. Auch wenn er auf Jahre hinter Gitter wandert: Zwischen sechs und knapp sieben Jahre Haft hat ihm das Gericht in Aussicht gestellt. Er weiß, es könnte noch schlimmer kommen.

Der Kumpan, der eher geschnappt und schon abgeurteilt wurde, hatte in seiner Verhandlung R. zum Anführer gestempelt. "Der lügt, Herr Richter!", versichert der Angeklagte nun. Aber er gibt zu, dass er zwei bis drei Mal zugehauen habe. Dafür schäme er sich. "Aber das war nicht mit voller Wucht", sagt er, sonst hätte Krüger hinterher auch ganz anders ausgesehen.

Mit Quarzsand gefütterter Handschuh

Warum er einen mit Quarzsand gefütterten Handschuh getragen habe, will der Richter wissen. "Die halten schön warm", antwortet R. Räumt dann aber doch ein, dass so ein Spezialhandschuh die Schlagkraft erhöht.

Hinter ihm auf der Anklagebank sitzt Christian M*. Der wirkt entspannt, während R. redet. M. sitzt nicht in Untersuchungshaft wie der Hauptangeklagte. Er soll auch "nur" bei zwei Diebstählen dabei gewesen sein. Bei einem sollen einem Lebensmittelmarkt nicht etwa Schnapsflaschen, sondern Kaffeepäckchen abhanden gekommen sein: 23 Stück im Wert von knapp 140 Euro. Für die Verhandlung sind noch Termine bis Ende Oktober angesetzt.

*Name geändert

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