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Mecklenburg-Vorpommern

24. November 2017 | 01:07 Uhr

Nach Hochwasser Dörfer umsiedeln?

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Deiche zurücksetzen, Ackerbau einschränken und kleine Dörfer umsiedeln - mit drastischen Maßnahmen würde der Naturschutzbund Deutschland dem Elbwasser für den Notfall mehr Platz einräumen.

svz.de von
erstellt am 25.Jun.2013 | 07:20 Uhr

Schwerin | Deiche zurücksetzen, Ackerbau einschränken und manche kleine Dörfer umsiedeln - mit drastischen Maßnahmen würde der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) dem Elbwasser für den Notfall mehr Platz einräumen. Bei Hochwasser wären die Schäden aber deutlich geringer als bisher, sagte gestern der Nabu-Landesvorsitzende Stefan Schwill. Das Schweriner Umweltministerium hält die meisten Nabu-Vorschläge für "schlichtweg rechtlich und politisch nicht durchsetzbar".

Umweltminister Till Backhaus (SPD) solle den Wettstreit im Deiche-Höher-Bauen nicht mehr mitmachen und stattdessen "mit der Natur zusammenarbeiten", so Schwill. Je höher ein Deich, desto schlimmer sei die Katastrophe, wenn er bricht. Das habe das Dorf Fischbeck in Sachsen-Anhalt gerade schmerzlich erfahren. Wenn die Elbe jedoch bis zu 1000 Hektar ihrer natürlichen Auen als "Überlaufflächen" zurückbekäme, könnte ein Elbhochwasser um entscheidende Zentimeter gesenkt werden. Dörfer und Städte im vom Hochwasser gefährdeten Gebieten könnten mit Ringdeichen geschützt werden.

Schwill: "Natürlich brauchen wir auch technische Lösungen". Aber Einzelgehöfte und "Splittersiedlungen" würde er mittelfristig verlegen, um sie nicht mehr aufwändig vor Hochwasser schützen zu müssen. Davon betroffen wären im Extremfall "wenige Hundert Menschen". Auch im Straßenbau seien Enteignungen gegen Entschädigung üblich, wenn das öffentliche Interesse über dem privaten stehe.

Der Nabu-Chef schlug außerdem vor, hinterm Deich nur nachhaltige Weidewirtschaft statt Ackerbau zu betreiben. Dadurch könnte mehr Wasser im Boden versickern und der wirtschaftliche Schaden für die Landwirte wäre im Falle eines Hochwassers niedriger. Wer trotzdem weiter Mais anbauen wolle, dem könnte zum Beispiel die Agrarförderung nach und nach gekürzt oder gestrichen werden. Außerdem, so Schwill, müsse das Land auch an den Elbzuflüssen mehr Polder schaffen, um im Notfall die Wasserstände an der Elbe nicht noch weiter zu erhöhen. In wenigen Jahren sei das alles nicht zu schaffen, räumte Schwill ein, und auch kaum im Alleingang.

Das Schweriner Umweltministerium gestand dem Nabu "einige gute, altbekannte Ansätze" zu. Andere seien aber kaum durchsetzbar. "Erhebliche Zweifel" hegt es gegen Enteignungen von so genannten Splittersiedlungen. Allein schon der Begriff "Umsiedlungen" sei "historisch schwer beladen". Es sei schwer zu bestimmen, wie klein eine Ansiedlung sein muss, um als "Splittersiedlung" zu gelten.

Außerdem würden neben den hohen Kosten für die Umsiedlung der Bau der vorgeschlagenen Ringdeiche um größere Ortschaften viele Millionen Euro kosten. Dazu stehe die Fläche in keinem Verhältnis, die dadurch für überlaufendes Elbhochwasser gewonnen wird.

Bei Mahnkenwerder sei vor vier Jahren ein Deich zurückverlegt worden. Dadurch haben Elbe und das Flüsschen Sude 55 Hektar mehr Platz zum Überlaufen. "Weitere Deichrückverlegungen sind nicht möglich, da diese Flächen einerseits nicht zur Verfügung stehen und andererseits eine wirksame Wasserstandsreduzierung bei dieser Abflussmenge nicht zu erreichen ist", heißt es aus dem Ministerium.

Den Nabu-Vorschlag, in Elbnähe Vieh weiden zu lassen, statt Mais anzubauen, findet auch das Ministerium gut. Allerdings belässt es bei einer Empfehlung an die Landwirte. Von finanziellen Einbußen für "Acker"-Bauern ist nicht die Rede.

Unterstützung fand der Nabu für seine Hochwasserschutz-Forderungen bei den Grünen. Landtagsfraktionschef Jürgen Suhr erinnerte daran, dass selbst Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) festgestellt habe, dass "Flüsse mehr Raum brauchen".

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