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Umweltschutz : „Nachfüllen statt Wegwerfen“

vom
Aus der Onlineredaktion

Städte in MV wollen Pfand auf Coffee-to-go-Becher einführen. Grüne unterstützen die Initiativen

von
erstellt am 17.Sep.2017 | 05:00 Uhr

Schnell unterwegs einen Kaffee trinken – für viele Menschen in Mecklenburg-Vorpommern gehört das Ritual zum Alltag dazu. Ob beim Bummel durch die Stadt, auf dem Weg zur Arbeit oder beim Einkaufen. Coffee-to-go wird immer beliebter. Gleichzeitig wachsen die Müllberge. Denn die Becher lassen sich nur schwer recyclen. Einzelne Städte in MV wollen daher Mehrwegbecher einführen.

„Allein in Greifswald gehen täglich 2500 Einwegbecher über die Theke“, sagt auch Maik Wittenbecher, Geschäftsführer vom Greifswalder Marketing. „Es ist unglaublich, was sich da an Müll ansammelt. Das findet sich natürlich auch im Stadtbild wieder.“ Die Universitätsstadt möchte daher in MV mit zu den Vorreiterin im Kampf gegen den Einwegbecher gehören und ein Pfandsystem einführen. Dazu sollen spülmaschinengeeignete Keramikbecher in den Umlauf gebracht werden. Der Kunde bezahlt pro Kaffee einen Euro Pfand, den er beim Abgeben der Tasse wieder zurückbekommt.

Das Stadtparlament habe die Einführung des sogenannten „Greifswalder Potts“ für Mitte 2018 angesetzt, teilt Wittenbecher mit. Für den Erfolg des Konzepts sei die Akzeptanz der Händler wichtig. „Wir brauchen ein enges Netz, damit das System funktioniert.“

 

Das Lieblingsgetränk der Deutschen

Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. 162 Liter oder 650 Tassen trinken sie pro Jahr. Laut der Deutschen Umwelthilfe kommen mindestens fünf Prozent des Heißgetränks in den Pappbecher. Das Problem dabei ist nicht nur der Plastikdeckel, sondern auch die Kunststoffbeschichtung im Inneren, die vor dem Auslaufen schützen soll. Der Becher darf daher nicht – wie oftmals angenommen – in den Papiermüll.

Mit der Aktion „Nachfüllen statt Wegwerfen“ möchte auch Rostock für das Thema sensibilisieren. Die Hansestadt hat bereits in einer kleinen Auflage einen Mehrwegbecher produzieren lassen. Er ist grün und trägt das Logo des Stadtjubiläums im kommenden Jahr. „Mehrwegbecher sind trotz höherer Aufwendungen bei der Herstellung deutlich umweltfreundlicher als Einwegbecher“, sagt Holger Matthäus, Senator für Bau und Umwelt. Um das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, soll es auf der RoBau-Messe in Rostock vom 6. bis 8. Oktober einen Infostand geben.

50 Rabatt, wer seinen Kaffeebecher mitbringt

In einem Faltblatt informiert Rostock außerdem über das Thema. In ihm sind auch Betriebe gelistet, die das Mitbringen eines eigenen Bechers unterstützen. Teilweise gibt es sogar Rabatt. Beim Alten Strom Café Mahlwerk spart man so sogar 50 Cent. „Wir wollen dadurch das Müllproblem eindämmen und dass weniger Bäume gefällt werden“, sagt Mitarbeiter Mirco Kaplischinski. Das Angebot werde bisher jedoch noch wenig von den Kunden genutzt.

Durch die konsequente Nutzung eines Mehrwegbechers könne jeder Deutsche pro Jahr 34 Wegwerfbecher einsparen, sagt Holger Matthäus. In der Gesamtheit würde dies in Deutschland zu einer jährlichen Vermeidung von rund 40    000 Tonnen Abfall führen.

Auch Stralsund und Schwerin wollen langfristig weg vom Pappbecher, teilten die Städte auf Anfrage mit. Derzeit werden verschiedene Modelle und Finanzierungskonzepte geprüft. Stralsund plant dazu eine Werbeaktion, bei der Mehrwegbecher verteilt werden sollen. Auch in Schwerin wurde bereits 2016 durch die Stadtvertretung der Beschluss gefasst, Möglichkeiten zur Reduzierung der Einwegbecher zu finden. Da ein Großteil der Becher von überregionalen Anbietern kämen, sei eine Insellösung für die Landeshauptstadt jedoch nicht zweckdienlich, teilte Schwerin auf Anfrage mit.


Bald mehr Plastik als Fisch im Meer

Zuspruch erhalten die Städte auch von der Landesfraktion der Grünen. „Wir müssen dringend unser Müllaufkommen reduzieren. Und das fängt schon dabei an, dass wir endlich auf Plastiktüten und Einwegbecher verzichten“, sagt Claudia Müller, Landesvorsitzende und Spitzenkandidatin. Die zunehmende Plastikflut würden die Gewässer im Land und vor allem die Ostsee schädigen. Daher beteiligen sich die Grünen landesweit am heutigen „Coastal Cleanup Day“. Dabei sollen die Strände in MV vom Müll befreit werden. Laut den Grünen könnten 2050 schon mehr Plastik als Fische in den Meeren schwimmen.

Auch die Bundesregierung reagiert auf die zunehmende Beliebtheit des Mitnehmkaffees und erwägt nun, selbst ein Pfandsystem einzuführen. Wann genau dieses umgesetzt werden soll, ist jedoch noch unklar.

 

 

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