Offene Haftbefehle : MV sucht 1151 Täter

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Viele Kriminelle tauchen einfach unter. Hinzu kommen Personalprobleme bei der Polizei

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05. Januar 2018, 05:00 Uhr

Sie sind untergetaucht, um der Strafverfolgung und -vollstreckung zu entgehen: Mehr als tausend Kriminelle werden aktuell von der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern gesucht und sind zur Fahndung ausgeschrieben. „Aktuell gibt es 1151 offene Haftbefehle“, sagte Anna Hermann, Sprecherin im Landeskriminalamt (LKA), auf Anfrage unserer Redaktion.

Die Mehrzahl – exakt 972 Personen – werden gesucht, weil sie zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurden, aber zum Haftantritt nicht erschienen sind oder aber weil sie verhängte Geldstrafen nicht bezahlen und sich der fälligen Ersatzfreiheitsstrafe durch Untertauchen entziehen wollen.

Gesucht werden außerdem 179 mutmaßliche Täter, die zwar nicht verurteilt aber auf der Flucht sind, weil Polizei und Staatsanwaltschaft sie für dringend tatverdächtig halten und gegen sie ermitteln.

„Offene Haftbefehle werden möglichst zeitnah bearbeitet und, wenn möglich, vollstreckt“, so Anna Hermann. Doch die Möglichkeiten sind begrenzt. 622 Personen stehen nach LKA-Angaben bereits länger als ein Jahr auf der Fahndungsliste. „Die Suche ist sehr zeit- und personalintensiv“, berichtete GdP-Landesvorsitzender Christian Schumacher. Häufig fehle das notwendige Personal. Auch der Beamtenbund (ddb) fordert zusätzliche Stellen. „Es schadet dem Rechtsstaat und seinem Ansehen, wenn die von ihm angeordneten Haftmaßnahmen nicht oder nur unvollständig vollzogen werden“, kritisierte dbb-Landesvorsitzende Dietmar Knecht.

Unter den Gesuchten sind auch Schwerverbrecher. Aktuell bestehen zwölf Fahndungsausschreibungen im Zusammenhang mit Sexual- oder Tötungsdelikten. „Die Intensität der Suche richte sich nach der Schwere des Delikts“, erklärte die LKA-Sprecherin. Wenn bei Fällen von besonderer Bedeutung andere Fahndungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, kommen Zielfahnder zum Einsatz. So spürten Spezialisten nach monatelangen Ermittlungen Ende 2015 einen 50-jährigen Drogendealer aus Wismar in der Ukraine auf.

Häufig hilft bei offenen Haftbefehlen auch der Kommissar „Zufall“. Die Bundespolizei meldete die Festnahme eines 30-Jährigen bei einer routinemäßigen Kontrolle am Mittwoch vergangener Woche im Seehafen Rostock. Er war wegen einer nichtgezahlten Strafe in Höhe von 392 Euro auf die Fahndungsliste der Polizei gesetzt worden.

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