Leichenfund in Alt Rehse : Nach geplatztem Prozess: Angeklagter wieder in Haft genommen

<p>Der Angeklagte Axel G. im Januar 2017 im Landgericht Neubrandenburg</p>

Der Angeklagte Axel G. im Januar 2017 im Landgericht Neubrandenburg

Der nach einem geplatzten Prozess freigelassene Mann aus Alt Rehse (Kreis Mecklenburgische Seenplatte), der seine Lebensgefährtin zu Tode gefoltert haben soll, ist wieder in Haft.

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13. September 2018, 10:13 Uhr

Kurzer Aufenthalt in Freiheit: Der nach einem geplatzten Prozess freigelassene Mann aus Alt Rehse (Kreis Mecklenburgische Seenplatte), der seine Lebensgefährtin zu Tode gefoltert haben soll, ist wieder im Gefängnis. Der 53-Jährige wurde am Mittwoch in einem Dorf bei Neubrandenburg festgenommen, am Donnerstag wurde ihm ein neuer Haftbefehl am Landgericht verkündet, wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Neubrandenburg sagte. Den Haftbefehl wegen Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge hatte das Oberlandesgericht Mecklenburg-Vorpommern in Rostock erlassen. Es hält eine Fluchtgefahr für gegeben. Damit korrigierte das OLG eine Entscheidung des Landgerichtes von vor gut einer Woche.

„Wir waren anderer Meinung als die Richter am Landgericht“, erklärte Oberstaatsanwalt Gerd Zeisler. Vor acht Tagen war der zweite Prozess gegen den 53-Jährigen wegen Besetzungsschwierigkeiten der Strafkammer geplatzt. Weil ein Richter länger erkrankte und ein weiterer Richter pensioniert wird, hätte das Verfahren nicht mehr vorschriftsgemäß beendet werden können. In einem solchen Verfahren darf zwischendurch nur ein Richter ersetzt werden.

Richter sahen keine Fluchtgefahr

In dem Zuge hatte das Landgericht Neubrandenburg den Angeklagten, der seit zwei Jahren in Untersuchungshaft war, gegen den Willen der Staatsanwaltschaft freigelassen. Die Richter sahen keine Fluchtgefahr und meinten, dass von dem 53-Jährigen keine Gefahr mehr ausgehe. Die Staatsanwaltschaft legte Beschwerde beim Oberlandesgericht in Rostock ein, dass nun den Haftbefehl erließ. Im Dorf Alt Rehse reagierten Einwohner erleichtert auf die Haft-Nachricht.

Der Beschuldigte soll seine Lebensgefährtin 2016 in seinem Haus im Streit nackt an ein Bett gefesselt und mit einer Peitsche misshandelt haben. Danach ließ er die 32-Jährige laut Staatsanwaltschaft gefesselt liegen, wo sie Hunger und Durst litt und später starb, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Leiche wurde erst zwei Monate später halb verwest gefunden, die genaue Todesursache blieb unklar.

Der Mann war im März 2017 in Neubrandenburg wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Freiheitsberaubung mit Todesfolge zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hatte einer Revision der Verteidigung stattgegeben und eine Neuverhandlung angeordnet.

Das Landgericht hatte diese Prozess-Neuauflage seit April 2018 in nicht öffentlicher Verhandlung geführt und war weit vorangekommen, bis der Prozess vor einer Woche platzte. Nun soll das Verfahren „in den nächsten Wochen“ neu beginnen, erklärte ein Gerichtssprecher. Weil der Mann in Haft sei, müsse „beschleunigt“ begonnen werden. Die U-Haft für mögliche Straftäter dürfe nicht durch Probleme bei der Justiz verlängert werden.

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