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Haft für Hansa-Fan : Nachspielzeit hinter Gittern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Vier Jahre und fünf Monate: Haftstrafe für Hansa-Anhänger nach Steinwurf auf Polizisten

Das Landgericht Rostock hat einen 33-jährigen Nautischen Offizier zu vier Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte am Rande eines Heimspiels des FC Hansa Steine auf Polizisten geworfen. Dabei wurde ein 32-jähriger Beamter durch einen 1,7 Kilogramm schweren Stein an den Rippen verletzt. Der angeklagte Kristian S. habe aus „Hass auf die Polizei“ gehandelt und sei „geplant und gezielt“ vorgegangen, so der Vorsitzende Richter. Sein Fan-Sein habe er nur als Deckmantel benutzt, um seinen „Hass auf den Staat auszuleben“.

Die Verteidigung hatte einen Freispruch beantragt und will Rechtsmittel gegen die Strafe einlegen. Das Urteil und seine Begründung kommentierten zahlreiche Hansa-Fans und Freunde des Angeklagten immer wieder mit spöttischen Kommentaren und hämischem Applaus.

Davon ließ sich der Vorsitzende Richter Goebel nicht anfechten. Anfangs „watschte“ er sogar noch Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) ab. Caffier hatte ein mildes Vorgehen gegen den Steinewerfer als „demoralisierend“ für die Polizei bezeichnet. Der Innenminister hätte besser geschwiegen, so Goebel, statt den Eindruck zu erwecken, er wolle das Verfahren beeinflussen.

Der Schiffsoffizier hatte während des Prozesses die Vorwürfe pauschal zurückgewiesen und sonst geschwiegen. Nach Erkenntnis des Gerichts zählt er zur linksextremen Szene. Im November 2014 nutzte er während der Halbzeitpause des Spiels gegen Dynamo Dresden die angespannte Lage zwischen Fans und Polizei, um insgesamt dreimal die Einsatzkräfte mit Steinen zu attackieren, so das Gericht. Die Richter hatten „nicht den geringsten Zweifel“, dass der vermummte Steinewerfer auf den Überwachungsfilmen, die das Gericht auswertete, der Angeklagte ist. Trotz unterschiedlicher Sturmhauben würden bestimmte Merkmale an der Hose und an der schwarzen Jacke mit denen auf einer Aufnahme des unvermummten Kristian S. übereinstimmen. Die Verteidiger bestritten diese Identität. Das Gericht stützt sein Urteil auch auf einen Mithäftling, dem Kristian S. die Taten in mehreren Gesprächen während der Untersuchungshaft gestanden habe. Dieser hatte seine „Erkenntnisse“ dem Verfassungsschutz geschrieben. Die Verteidiger hielten diesen Zeugen hingegen für vollkommen unglaubwürdig.

Die Rechtsanwälte von Kristian S. versuchten kurz vor dem Ende des elf Monate dauernden Prozesses noch einmal, die Richter moralisch in die Zange zu nehmen. Sie befürchteten, dass „ein Exempel statuiert“ werden solle gegen gewalttätige Hansa-Fans. Polizei und Staatsanwaltschaft wollten offenbar „Härte zeigen“. Das Gericht habe eine vorgefasste Meinung und sei nicht gewillt, dem etwas entgegenzusetzen. Die Verteidiger holten auch noch einen Kriminologen in den Zeugenstand, der die „ungeschriebenen Regeln“ erläuterte, die zwischen Ultra-Fans und Polizei in vielen Stadien herrschten. Dazu gehöre es, dass die Polizei in der Regel nicht in den Block der Ultra-Fans eindringe, solange keine sehr schwere Straftat begangen wurde. Ob Kristian S. als Täter für die Steinwürfe infrage komme, konnte der Experte allerdings nicht sagen.

Unterdessen wurde Kristian S. vom Vorwurf freigesprochen, auch beim Spiel gegen Leipzig im April 2014 Steine auf Polizisten geworfen zu haben. Das ließe sich nicht zweifelsfrei beweisen.

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erstellt am 03.Mai.2016 | 05:00 Uhr

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