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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 03:27 Uhr

Lebensmittel : MV schaut in die Bio-Röhre

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Hiesiger Bio-Markt mit Problemen. BUND stellt Aktionsprogramm vor. Backhaus kritisiert Vorschläge.

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 21:00 Uhr

Deutschland ist der größte Markt für Bio-Lebensmittel in Europa. Jährlich macht die Branche annähernd acht Milliarden Euro Umsatz. Aber Mecklenburg-Vorpommern schaut in die grüne Röhre. Das ist das Ergebnis einer Studie des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), die gestern in Schwerin vorgestellt wurde.

„Die Fläche für ökologischen Landbau hat sich 2014 um 6000 Hektar verkleinert, sagte Burkhard Roloff, Agrarreferent des BUND. Das sei der erste Rückgang seit fünf Jahren. Immer weniger Betriebe hätten den Mut, auf konventionellen Anbau zu verzichten und stattdessen ökologischen Landbau zu betreiben.

Für Roloff ein Paradoxon. Bio ist gefragt, aber MV verschläft die Entwicklung. Das sei agrarpolitisch ein Desaster, sagte er. Lösungen bräuchte es auf vielen Ebenen. Dazu hat der Bund ein Aktionsprogramm geschnürt: „Mehr Bio aus MV“. Ein Diskussionsangebot an die Politik, bestehend aus 43 Empfehlungen. Der Kern des Programms ist, den Anteil der ökologisch bewirtschaften Fläche bis 2020 zu erhöhen – von 9 auf 20 Prozent. Das sei nur zu erreichen, wenn die Bauern bei der Umstellung auf den Öko-Anbau besser gefördert würden. Noch bis Mai unterstützt das Land Umsteller mit 150 Euro pro Hektar, danach sind es 260 Euro. „Bundesländer wie Bayern oder Nordrhein-Westfalen zahlen weitaus mehr“, sagte Roloff. Ebenso müssten die Bauern darauf achten, Bio-Produkte anzubauen, die auf dem Markt gefragt sind. Es fehle an Gemüse und Produkten von hoher Qualität. Mit Rindern und Roggen sei hierzulande kein Geld zu verdienen. Kasse machen die Länder, in denen die Produkte verarbeitet werden – und das ist nicht Mecklenburg-Vorpommern.

„Es braucht eine Gesamtstrategie: Wertschöpfungsketten, etwa über Tierhaltung über die Schlachtung bis hin zur Verarbeitung“, sagte Roloff. Zwangsläufig würde die Marke Bio aus MV ihre Bekanntheit steigern und verstärkt am Bio-Boom teilhaben.

Agrarminister Till Backhaus (SPD) bezeichnete die vom Bund angestrebte Erhöhung der Öko-Fläche als „schlichtweg utopisch“. Er warnte vor Aktionismus. „Die Umstellung müsse sich auch rechnen“, sagte Backhaus. Nicht jedes Instrument, das in Bayern oder Nordrhein-Westfalen funktioniere, sei auch die die Strukturen in MV sinnvoll.

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