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Mecklenburg-Vorpommern

21. November 2017 | 20:34 Uhr

NS-Raubgut in MV : Nadel im Heuhaufen

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwei Forscher haben bei einer Studie im Nordosten mehrere Verdachtsfälle von NS-Raubgut gefunden

In Mecklenburg-Vorpommern werden derzeit Sammlungen von zwölf Museen auf sogenanntes NS-Raubgut untersucht. „Wir wollen klären, ob einzelne Bilder, Möbel oder andere Exponate auf rechtmäßigem Weg in die Sammlungen gekommen sind“, sagte Historiker Reno Stutz. „Es ist aber wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, beschreibt Stutz die Arbeit. Nach einem Jahr gibt es mehrere Verdachtsfälle, zu denen weiter recherchiert werden muss. „Das Projekt ,Provenienzforschung‘ des Landesmuseumsverbandes MV läuft bis zum Sommer 2018 und soll ein ,Erstcheck‘ sein“, erläuterte Stutz. Daraus sollen zusammen mit dem Deutschen Kulturzentrum Magdeburg Vorschläge erwachsen, die in einem Nachfolgeantrag dann noch genauer untersucht werden müssten.

Im Rahmen ihrer Suche haben Stutz und die Kunsthistorikerin Anne Paschen eine Vielzahl der rund 200 Museen in Mecklenburg-Vorpommern angeschrieben. Davon fielen die großen Häuser wie in Schwerin, Rostock und Greifswald heraus, weil sie eigene Forschungen dazu angestellt hätten, sagte Stutz. Als Verdachtsfälle seien eine Truhe von Freimaurern in der Sammlung des Heimatmuseums Demmin, Stühle von damals aufgelösten Studentenverbindungen im Heimatmuseum in Warnemünde und Gemälde mit unklarer Herkunft im Rostocker Schifffahrtsmuseum erfasst worden. „Wir haben den Begriff ,unrechtmäßig‘ deutlich weiter gefasst als nur auf jüdische Bürger“, sagte Reno Stutz. So seien in der NS-Zeit auch Freimaurer und Kirchen enteignet sowie Studentenverbindungen, Arbeitervereine und Gewerkschaften zwangsenteignet worden. So sei man in Stralsund in einem Museum durch Zufall darauf gestoßen, dass gerade ein Nachlass eines Mannes abgegeben wurde, der in der Region damals die Auflösung der Freimaurerloge zu verantworten hatte.

Besonders aufklärenswert scheint den Wissenschaftlern auch ein Extra-Auftrag der Stiftung Mecklenburg. Diese hatte in Schwerin ein Bild des Malers Emil Fischer (1888-1942), der aus Malchin stammt, angekauft. Damit habe der Maler früher eine Rechnung bezahlen wollen, hieß es. „Daran haben wir aber Zweifel“, sagte Stutz. Fischer sei in der Pogromnacht 1938 von Nationalsozialisten als Jude eingestuft, verhaftet und nach Neustrelitz ins Gefängnis gebracht worden. Später kam er wieder frei. „Wir wissen aber auch, dass er 1942 in der Heil- und Pflegeanstalt Bendorf-Sayn in Baden-Württemberg starb“, sagte Stutz.

Dort, wie in anderen Heil- und Pflegeanstalten, gab es eine Reihe von Euthanasieopfern in der NS-Zeit. Die genauen Umstände von Fischers Tod und der Weg seines Bildes müssten noch untersucht werden, die Stiftung wolle das Bild solange nicht öffentlich ausstellen.

Die „Provenienzforscher“ arbeiten unter anderem auch in Pasewalk, Anklam, Wismar, in den Zoologischen Sammlungen Rostock und Schönberg (Nordwestmecklenburg). Auch andere kleine Häuser wie Goldberg und Boizenburg in Westmecklenburg, die allein nicht die Kapazität hätten, alles selbst zu recherchieren, würden sie gern noch besuchen.

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