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Unwetter in MV : Nach „Herwart“: Bahnverkehr erholt sich langsam

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Der Sturm hat sich gelegt - jetzt beginnt das Aufräumen. Der Bahnverkehr kommt wieder in Gang. Die Zahl der Toten steigt

svz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 08:54 Uhr

Nach dem zweiten großen Herbststurm „Herwart“ bemüht sich die Deutsche Bahn, den teilweise lahmgelegten Zugverkehr im Norden und Osten rasch wieder in Gang zu bringen. Vor allem rund um Hamburg wird es nach Angaben des Konzerns jedoch auch am Montag noch Sperrungen geben. Einzelne Züge auf den Verbindungen Berlin-Leipzig, Berlin-Halle-Erfurt, Dortmund-Hannover und Kassel-Hannover-Hamburg sollten den Betrieb aber bald wieder aufnehmen.

Auf der wichtigen Strecke zwischen Hannover und Berlin werden voraussichtlich ab Montagmorgen erste Züge wieder fahren, ebenso auf den Routen Hannover-Magdeburg, Berlin und Dresden, sowie Münster und Norddeich. Dagegen dürften die Arbeiten auf den vom Sturmtief „Herwart“ stark getroffenen Strecken Hamburg-Berlin, Dortmund-Bremen-Hamburg, Hamburg-Westerland, Hamburg-Kiel, Hamburg-Lübeck-Puttgarden, Hamburg-Rostock-Stralsund sowie Berlin-Stralsund wohl länger andauern. Die Deutsche Bahn hatte am Sonntag in sieben Bundesländern ihren Fernverkehr gestoppt. So hatte das Unternehmen den Verkehr auf den Strecken Rostock-Hamburg, Stralsund-Berlin, Rostock-Sassnitz, Wismar-Tessin sowie zwischen Lübeck und Stettin vorübergehend eingestellt. Auch die S-Bahn in Rostock fuhr zeitweilig nicht.

 
Bahnverkehr

Auf den meisten Linien in MV konnte der Zugbetrieb wieder aufgenommen werden. Auf folgenden Linien bzw. Streckenabschnitten gibt es noch folgende Einschränkungen:


RE 1
Verkehrt: Rostock - Schwerin
Ausfall: Schwerin - Hamburg
Busnotverkehr zwischen Schwerin und Hamburg (es sind 3 Ersatzbusse zwischen Schwerin und Hamburg im Einsatz (ohne Unterwegshalte)
(Prognose: Aufnahme Zugverkehr Montag 15 Uhr)

RE 3
Verkehrt: Stralsund - Berlin Hbf und Berlin Hbf - Lutherstadt Wittenberg / Falkenberg ab Betriebsbeginn
Es kommt noch zu Verspätungen und einzelnen Zugausfällen

RE 5
Verkehrt: Rostock - Oranienburg und Stralsund - Oranienburg sowie Berlin Gesundbrunnen - Wünsdorf-Waldstadt. Es kommt noch zu Verspätungen.
(ab Oranienburg weiter baubedingt mit S-Bahn nach Berlin)

Quelle: Deutsche Bahn Verkehrsmeldungen MV (Stand 30.10. -  6.00 Uhr)

Für Fragen und Hinweise stehen Ihnen darüber hinaus der Kundendialog DB Regio Mecklenburg-Vorpommern unter 0385 750-2405 montags bis freitags von 6.00 Uhr bis 20.00 Uhr zur Verfügung

 

Tote und erhebliche Schäden

Mehrere Tote, Verletzte und erhebliche Schäden - das war die Bilanz von „Herwart“ am Wochenende in Europa. An der Nordsee in Niedersachsen wurde ein 63-jähriger Camper von der Sturmflut überrascht und ertrank.

In Mecklenburg-Vorpommern kenterte ein Motorboot mit drei Urlaubern aus Sachsen. Eine 48-jährige Frau starb noch am Abend im Krankenhaus, ein 56 Jahre alter Mann in der Nacht zu Montag. Die Suche nach einem weiteren Passagier, einem 48 Jahre alten Mann, blieb erfolglos. Sie soll am Montag per Boot fortgesetzt werden.

Polizei und Feuerwehr in Mecklenburg-Vorpommern mussten in der Nacht zu und am Sonntag zu hunderten Einsätzen ausrücken. Sie mussten vor allem Straßen von umgestürzten Bäumen und herabgefallenen Ästen befreien. Die Helfer rückten aber auch wegen teilweise abgedeckter Dächer und umgefallener Gerüste aus. Insgesamt meldete die Rettungsleitstelle Rostock mehr als 300 Einsätze, die Schweriner rund 250. In Neubrandenburg und Stralsund waren es etwa halb so viele.

In Westmecklenburg waren bis zu 9000 Kunden des Schweriner Energieversorgers Wemag zum Teil stundenlang ohne Strom, wie das Unternehmen mitteilte. Windböen von mehr als 100 Kilometern pro Stunde und örtliche Orkanböen verursachten Störungen am Netz durch herabfallende Äste und umstürzende Bäume.

Auf dem Campingplatz Klein Strömkendorf beschädigten Bäume und herabfallende Äste Campingwagen. In Rostock knickten auf Grund des Sturms dutzende Bäume um und stürzten auf Straßen und Autos. In der Ziolkowskistraße in der Südstadt musste die Feuerwehr ausrücken, um einen durchgebrochenen und auf zwei Autos gestürzten Baum zu beseitigen.

Besonders hart getroffen hat es ein Toyota-Autohaus im Dierkower Brückenweg. Dort riss der Sturm ein riesiges Pavillon aus der Verankerung und wehte es über den Betriebshof. Dabei wurden sieben Autos zum Teil erheblich beschädigt. Zudem knickten hier mehrere Laternen ab und stürzten auf Autos, eine Tanne brach entzwei.

In Sternberger Burg kippte ein Baum auf ein Haus, Bewohner kamen nicht zu Schaden. In der Sternberger Karl-Marx-Straße hatten sich Teile einer Solaranlage auf einem Haus gelöst. „Auf Grund des starken Sturmes konnten wir nicht mit der Drehleiter agieren und haben den Bereich komplett abgesperrt“, so Wehrführer Eckardt Meyer. An einer Großbaustelle fiel der Bauzaun in ganzer Länge auf den Gehweg.

Zu Sachschäden kam es unter anderem in Zinnowitz auf der Insel Usedom, wo ein Baum auf mehrere Autos stürzte und vier davon beschädigte. In Heringsdorf stürzte ein Baum auf drei Autos.

Im Greifswalder Birnenweg stürzte ein Baum auf ein Wohnhaus und beschädigte dieses.

Bei Richtenberg kollidierte ein Auto mit einem Ast auf der Fahrbahn.

Foto: Susan Ebel

In Bad Stuer stürzten gleich vier Bäume auf ein Ferienhaus.

Auch im Familientierpark Wolgast riss der Sturm mehrere Bäume auf dem Gelände um. Sie fielen direkt auf den Zaun vom Wolfsgehege. Mit Hilfe der Einsatzkräfte konnte schnellstmöglich ein neuer Zaun gesetzt werden. Tiere entflohen nicht.

Schwerer Unfall nach Hagelschauer auf der A20

Herbststurm „Herwart“ kam aber nicht nur mit starken Winden daher, sondern brachte am Sonntag auch kräftigen Hagel mit. Auf der Autobahn 20 an der Anschlussstelle Bad Doberan kam es deshalb zu einem schweren Verkehrsunfall. Wie die Autobahnpolizei mitteilte, gerieten gegen 10 Uhr unabhängig voneinander zwei Autos ins Schlingern, drehten sich und prallten gegen die Leitplanke. Weitere, dahinter fahrende Autos, konnten noch rechtzeitig bremsen und Schlimmeres verhindern.

<p>Unfall auf der A20</p>

Unfall auf der A20

Foto: Stefan Tretropp
 

Mehrere Feuerwehren, Rettungswagen und ein Notarzt kamen zum Einsatz. Insgesamt erlitten zwei Autoinsassen leichte Verletzungen und kamen in Krankenhäuser. Die Autobahn 20 bei Bad Doberan musste kurzzeitig in Richtung Rostock voll gesperrt werden. Der Asphalt an der Unfallstelle war mit Hagelkörnern übersät.

Foto: Stefan Tretropp
 

Frachter auf Grund gelaufen

 

In der Nordsee ist bei starkem Seegang durch Sturm vor Langeoog ein Frachter auf Grund gegangen. Sämtliche Rettungsversuche schlugen zunächst fehl. Die 225 Meter lange, unbeladene „Glory Amsterdam“ hatte sich am Sonntag in der Deutschen Bucht losgerissen. Nach bisherigen Erkenntnissen seien die 22 an Bord befindlichen Menschen unverletzt, hieß es vom deutschen Havariekommando, das die Einsatzleitung übernommen hat.

Mehrere Menschen wurden außerdem bei Sturm-Unfällen in Deutschland verletzt. In Polen und Tschechien waren mindestens drei Todesopfer zu beklagen. Der Wind erreichte Geschwindigkeiten von bis zu 176 Kilometern pro Stunde am Fichtelberg und 144 Kilometern pro Stunde auf Fehmarn. Er wird sich laut Deutschem Wetterdienst (DWD) zu Wochenbeginn wieder abschwächen.

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