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Mecklenburg-Vorpommern

22. August 2017 | 09:24 Uhr

Nach Leichenfund: Jede Spur verfolgt

vom

Schwerin | Polizeieinsatz mit Taucher und Spürhund gestern in und an der Stepenitz bei Gottmannsförde: Am Tag eins nach dem Fund einer Babyleiche ist die Polizei noch nicht weiter. "Keine verwertbaren Spuren", lautet das nüchterne Fazit, das der Sprecher des Polizeipräsidiums Rostock, Volker Werner, am Abend verkünden musste.

Den Ort eines so schrecklichen Geschehens genau unter die Lupe zu nehmen, ist eigentlich Routinearbeit für die Beamten. Doch die Anspannung gestern ist groß. Schließlich geht es um den Tod eines Neugeborenen. Der kleine Junge kam lebend zur Welt, war normal entwickelt. Seine nackte Leiche war am Mittwochvormittag von einem Angler im Wasser entdeckt worden. Wann und wo genau der Junge geboren wurde, ist weiterhin unklar, betont Werner. Er widerspricht damit anders lautenden Medienberichten. Fest stehe: Der Leichnam muss hier mehrere Tage gelegen haben, der Fundort ist nicht der Geburtsort. Und wie es um die Mutter steht, ist weiterhin völlig unklar. "Die Frau braucht Hilfe", ist der Polizeisprecher überzeugt. Sie jetzt so schnell wie möglich zu finden, sei ein weiterer Schwerpunkt der laufenden Ermittlungsarbeiten. Jeder Hinweis, jedes Detail kann wichtig sein.

Länger als eine Stunde hatte deshalb gestern Mittag ein Polizeitaucher im trüben Wasser der 2,4 Grad Celsius kalten Stepenitz gefischt. Zentimeter für Zentimeter suchte er den Flussgrund ab. Größte Funde dabei waren zwei Leitpfosten von der nahen Kreisstraße. Doch diese haben ebenso wie andere Fundstücke nach ersten kriminaltechnischen Untersuchungen nichts mit dem Fall zu tun. Und auch an Land blieb die Spurensuche ergebnislos. Selbst die feine Nase eines speziell ausgebildeten Belgischen Schäferhundes führte auf keine heiße Spur.

Ebenfalls ohne Ergebnis blieb die Auswertung der telefonisch eingegangenen Hinweise, ergänzt Volker Werner. Der Polizeisprecher dankte den Medien für das schnelle Aufgreifen des Themas - vor allem aber der Bevölkerung für die zahlreich eingegangenen Hinweise. Hier setzt die Polizei weiterhin darauf, dass sich die Mutter oder eine Person aus dem Umfeld meldet. Denn die Schwangerschaft könne nicht unbemerkt geblieben sein. Die Einsatzleitstelle des Polizeipräsidiums ist unter Telefon 038208-888 22 24 erreichbar, Hinweise nimmt auch jede andere Dienststelle entgegen.

Leser sind schockiert

  • Grit Petersohn, stellvertretende Leiterin der Brüsewitzer Kita: „Ich bin ganz fassungslos, kann gar nicht begreifen, dass so etwas Schlimmes ganz in der Nähe, ja quasi vor der Haustür, passiert ist. Es gibt doch Einrichtungen wie die Baby-Klappe in Schwerin. Dort können ungewollte Kinder abgegeben werden, damit eine Mutter eben nicht eine solch grausige Tat begeht.“ Grit Petersohn hat mit Kolleginnen über dieses schreckliche Ereignis gesprochen. „Wir sind alle erschüttert, man kriegt Gänsehaut“, sagt sie. „Man hätte das Baby vor jeder Haustür ablegen können und kurz geklingelt. Ich bin überzeugt, jeder hätte sofort das Richtige getan. Dann hätte das Baby eine Chance zum Leben gehabt.“
  • Manfred Dutz, Bürgermeister von Brüsewitz, hat noch am Mittwochabend die zweite stellvertretende Landrätin von Nordwestmecklenburg, Kerstin Weiss, informiert und sie gebeten zu recherchieren, ob es beim Jugendamt diesbezüglich irgendwelche Erkenntnisse gibt. Bislang liegen keine vor. Man bleibe aber in Kontakt.
  • Doreena Schröder auf Facebook: „Der kleine Junge hat gelebt. Hatte er nicht auch das Recht auf ein Leben? Egal, was war. Es gibt genug Möglichkeiten, man muss keine Babys töten.“
  • Nadine Passehl auf Facebook: „Klein, hilflos, schutzlos und auf die Liebe einer Mutter angewiesen... Gnadenlos enttäuscht, weggeworfen und ,umgebracht’… Die kleinsten werden dafür bestraft, dass die ,Großen’ nicht klar kommen mit und in ihrem Leben! Da spielt jemand Gott und entscheidet über Leben und Tod! Das schönste und beste Geschenk auf dieser Welt wird einfach verantwortungslos weggeschmissen!“


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von
erstellt am 08.Dez.2011 | 10:46 Uhr

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