Rangliste für Deutschland : MV Spitzenreiter des gesunden Lebens?

In MV leben die Menschen besonders gesundheitsbewusst.
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In MV leben die Menschen besonders gesundheitsbewusst.

Menschen im Nordosten rauchen nicht, trinken wenig Alkohol und bewegen sich ausreichend. Doch das scheint längst nicht auf alle zuzutreffen.

svz.de von
08. August 2016, 15:36 Uhr

In keinem Bundesland wohnen mehr gesund lebende Menschen als in Mecklenburg-Vorpommern. Das ist eines der Ergebnisse des diesjährigen Reports der Deutschen Krankenversicherung (DKV) „Wie gesund lebt Deutschland?“. 

Die Statistiken anderer Kassen verorten die Mecklenburger und Vorpommern als diejenigen mit dem höchsten Krankenstand, größten Alkoholverbrauch bzw. übergewichtigsten Menschen.

„Wir haben nicht gefragt, wie dick oder krank die Menschen sind, oder sie etwa auf ihren Gesundheitszustand medizinisch untersucht“, erläutert Sybille Schneider von der DKV, „sondern wir haben gefragt, wie sie sich verhalten. Und da schneiden die Mecklenburger und Vorpommern bei allen fünf Kriterien seit Jahren als die am gesündesten lebenden Menschen in Deutschland ab.“ 19 Prozent der Bürger in MV  bewegen sich ausreichend, essen ausgewogen, rauchen nicht, trinken wenig Alkohol und haben kein Problem mit Stress. „Die meisten Menschen bewegen  sich mindestens zweieinhalb Stunden in der Woche“, erläutert  Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule Köln,  wissenschaftlicher Leiter der Studie.  „Das ist die Zeit, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als gesundheitsfördernd empfiehlt.“ 55 Prozent und damit mehr Menschen als in allen anderen Bundesländern erreichen diese Zielmarke.

„Die Mecklenburg-Vorpommern bewegen sich besonders viel in ihrer Freizeit und auf ihren täglichen Wegen zu Fuß oder mit dem Rad. Außerdem punkten sie beim Thema Ernährung. 53 Prozent achten auf einen ausgewogenen Speiseplan“, sagt Froböse. Dazu gehören etwa Vollkornprodukte, Gemüse und Obst sowie ein- bis zweimal die Woche Fisch. 

„Wenn 19 Prozent rundum gesund leben, heißt das auch, 81 Prozent leben nicht in allen Bereichen gesund“, so Froböse.

Im Ländervergleich könnte MV besonders bei den Themen Rauchen und Stress noch aufholen. Gemäß den Zahlen des DKV Reports leiden 46 Prozent der Menschen im Land unter Stress. 23 Prozent rauchen und schaden damit ihrer Gesundheit.

Nach MV folgt Schleswig-Holstein. Bundesweit leben nach dieser Auswertung nur etwa elf Prozent der Menschen in allen Bereichen gesund. Schlusslicht ist  Nordrhein-Westfalen.

Die Deutschen sitzen zu viel

Knapp zwei Drittel der Bundesbürger (63 Prozent) schätzen ihren Gesundheitszustand als gut oder sogar sehr gut ein. Aber nur wenige leben rundum gesund. Die meisten bewegen sich zu wenig, essen übermäßig und zu unausgewogen, rauchen und trinken immer noch zu viel oder können mit Stress nicht richtig umgehen. Die DKV Deutsche Krankenversicherung untersuchte für ihren Report 2016 diese Faktoren – Aktivität, Ernährung, Rauchen, Alkohol und Stressempfinden – zum vierten Mal seit 2010 und stellte fest, dass die Daten sogar noch schlechter geworden sind. Waren es 2010 noch 14 Prozent der Befragten, die in allen Bereichen gut abschnitten, sind es 2016 nur noch elf Prozent. Ruppert Mayr hat die Fakten zusammengefasst:

Welche Faktoren haben sich seit 2010 verschlechtert?

Die Deutschen haben in der Zeit durchaus gelernt, besser mit Stress umzugehen, und sie achten auch etwas mehr auf ausgewogene Ernährung.

Wesentlicher Faktor für die Verschlechterung ist zu viel Sitzen und – im Umkehrschluss – zu wenig Bewegung. „Wer länger sitzt, hat ein höheres Risiko, früher zu sterben“, warnt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln, der die Befragung leitete. Im Schnitt sitzen die Deutschen an Werktagen sieben Stunden am Tag, am häufigsten bei der Arbeit, aber auch vor Fernseher oder Computer. „Schreibtischarbeiter“ sitzen insgesamt sogar elf Stunden.

Was kann gegen zu viel Sitzen im Büro getan werden?

Sitzen ist im Grunde eine Gewohnheitssache. Der Mensch neigt dazu, sich bei jeder Gelegenheit hinzusetzen. Man kann den Sitz- und Bewegungsalltag im Büro trotz Arbeitsbelastung und Zeitdruck durchaus unterbrechen: Treppen statt Aufzug, Stehpult, kurze Gehpausen, Meetings im Stehen. Möglichst dreimal pro Stunde sollte man aufstehen.

Gibt es soziale Unterschiede beim Gesundleben?

Ja. Von den Menschen mit Hauptschulabschluss erreichen nur sieben Prozent eine gesundheitsförderliche Lebensweise, bei Mittlerer Reife und Abitur sind es zwölf beziehungsweise 13 Prozent und bei Menschen mit Studium sind es zehn. Hier wird dann aber auch deutlich: Je höher der Bildungsabschluss ist, umso länger sitzen die Menschen. Interessant ist auch, dass bei den 18- bis 29-Jährigen nur fünf Prozent einen ausgeglichenen Lebenswandel pflegen. Bei den 30- bis 45-Jährigen sind es zehn Prozent, bei den 46- bis 65-Jährigen zwölf Prozent und ab 66 sogar 14 Prozent. Mit zunehmendem Alter wird ein gesundheitsfördernder Lebensstil angestrebt.

Übrigens: Hundebesitzer leben gesünder. 16 Prozent der Befragten besitzen einen Hund. 14 Prozent von ihnen leben rundum gesund. Vor allem, weil sie sich viel bewegen.

Gibt es Geschlechterunterschiede?

Frauen sind das gesundheitsbewusstere Geschlecht. Sie liegen bei fast allen Gesundheitsfaktoren vorne. Aber: Männer (47 Prozent) bewegen sich etwas mehr als Frauen (44 Prozent).

Könnten Fitnessarmbänder bei der Gesundheitsüberwachung helfen?

Die DKV ist skeptisch. Der Vorstandsvorsitzende der privaten Krankenversicherung, Clemens Muth, erklärte, nach der Umfrage sähen die meisten Menschen keinen Nutzen der heutigen so genannten Wearables am Handgelenk zum Messen von Blutdruck, Herzfrequenz oder Bewegung. Sie seien auch noch zu ungenau, sagt Froböse.

Gesundheitstipps für Arbeitnehmer

Wer im Büro arbeitet, kann es oft nicht ändern: Er sitzt fast den kompletten Arbeitstag vor dem Computer. Mediziner empfehlen dagegen, mindestens fünf und besser noch zehn Kilometer pro Tag zu gehen. Zwar klappt es nicht immer mit dem Spaziergang in der Mittagspause – aber es gibt ja noch ein paar andere Tricks, um trotz der Schreibtischarbeit im Alltag in Bewegung zu kommen:

  • Die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin empfiehlt, zumindest einmal in der Stunde aufzustehen. Hilfreich dafür ist, den Drucker außer Reichweite aufzustellen oder beim Telefonieren etwas auf- und ab zu gehen.
  • Bahnfahrer und Pendler können eine Station früher aussteigen als erforderlich und dann zügig zur Arbeit gehen.Helfen kann auch, Kollegen in anderen Teilen des Gebäudes zu besuchen statt sie nur anzurufen.
  • Im Sitzen lässt sich einiges beachten, um zumindest den Rücken zu entlasten. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin empfiehlt dynamisches Sitzen. Dabei wippen Berufstätige hin und wieder mit dem Becken vor und zurück oder verlagern das Gewicht von einer Gesäßhälfte auf die andere.
  • Wer in der Arbeitszeit kaum zum Gehen kommt, sollte in der Freizeit einen Ausgleich schaffen: Eine halbe Stunde Bewegung pro Tag sollte das Minimum sein, rät die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung.
    Dabei muss es gar nicht unbedingt Sport sein. Moderate Bewegung wie Fahrradfahren oder Spazierengehen reicht bereits aus – vorausgesetzt, man gerät dabei leicht ins Schwitzen.
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