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Kürzungspläne ade : MV hält an allen Bahnstrecken fest

vom
Aus der Onlineredaktion

Verkehrsminister Pegel will Ende 2017 Entwurf für neuen integrierten Taktfahrplan vorgelegen. Land prüft Hilfen für Fahrzeugkauf

svz.de von
erstellt am 28.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Freie Fahrt auf der Schiene: Trotz millionenschwerer Einsparungen im Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in den kommenden Jahren sollen im 1700 Kilometer großen Schienennetz in MV keine weiteren Strecken stillgelegt werden. Im Vorfeld anstehender Ausschreibungen mehrerer Nahverkehrsnetze seien die „Strecken nicht in Frage gestellt“, sagte Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) gegenüber unserer Zeitung: Ob allerdings jede Verbindung erhalten bleiben könne, müsse abgewartet werden.

Nach der Einstellung der Südbahn zwischen Parchim und Malchow Ende 2014 und der Neuverteilung der Bundeszuschüsse für den Schienenpersonennahverkehr war immer wieder über Kürzungen spekuliert worden – u. a. auf den Strecken zwischen Hagenow und Parchim sowie Rehna, Schwerin und Parchim und Verbindungen im Ost-West-Teilnetz zwischen Bad Kleinen, Neubrandenburg und Pasewalk. Nach den Finanzierungsplänen des Bundes stehen MV in den nächsten 15 Jahren 50 Millionen Euro weniger für den Nahverkehr zur Verfügung. Im Auftrag des Bundes bestellt das Land zwischen 2015 und 2031 für insgesamt 4,6 Milliarden Euro bei Bahnunternehmen den Betrieb des Schienenpersonennahverkehrs in MV – in diesem Jahr 287 Millionen Euro.

Das Land sucht indes in den kommenden Monaten für drei der zehn Teilnetze neue Betreiber. So könnten sich Bahnunternehmen für einen Verkehrsvertrag für die Strecken Rehna-Schwerin-Parchim und Hagenow-Parchim bewerben. Bislang fährt dort die Ostdeutsche Eisenbahn (Odeg), für deren Angebot die Fahrgäste in der neuesten Kundenzufriedenheitsanalyse mit die besten Noten vergaben. Auch der Betrieb auf der Strecke Bergen-Lauterbach wird ausgeschrieben. Gemeinsam mit Brandenburg sucht das Land zudem ein Bahnunternehmen für die Linie Wismar-Schwerin-Berlin-Cottbus. Zudem läuft 2019 der Verkehrsvertrag für eines der lukrativsten Teilnetze im Land, das Ostseenetz mit der profitabelsten Strecke von Rostock nach Schwerin und Hamburg aus. Zunächst solle aber der über ein Jahrzehnt alte integrierte Taktfahrplan in MV neu aufgestellt werden, kündigte Pegel an: „Ein Nahverkehrszug nutzt wenig, wenn der Umstieg in andere Züge nicht gewährleistet ist.“ Pegel erwartet bis Ende 2017 einen ersten Entwurf. Zudem sollen gemeinsam mit den Landkreisen die Angebote von Bus und Bahn besser abgestimmt werden, kündigte Pegel an. Daran fehle es vielerorts. So könnte z. B. die Bahn noch besser für den Schülerverkehr genutzt, Parallelverkehr vermieden und die Anschlüsse von Bus und Bahn verbessert werden.

Indes will das Land vor allem privaten Bahnbetreibern unter die Arme greifen: Die fühlen sich beispielsweise bei der Finanzierung der teuren Nahverkehrszüge gegenüber dem Staatsunternehmen Deutsche Bahn benachteiligt. So könne die DB mit einer erstklassigen Bonität mit niedrigeren Kosten kalkulieren, klagen die Privaten. Auch falle es der DB leichter, die für eine Nutzungszeit von 30 Jahren ausgelegten Fahrzeuge auch nach dem Verlust einer Ausschreibung in anderen Regionen einzusetzen. Das bleibe Privaten häufig versagt und treibe die Finanzierungskosten für die Fahrzeuge hoch.

Das Land prüft indes neue Finanzierungshilfen. Zwar sieht Pegel den diskutierten Aufbau eines Fahrzeugpools durch das Land nicht: „Dazu wären mehrere hundert Millionen Euro notwendig.“ Geprüft werde aber beispielsweise eine Wiedereinsatzgarantie für Bahnbetreiber nach dem Auslaufen des Verkehrsvertrages. Damit ließen sich Abschreibungszeiten verlängern und Finanzierungskosten senken, sagte Pegel.

 

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