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Mecklenburg-Vorpommern

22. November 2017 | 17:51 Uhr

Nach der Flut fehlen die Helfer

vom

svz.de von
erstellt am 01.Jul.2013 | 08:09 Uhr

Boizenburg/Dömitz | Die Flut ist weg, doch die Sandsäcke sind noch da. Für die 40 Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehren Boizenburg, Bahlen und Schwartow Anlass genug, bei den Aufräumarbeiten nach dem Elbehochwasser zu helfen. In einer Sonderschicht entleerten die Kameraden tausende Sandsäcke. Doch die Hälfte der gefüllten Beutel müssen noch weggeräumt werden. Es fehlt an genügend Ehrenamtlichen in den Gemeinden für die dringenden Aufräumarbeiten. Allein mit der Hand ist der Rückbau jedenfalls nicht zu schaffen. Die spezielle Deicherhöhung in Boizenburg mit Sand und Folien konnte noch nicht wieder beseitigt werden, weil es an Technik und Helfern mangele, erklärte Dagmar Poltier vom Fachbereich Bau und Ordnung gestern. Der Deich in Boizenburg war auf fünf Kilometern Länge um bis zu 50 Zentimeter aufgeschüttet und so sehr schnell mit schwerer Technik erhöht worden. "Die Arbeiten sollten eigentlich bereits in der vorigen Woche erfolgen," verdeutlichte Poltier und fügte hinzu: "Die Stadt kann das nicht allein bewältigen, wir sehen den Kreis in der Verantwortung."

In Sachsen-Anhalt ist man inzwischen dazu übergegangen, gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Ein-Euro-Jobber zur Beseitigung der Flutschäden einzusetzen. Von 3000 Arbeitskräften ist die Rede. Dazu gibt es eine Vereinbarung zwischen Sozialministerium und Bundesagentur für Arbeit. Bei den hiesigen Jobcentern in MV sei noch keine Forderung nach Hilfe eingegangen, sagte gestern ein Sprecherin. Selbst zu Höchstzeiten der Flut waren nur 24 Hartz-IV-Empfänger im Einsatz.

Auch im Raum Dömitz gebe es nicht genügend Helfer. Erst rund die Hälfte der ursprünglich gut eine Million verbauten Sandsäcke sind geleert und weggeräumt worden, berichtete Iris Weber, Leitende Verwaltungsbeamtin des Amtes Dömitz-Malliß. Auch müssten die Stadt Dömitz und umliegende Gemeinden für die Räumeinsätze Technik wie Radlader und Lastwagen zum Abtransport des Sandes zur Verfügung stellen - für die Kommunen ein finanzieller Kraftakt. Der Landkreis dürfe sich nicht aus der Verantwortung stehlen, so die Verwaltungschefin.

Über die Verantwortlichkeiten herrscht keine Einigkeit. Ein Sprecher des Landkreises sagte, das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) sei für den Zustand der Deiche und den Sand sackrückbau zuständig. Ein Mitarbeiter des Stalu bekräftigte dagegen, der Kreis müsse sich kümmern, dass die Säcke vom Deich runterkommen. Das Staatliche Amt habe nun einen Aufruf an alle Beschäftigten des Landwirtschaftsamtes, des Landkreises sowie der Amts- und Stadtverwaltungen gesandt, einen Arbeitstag Ende dieser Woche nicht am Schreibtisch, sondern am Deich zu verbringen.

Hilfe beim Aufräumen sei von der Bundeswehr nicht zu erwarten, verdeutlichte der Sprecher des Landeskommandos, Klaus Brandel. Da seit dem 19. Juni der Katastrophenalarm aufgehoben sei, bestehe keine Gefahr mehr für Leib und Leben der Bürger. Die Aufräumarbeiten seien allein Aufgabe der Landkreise und Bundesländer, so Brandel.

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