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Mecklenburg-Vorpommern

23. September 2017 | 23:59 Uhr

Reform : MV Testregion für neue Pflege

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ab Mai wird geprüft, ob Betreuung nach neuen Kriterien machbar und bezahlbar ist

svz.de von
erstellt am 12.Mai.2014 | 07:45 Uhr

Ein bis zwei Minuten für das Aufstehen oder Zu-Bett-Gehen. Acht bis zehn Minuten fürs Ankleiden, nur vier bis sechs fürs Ausziehen. Kämmen darf höchstens drei Minuten dauern, Rasieren mit fünf bis zehn Minuten etwas länger…

Hat jemand eine Pflegestufe beantragt, ist Kern der Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) seit Jahren der Zeitaufwand für die erforderlichen Hilfen. Ein Verfahren, an dem es viel Kritik gibt – und das im Zuge der geplanten Pflegereform geändert werden soll. Ob die künftige Schwerpunktsetzung tatsächlich praktikabel ist, soll in diesem Sommer überprüft werden.

Mecklenburg-Vorpommern spielt dabei – nicht zuletzt wegen der besonderen demografischen Situation – eine herausragende Rolle: Der Anteil der Pflegebedürftigen an der Gesamtbevölkerung steigt hier überdurchschnittlich schnell. Schon jetzt ist knapp ein Viertel (24,3) Prozent der über 65-Jährigen im Land auf Pflege angewiesen. Im Jahr 2030 wird es bereits knapp ein Drittel (31,7 Prozent) sein. Während bundesweit bis zum Jahr 2030 von einer Zunahme des Pflegebedarfs von 47 Prozent auszugehen ist, werden in MV sogar 56,5 Prozent mehr Pflegebedürftige erwartet.

Gleich in zwei Studien soll nun im Land geprüft werden, wie praktikabel die neuen Begutachtungskriterien für Pflegebedürftige sind, erklärt die Geschäftsführerin und Leitende Ärztin des MDK im Land, Dr. Ina Bossow. In die erste Studie seien alle Bundesländer eingebunden, ergänzt Diane Hollenbach, die den Geschäftsbereich Pflegeversicherung beim MDK verantwortet. Hier geht es darum, Neuantragsteller einmal nach den künftigen und einmal nach den bisher geltenden Kriterien zu beurteilen. „Künftig wird nicht mehr der Grundpflegebedarf das Ausschlaggebende sein, sondern es wird auf Alltagsbelange eingegangen. Auch die Teilhabe am Leben und die dafür erforderliche Unterstützung sollen berücksichtigt werden, also Begleitung bei Spaziergängen, bei Behördenangelegenheiten oder bei der Teilnahme an kulturellen Veranstaltungen.“


Welchen Aufwand lösen neue Pflegegrade aus?


Ziel der Praktikabilitätsstudie sei es zu klären, in welcher Relation die neuen Bedarfsgrade zu den bisherigen Pflegestufen stehen, erläutert Diane Hollenbach. Daraus ließe sich letztlich auch ableiten, welcher finanzielle Aufwand künftig auf die Pflegeversicherung zukommt. „Für uns ist gut, von Anfang an eingebunden zu sein. So können unsere Gutachter ihre Erfahrungen einbringen und auch darauf hinweisen, wenn etwas absolut nicht machbar sein sollte.“

Während für diese Studie nur 60 Begutachtungen im Land gebraucht werden, sind es für die zweite gleich 400. In diese Studie unter Federfühung der Universität Bremen sind nur fünf Bundesländer eingebunden, Mecklenburg-Vorpommern ist das einzige ostdeutsche – und es wird Mitte Mai das erste sein, in dem mit der Datenerhebung begonnen wird. Ziel ist zu ermitteln, welchen Versorgungsaufwand die neuen Pflegegrade in stationären Einrichtungen auslösen. Das Interesse in den Heimen, sich an der Studie zu beteiligen, sei groß, heißt es beim MDK – auch wenn die Mitarbeiter für einige Monate die Dokumentation parallel zum gewohnten mit einem neuen Computerprogramm erfassen müssen. „Um den Aufwand überschaubar zu halten, werden wir die Studie auf acht Heime im Land konzentrieren“, so Diane Hollenbach. Vorerst würden auch nur acht der 52 MDK-Gutachter im Land für die neue Begutachtung geschult. „Bis Ende Oktober sollen dann die Begutachtungen abgeschlossen sein, zum Anfang des kommenden Jahres will die Uni Bremen Ergebnise vorlegen“, so Dr. Ina Bossow. Dann wird sich auch zeigen, ob sich die Hoffnung vieler Pflegekräfte, wegzukommen von der Pflege mit der Stoppuhr, erfüllt.

 

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