Vom Nordosten in die Welt und zurück : MV und der Export: Das Eichhörnchen

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Rohre für Russland und Schweden, Weizen für den Sudan und Südafrika, Eisenwaren für Südkorea und die USA, Elektroerzeugnisse für die Türkei, Düngemittel für Dänemark, Hebezeuge für Indien und Brasilien, Motoren für Bangladesh, Käse für Italien, Solaranlagen für den Vatikan: In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten hat das Exportgeschäft der nordostdeutschen Unternehmen Höchstwerte erreicht – und bleibt im Bundesvergleich trotzdem Schlusslicht

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18. Mai 2017, 05:00 Uhr

Vielleicht ist Mecklenburg-Vorpommern das Eichhörnchen der deutschen Wirtschaft: Jeder Fortschritt mühsam erkämpft, schon für eine winzige Beere oder Nuss braucht es großen Einsatz, von den anderen, viel stärkeren Mitstreitern im Wald ganz zu schweigen…

Auch 2016 war Mecklenburg-Vorpommern das Bundesland mit der schwächsten Exportbilanz: Waren im Wert von 7,2 Milliarden Euro fanden ihren Weg aus MV in die Welt. Der Nachbar Brandenburg belegte den vorletzten Platz – und schaffte fast das Doppelte. Das geht aus den Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor. Immerhin: Für MV handelt es sich um das zweitbeste Exportergebnis seit 1990. 2015 hatte das Land erstmals die Acht-Milliarden-Euro-Marke geknackt.

Die Zahlen seien trotz des leichten Rückgangs gut, sagt Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) seinerzeit: „Die Wirtschaft ist heute internationaler aufgestellt als noch vor zehn Jahren.“ In der Tat: Das Land hat es in den letzten Jahren geschafft, die Exportbilanz Stück für Stück zu verbessern. 1997 betrug das Ausfuhrvolumen 1,2 Milliarden Euro, 2007 waren es 4,9 Milliarden. In den letzten zwei Dekaden verzeichnete MV einen Anstieg des Exports von 490 Prozent.

Am besten geht der Weizen. Alleine 2015 exportierte MV 5 613 747 Tonnen des Getreides. Das ist ungefähr das sechsfache Gewicht der Golden Gate Bridge in San Francisco. Düngemittel made in MV sind gefragt, 1 034 341 Tonnen, ebenso Holz, am meisten Sperrholz, Span- und Faserplatten, insgesamt 429 201 Tonnen. Nicht zu vergessen das Bier mit 41 782 Tonnen.

 

Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern, sagt Sellering, hätte weiter gute Chancen auf internationalen Märkten. Dafür müssten aber die Unternehmen ihre Chancen nutzen. Die aber zeigen sich oft weniger zufrieden. Vor allem jene, die Geschäfte mit den Russen machten. Sie leiden unter den Sanktionen, die nach der Annexion der vormals ukrainischen Halbinsel Krim durch Russland verhängt worden sind. In MV wurden nach Angaben des Statistischen Landesamtes im Jahr 2015 Waren im Wert von 310 Millionen Euro nach Russland exportiert. 2016, nur ein Jahr später, brach die Ausfuhr nach Osten ein, um ganze 48 Prozent auf 148,8 Millionen Euro. Laut IHK Nord, dem Zusammenschluss der zwölf norddeutschen Industrie- und Handelskammern, läge der Rückgang des Exports im Bundesdurchschnitt hingegen bei 37 Prozent.

Betroffen sind viele Branchen: Zulieferer in der maritimen Wirtschaft, die Ernährungswirtschaft oder Automobilzulieferer. Im September wird eine weitere Delegation aus MV nach Moskau und St. Petersburg reisen: Ministerpräsident Sellering und Spitzen aus der Wirtschaft wollen ausloten, ob es einen Handel zwischen MV und Russland geben kann, ungeachtet der Sanktionen. Doch trotz des Aufwands, die Beziehung zu Russland wiederzubeleben: Auch neue Wege bräuchte es. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sagte im März: „Das Exportgeschäft muss intensiviert werden, um neue Absatzmärkte zu erschließen.“

Das Eichhörnchen muss kämpfen, für jeden Fortschritt, für jede Nuss, für jede Beere...






 
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