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Nach Balkonsturz : Nachbarn stehen unter Schock

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Der Wind weht eisig im Rostocker Blockmacherring, eine alte Frau geht kopfschüttelt an der Ecke eines zehnstöckigen Blocks vorbei, schaut zu einem Balkon im dritten Stock. Viele Nachbarn können es kaum glauben.

svz.de von
erstellt am 13.Jan.2012 | 08:04 Uhr

Groß Klein | Der Wind weht eisig im Blockmacherring, eine alte Frau geht kopfschüttelt mit ihrem kleinen Hund an der Ecke eines zehnstöckigen Blocks vorbei, schaut zu einem Balkon im dritten Stock. Viele Nachbarn können es kaum glauben.

Ein dreijähriges Mädchen ist am Mittwoch gegen 17 Uhr acht Meter in die Tiefe gestürzt. Ihr eigener Vater, der 43-jährige Karsten T. hatte sie vom Balkon geworfen. Aber er könne sich an nichts mehr erinnern, teilte der Rostocker Staatsanwalt Andreas Gärtner gestern mit.

Wie durch ein Wunder überlebte Jessie

"Wieso kann der sich daran nicht erinnern?" Sarah Bähler wohnt einige Meter weiter. Sie kann diese anscheinende Ausflucht nicht verstehen. Es wird geprüft, ob eine bestehende Diabetiserkrankung für die Erinnerungslücken des 43-jährigen Vaters verantwortlich ist, sagt Gärtner. Das Mädchen selbst hat den Sturz wie durch ein Wunder ohne lebensbedrohliche Verletzungen überstanden. Äste eines etwa anderthalb Meter entfernt von der Hauswand stehenden Baumes haben den Sturz abgemildert. Sie hat Hautabschürfungen, Prellungen und Hämatome. Sie ist nur noch zur Beobachtung im Krankenhaus. Aber ob sie diesen Tag je vergessen kann. Eine Kinderpsychologin kümmert sich um das Mädchen. Ihre Eltern leben getrennt, teilen sich das Sorgerecht. Die Mutter war zum Tatzeitpunkt nicht in der Wohnung. Das Jugendamt ist eingeschaltet.

Carmen Meinke geht jeden Tag in der Gegend spazieren. "In dem Haus ist schon viel passiert. Die haben da schon Welpen aus dem Fester geworfen", sagt sie. Doch das übersteige alles. Der Hausflur ist trostlos, blauer Blümchenfußboden, mintgrüne Wende - manche Türen sind versiegelt. Eine junge Frau öffnet vorsichtig ihre Wohnungstür. Sie hat nichts davon mitbekommen. "Ich sperre mich in meiner Wohnung ein, sie sehen doch wie es hier ist." Als sie die Geschichte hört, steigen ihr Tränen in die Augen.

Warum Karsten T. seine kleine Tochter fast getötet hat, ist unklar. Er sei weder alkoholisiert noch unter Drogeneinfluss gewesen. Aber die Wohnung sei ziemlich verwahrlost gewesen, gab die Staatsanwaltschaft an. Der 43-jährige sitzt wegen Verdacht des versuchten Totschlags in der Justizvollzugsanstalt Bützow in Untersuchungshaft.


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