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Mecklenburg-Vorpommern

16. Dezember 2017 | 14:11 Uhr

Greifswald : Nach dem Wolf kommt der Schakal

vom

Seltenes Tier tappt bei Greifswald in eine Fotofalle. Schakale sind eigentlich in Südosteuropa beheimatet.

svz.de von
erstellt am 23.Mai.2016 | 12:49 Uhr

Ein vermeintlicher Wolf bei Greifswald hat sich als ein viel seltener Goldschakal entpuppt. Nach Auswertung von Bildern des Tieres durch verschiedene Spezialisten sei man sich sicher, dass es sich um einen Goldschakal handele, sagte Kristin Zscheile vom Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (LUNG) am Montag. Sie bestätigte einen Bericht der „Ostsee-Zeitung“ vom Wochenende.

Das Tier war vor acht Wochen im Greifswalder Stadtwald - einem Waldgebiet um die Hansestadt - in eine Fotofalle getappt, die Stadtförster Bent Knoll installiert hatte. Zunächst war Knoll von einem Wolf ausgegangen, da bereits entsprechende Fährten von Tieren entdeckt worden waren.

Die Aufnahme einer Fotofalle zeigt am 26.03.2016 einen seltenen Goldschakal im Greifswalder Stadtwald.

Die Aufnahme einer Fotofalle zeigt am 26.03.2016 einen seltenen Goldschakal im Greifswalder Stadtwald.

Foto: Universitäts- und Hansestadt Greifswald

Nach genauer Auswertung der Fotos kamen die Fachleute nun zu einem anderen Urteil. Die im Vergleich zum Wolf kleinere Kopfgröße, die typische Rückenzeichnung und Schwanzlänge sowie die geringere Höhe deuteten auf einen Goldschakal (Canis aureus) - einen Verwandten des Wolfes - hin, sagte Zscheile.

Nach Angaben des Landesamtes ist ein Goldschakal äußerst selten. Im Herbst 2014 war auf der A 24 bei Stolpe ein Tier totgefahren worden, wie Zscheile sagte. Im Winter 2013/2014 erschoss ein Jäger im Raum Anklam einen Goldschakal. Der Jäger habe angenommen, dass es sich um einen Fuchs gehandelt habe. Im vergangenen Jahr war ein Goldschakal bei Schwedt auf der polnischen Seite der Landesgrenze entdeckt worden. Auch in Dänemark gab es laut Landesamt einen Nachweis.

Goldschakale stammen ursprünglich aus Afrika und Asien und sind in Europa vorrangig in Rumänien, Bulgarien, Kroatien und Serbien beheimatet. Erste Populationsnachweise gebe es auch in Ungarn und Österreich, sagte Zscheile. So gibt es Berichte, dass um die Wälder von Budapest bereits hunderte Tiere lebten.

Warum der Goldschakal sich nach Westen und Norden ausbreitet, sei bislang unklar. Experten halten den Klimawandel als Ursache für möglich. „Es kann sein, dass sich der Goldschakal durch die wärmeren Winter nach Norden orientiert“, sagte der Wildtier-Experte Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung. Seinen Angaben zufolge werden pro Jahr bis zu drei Sichtungen in Deutschland gemeldet.

Dokumentiert wurden Tiere in den vergangenen Jahren unter anderem in Brandenburg, Bayern und Hessen.

Als Einzelgänger sind die männlichen Tiere wanderfreudiger. Die Deutsche Wildtierstiftung geht aber nicht davon aus, dass der Goldschakal in den nächsten Jahren fest in Deutschland heimisch wird.

Oft würden die Tiere überfahren. Zudem fehle ihnen ein Paarungspartner.  

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