Landtag gegen Suche nach Alternativen zu Gorleben : MV lehnt Atom-Endlager ab

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In der aktuellen Diskussion um Alternativen zu Gorleben hat sich Innenminister Lorenz Caffier (CDU) gegen die Suche nach einem möglichen atomaren Endlager in Mecklenburg-Vorpommern ausgesprochen.

svz.de von
17. November 2010, 10:12 Uhr

Schwerin | "Dafür gibt es keine Notwendigkeit", sagte er am Rande der gestrigen Landtagsdebatte im Gespräch mit unserer Redaktion. Gorleben sei der Standort mit den besten Perspektiven.

Dagegen hatte sich Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) für eine bundesweite Suche ausgesprochen, sollte sich der Salzstock in Gorleben als ungeeignet herausstellen. SPD und Grüne sind ohnehin für eine neue Endlager-Suche: Gorleben sei gescheitert und die Bürger müssten von Beginn an in die Planung eingebunden werden.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) hatte bereits Mitte der 90-er Jahre die Salzstöcke Gülze-Sumte und Kraak im Landkreis Ludwigslust mit Blick auf ein mögliches Endlager als "untersuchungswürdig" eingestuft. Zu einer ähnlichen Einschätzung kam eine zweite Studie des BGA, die 2007 auf Tongesteinsformationen tief unter der Erde südöstlich und südwestlich von Schwerin aufmerksam machte. Weltweit werden Salz, Tongesteine und kristalline Gesteine wie zum Beispiel Granit für die Endlagung von Atommüll untersucht. Nach dem Willen der schwarz-gelben Bundesregierung sollen sich die Untersuchnungen in Deutschland bis 2017 auf Gorleben als mögliches Endlager beschränken.

Konsequenzen auch für das atomare Zwischenlager in Lubmin befürchten die Linken im Schweriner Landtag, sollte es weiterhin keine Lösung für ein Endlager geben. Der umweltpolitische Sprecher, Wolfgang Methling, sprach von einem "dauerhaften Zwischenlager", das Lubmin drohe. Derzeit ist ein Ende des Zwischenlagers im Jahre 2039 geplant. Die Linke hatte das Thema "Atomdeal stoppen - kein Endlager im Zwischenlager Nord Lubmin" auf die Tagesordnung der aktuellen Stunde im Landtag gesetzt. Deren Fraktionsvorsitzender Helmut Holter forderte mehr Mitsprache der Bürger bei der Entsorgung des Atommülls: "Ich möchte schon mitreden können, wenn in meinem Garten etwas vergraben werden soll."

Auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) warnte in seiner Rede vor "der schleichenden Umwandlung" des Zwischenlagers Lubmin in ein atomares Endlager. Es sei das gute Recht der Bürger, gegen den für Dezember erwarteten Transport von vier Castoren mit hochradioaktivem Material nach Lubmin zu demonstrieren. "Mich ärgert es, dass die Bundesregierung Atomschrott aus dem Westen in Lubmin einlagern will und dass wir diese Transporte auch noch mit unserer Landespolizei absichern müssen", kritisierte der Regierungschef.

Der FDP-Abgeordnete Sigrun Reese warf der Linken "Panikmache" vor. Das Zwischenlager Nord entspreche höchsten Sicherheitsanforderungen und sei nie als Endlager geplant gewesen.

Ähnlich argumentierte der CDU-Abgeordnete Ulrich Born. Die Zwischenlagerung in Lubmin sei nicht Ergebnis eines "Deals" oder einer "Mauschelei", sondern sei 1998 und 1999 genehmigt worden.

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