Abfallentsorgung : MV holt mehr Wertstoffe aus Müll

Die Städter im Nordosten hinterlassen die meisten Abfälle. Die Verbraucher müssen mit steigenden Kosten rechnen.

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25. Januar 2018, 05:00 Uhr

Ab in die Tonne: MV baut die Mülltrennung aus. Mecklenburger und Vorpommern haben aus dem wachsenden Abfallberg in den vergangenen Monaten mehr Wertstoffe aussortiert. Nach der Einrichtung entsprechender Sammelsysteme in der Vergangenheit ist 2016 die erfasste Wertstoffmenge erneut gestiegen – um 6,4 Prozent auf 335 571 Tonnen, ermittelte das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) in Güstrow im jetzt vorgelegten aktuellen Abfallbericht. „Im Land wird mehr Müll getrennt“, bescheinigte Abfallexpertin Sandra Pfrogner: „Eine positive Entwicklung.“ Insbesondere seien über die Biotonnen verstärkt Wertstoffe erfasst worden – knapp 40 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

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Denny Schröter
 

Auffällig: Vor allem in den ländlichen Regionen sortieren die Einwohner Wertstoffe aus. So werden in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim, Nordwestmecklenburg und Vorpommern-Rügen die meisten Abfälle für die Wiederverwertung gesammelt – in Westmecklenburg 292 Kilogramm je Einwohner und Jahr. Damit liegt die Region deutlich über dem Landesschnitt von 209 Kilogramm je Einwohner. Dort, wo die Müllrechnung nicht pauschal, sondern der Menge entsprechend gestellt werde, achteten die Einwohner mehr auf Wertstoffe im Müll, erklärte Pfrogner. Die Kehrseite: Die Bezahlung nach der Menge führe auch dazu, dass in den Regionen die meisten Fälle von illegaler Müllentsorgung registriert würden.

Rohstoffe im Müll: In den kommenden Jahren dürfte der Anteil der Wertstoffe weiter wachsen, erwartet die Fachfrau. Entsorgte Bratpfannen, Spielzeuge, Plastikschüsseln – mit der Änderung des Verpackungsgesetzes können dann diese sogenannten stoffgleichen Nichtverpackungen in Haushalten in das Entsorgungssystem für Verpackungen integriert werden. Inzwischen habe zumindest ein Entsorger dafür im Land Wertstofftonnen aufgestellt, erklärte Pfrogner: „Alles Rohstoffe, die zu schade sind, im Müll zu landen.“

Die Sammelleidenschaft der Mecklenburger und Vorpommern lässt indes den jährlich anfallenden Restmüllberg im Nordosten kleiner werden: In den vergangenen zehn Jahren sind in dem Maße, wie die Menge der getrennt erfassten Abfälle allmählich gestiegen sind, die Restmüllmengen in MV zurückgegangen – von 240 Kilogramm je Einwohner und Jahr auf 232 Kilogramm im vergangenen Jahr. Dabei hinterlassen die Städter in Mecklenburg-Vorpommern den meisten Müll – in Rostock und Schwerin je Einwohner 2016 etwa 289 bzw. 265 Kilogramm, in den Landkreisen Rostock und Ludwigslust-Parchim hingegen nur 172 bis 179 Kilogramm. Ein Grund: In den Städten falle aufgrund der stärkeren Wirtschaft mehr Geschäftsmüll an, erklärte Pfrogner.

Mehr wiederverwertbare Wertstoffe, weniger Restmüll: Für Verbraucher fallen die Müllrechnungen trotzdem höher aus. Mit insgesamt 121 Millionen Euro seien die Kosten 2016 erneut gestiegen – auf den höchsten Wert seit 17 Jahren, geht aus dem Abfallbericht hervor. 75 Euro zahlte jeder Einwohner 2016 im Schnitt. In den preiswertesten Jahren 2011 und 2012 waren es acht Euro weniger. Ein Ende des hohen Preisniveaus ist vorerst nicht in Sicht: Höhere Umweltstandards kosteten Geld, meint Pfrogner. Vor allem aber sorge die gute Konjunktur für eine gute Auslastung der Müllanlagen und deutlich gestiegene Marktpreise.

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