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Nachwuchs fehlt: Schweriner Lehrer immer älter

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erstellt am 13.Apr.2012 | 07:11 Uhr

Schwerin | An der Schweriner John-Brinckman-Schule in der Weststadt fehlen Referendare. Das berichtet eine Lehrerin. Sie hatte mehrmals angeboten, einen Referendaren auszubilden und sie oder ihn durch die praktischen Jahre zu begleiten. Ihre Bemühungen endeten allerdings sehr schnell an den Mühlen der Bürokratie, weshalb "ich nun doch keinen Referendaren bekommen habe", berichtet sie.

Der Eindruck der Lehrerin mag ein Einzelner sein, allerdings weist auch das vom Bildungsministerium errechnete Durchschnittsalter der Lehrer mit 50,8 Jahren darauf hin, dass Schwerin "dringend mehr junge Lehrer mit Elan und neuen Ideen braucht", wie die Pädagogin der Brinckman-Schule fordert. Aber wo liegt die Crux?

Zunächst könnte die Ursache darin bestehen, dass zu wenige Nachwuchslehrer ausgebildet werden. Im Schuljahr 2010/11 unterrichteten in Schwerin 555 hauptberuflich tätige Lehrer. Parallel absolvieren 25 Referendare ihren so genannten Vorbereitungsdienst: zwei an Grund-, sieben an Förder-, sechs an Regionalen, sechs an Gymnasien und vier an Beruflichen Schulen. Derzeit dauert ein Referendariat in Mecklenburg-Vorpommern 16 Monate und beginnt im April. Im dann folgenden Schuljahr unterrichtet der angehende Lehrer eigenverantwortlich sechs bis zwölf Unterrichtsstunden. "Er wird damit langfristig im Stundenplan berücksichtigt", heißt es aus dem Ministerium. Die Einstellung führe aber nicht dazu, dass ein Lehrer an eine andere Schule wechseln müsse.

Doch an dieser Stelle vermutet die Pädagogin der Brinckman-Schule eine weitere unnötige Hürde. "Die zwölf Stunden des Referendars werden uns angerechnet, so dass unter Umständen ein Stundenüberhang entsteht und ein Kollege diese zwölf Stunden an einer anderen Schule leisten muss", berichtet sie, die unter anderem schon in Hamburg und Niedersachsen unterrichtete. In anderen Bundesländern werde das anders gehandhabt, dort würden die Stunden zusätzlich auf den schon bestehenden Stundenpol gerechnet.

Eine weitere Hürde, warum Lehrer in der Landeshauptstadt immer älter werden, liegt nach Ansicht mehrerer Institutionen auch an der in Mecklenburg-Vorpommern fehlenden Verbeamtung. Das gibt es nur noch in Berlin. In allen anderen Bundesländern locken die Schulen mit Verbeamtung. Im Jahr 2011 wurden nach Angaben des Bildungs ministeriums im Nordosten 69 Referendare zwar unbefristet aber lediglich in den öffentlichen Schuldienst des Landes übernommen.

Und: Mehrere Lehramtsabsolventen bemängeln nach Informationen unserer Zeitung zudem, dass sich das Landesministerium im Gegensatz zu anderen Ländern zu viel Zeit lasse, Bewerbern zu- oder abzusagen. "So gehen uns die besten Referendare durch die Lappen", sagte Ulrike Berger, bildungspolitische Sprecherin der Bündnis-Grünen im Landtag.

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