Archäologische Entdeckungen : MVs unbekannte Schätze

Im Depot des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin sind die archäologischen Funde aus Mecklenburg-Vorpommern eingelagert.  Fotos: jens büttner
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Im Depot des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege in Schwerin sind die archäologischen Funde aus Mecklenburg-Vorpommern eingelagert.

Die archäologischen Funde von MV sind vorläufig in Provisorien sicher untergebracht – ein Großteil ist aber noch gar nicht erfasst

svz.de von
23. Juni 2016, 12:00 Uhr

Schwerin  Schatzkammern reichen für die archäologischen Funde Mecklenburg-Vorpommerns nicht aus. Ganze Schatzhallen hat das Land angemietet. Bis unter die Decken stapeln sich auf Hochregalen bleistiftbeschriftete Pappkartons mit Fundstücken. Keramik- neben Glasscherben, undefinierbare Eisenklumpen neben menschlichen Skelettresten. „700 Paletten aus den Einzeldepots werden hier gelagert“, sagt Landesarchäologe Detlef Jantzen. Es müssen Millionen Fundstücke sein. Und jedes Jahr kommen neue hinzu.

Restauratorin Daniela Drechsler arbeitet an einer Urne.
Foto: Jens Büttner
Restauratorin Daniela Drechsler arbeitet an einer Urne.
 

Bis 2015 wurden die Funde an verschiedenen Orten teils unter völlig unzureichenden Bedingungen aufbewahrt. „Eine Schande“, nannte Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) diese Provisorien. Manches ging verloren. Der schwerste Verlust: drei 7000 Jahre alte Einbäume, die unsachgemäß gelagert zerfielen. Jetzt ist zumindest alles in einem vorläufigen Depot in Schwerin in Sicherheit. Im zweiten Halbjahr 2017 soll nach Angaben des Finanzministeriums in Schwerin der Bau eines Zentraldepots für die Landesarchäologie und die Staatlichen Museen beginnen. Ursprünglich sollte schon 2015 Baustart für das 50-Millionen-Euro-Objekt sein. Jantzen hofft, dass es im Neubau vor allem im Werkstattbereich bessere Bedingungen geben wird. Derzeit fehlten etwa Möglichkeiten zum ersten Reinigen der Fundstücke, zum Röntgen und Entsalzen.  In dem Übergangsdepot sind Mitarbeiter dabei, den Bestand erst einmal zu erfassen. Das heißt: Man weiß nicht, was man hat, man findet nicht alles und kann damit nicht arbeiten. Ein dreiköpfiges Team sichtet die Funde und gibt die Daten in Computer ein. „Ausgrabungen im Depot“ nennt Werkstattleiter Lorenz Bartel diese Arbeit. „Jedes vierte Stück birgt für uns eine echte Überraschung“, sagt der Archäologe Frank Wietrzichowski. Gerade hat er das Bruchstück einer arabischen Silbermünze aus dem 8./9. Jahrhundert wiederentdeckt, die einst in Pasewalk gefunden worden war.

Bei Kühlungsborn gefundene historische Wagenräder
Foto: Jens Büttner
Bei Kühlungsborn gefundene historische Wagenräder
 

In Werkstätten reinigen Frauen unter Mikroskopen unscheinbare Gegenstände aus Eisen, Holz oder Leder, die anschließend konserviert werden. Am liebsten mag Restauratorin Anica Kelp schöne Goldobjekte oder Silberschmuck, wie sie sagt. Doch der Alltag sieht anders aus. Daniela Drechsler klebt Keramikscherben, die bei Neubrandenburg gefunden wurden, zu einer fast vollständigen Urne zusammen.

Hartmut Kiencke archiviert eine Tüte mit archäologischen Funden.
Foto: Jens Büttner
Hartmut Kiencke archiviert eine Tüte mit archäologischen Funden.
 

In Klima-Depots lagern mehrere 10 000 Objekte aus Metall und organischen Materialien, im Nasslager mehrere 1000 Stücke, die aus dem Wasser geborgen wurden, wie Schiffsteile. Perfekt archiviert sind bislang wertvolle Stücke im Metalldepot. Münzen, Perlen sowie Schmuck aus Gold, Silber oder Bronze werden in Schubladenschränken aufbewahrt. Eisenschwerter, Messer oder Beschläge liegen in Regalen. Alle Stücke sind beschriftet und elektronisch erfasst – 25 000 Datensätze bisher. „Die archäologischen Funde sind die einzige Quelle für die ersten 11 000 Jahre unserer Geschichte seit der letzten Eiszeit“, erklärt Jantzen. „Aus der Zeit gibt es keine schriftliche Überlieferung.“ Zu den kostbarsten Funden im Depot gehören zwei Holzobjekte: das doppelköpfige slawenzeitliche Idol vom Tollensesee bei Neubrandenburg und zwei 3000 Jahre alte Wagenräder, die bei Kühlungsborn aus der Ostsee geborgen wurden und für Norddeutschland eine Rarität sind.

Die Funde werden gereinigt, untersucht und katalogisiert.
Foto: Jens Büttner

Die Funde werden gereinigt, untersucht und katalogisiert.

 

Etwa 30 Archäologen graben im Land, rund 300 ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger sichern Schätze. Öffentlich gezeigt wird von den archäologischen Funden kaum etwas. Es fehlt ein Archäologisches Landesmuseum. Gestritten wird darum seit 25 Jahren.

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