Vorbestrafter Partei-Funktionär leitete Fußballspiel : Nachwuchs kickt nach NPD-Pfeife

Dirk Bahlmannred
Dirk Bahlmannred

"Armselige Pisse." Wo Argumente fehlen, helfen kräftige Worte. So handhabt es auch Dirk Bahlmann, der für die NPD im Kreistag von Vorpommern-Greifswald sitzt. Bahlmann soll ein Spiel der örtlichen Kicker gepfiffen haben.

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30. September 2012, 07:12 Uhr

Löcknitz | "Armselige Pisse." Wo Argumente fehlen, helfen kräftige Worte. So handhabt es auch Dirk Bahlmann, der für die NPD im Kreistag von Vorpommern-Greifswald sitzt und zudem Gemeindevertreter in Löcknitz ist. Dort, rund 20 Kilometer östlich von Pasewalk, soll Bahlmann mindestens ein Spiel der jüngsten Kicker des ansässigen Vereins VfB Pommern Löcknitz gepfiffen haben. Ausgerechnet ein NPD-Mann also im Trikot des Unparteiischen. Dazu einer, der mehrere Vorstrafen gesammelt hat, einen Journalisten als "Judensau" beschimpfte und im Kreistag handgreiflich gegen Protestierer vorgegangen war.

Günther Hoffmann, der in der Region einen Informationsdienst zum Thema Rechtsextremismus betreibt, dürften Bahlmanns unflätige Äußerungen schon allein deshalb freuen, weil sich die NPD "sonst allzu oft als Kümmerer vor Ort geben und als normale Partei darstellen kann. Dabei ist tausendfach belegt, dass sie die Demokratie abschaffen will." Diese Erkenntnis scheint sich gerade in Löcknitz nur langsam durchzusetzen. Zur 800-Feier der Gemeinde hatten sich Rechtsextreme, darunter auch Bahlmann, unbehelligt in den Festumzug eingereiht. Die Berichterstattung des Nordkurier da rüber hatte zu heftigen Protesten der Gemeinde, insbesondere des stellvertretenden Bürgermeisters Horst Heiser (Die Linke) geführt. Und dieser will sich auch im Fall des pfeifenden Bahlmann nicht eindeutig positionieren. "Wir heißen das zwar nicht gut, die Verantwortung liegt aber beim Verein, und die NPD ist immer noch keine verbotene Partei", so Heiser.

Ähnlich argumentiert auch Sven Reinke, Geschäftsführer von Pommern Löcknitz. "Es stimmt, Bahlmann hat ein Spiel unserer Mannschaft gepfiffen", so Reinke. "Er ist aber ein Vater wie jeder andere auch, die NPD keine verbotene Partei, von daher werde ich seine Hilfe nicht ausschlagen." Bahlmanns Verbindung zum Verein: Sein Sohn spielt selbst im Nachwuchs, zudem tritt der Fliesenleger als Sponsor auf. Vielleicht auch deshalb sieht man beim VfB kein Problem mit dem NPD-Mann an der Pfeife. "So lange er nicht im Stechschritt durch Löcknitz läuft, habe ich damit kein Problem", sagt Reinke weiter, der mit Bahlmann zusammen im Bauausschuss der Gemeinde sitzt. "Sport und Politik gehören strikt getrennt" - so einfach ist das für den Geschäftsführer des Vereins.

Ganz anders sieht man das bei den Fußballverbänden in Kreis und Land. "So einen Fall hatten wir noch gar nicht, umso wichtiger ist es, das so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen", sagt Jörg Mohr, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses beim Fußballverband Vorpommern. Das Problem: In den unteren Spielklassen der jüngsten Kicker werden keine Schiedsrichter angesetzt, wer pfeift, wird vor Ort entschieden, meist stellen die Vereine einen Betreuer oder ein Elternteil. "Da stehen die Vereine in der Verantwortung", so Mohr weiter. Einen Erlass für Vereine, der Aktive und Mitglieder auf ihre Verfassungstreue hin überprüft, gibt es anders als bei Bürgermeisteranwärtern oder Feuerwehrchefs bislang nicht.

Der Fall Bahlmann wird nun auch den Schiedsrichterausschuss des Landesfußballverbands Mecklenburg-Vorpommern (LFVM-V) beschäftigen. "Bei der nächsten Sitzung am 19.Oktober kommt das auf den Tisch", so Dieter Setzkorn, Schiedsrichterobmann beim LFVM-V.

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