Geschäft mit der Angst : MV gibt Millionen für private Wachen aus

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Landesregierung bezahlt 27,7 Millionen Euro für Sicherheitsfirmen im Jahr

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05. September 2017, 20:55 Uhr

Mit der Angst vor Anschlägen und vor zunehmender Kriminalität blüht in Mecklenburg-Vorpommern das Geschäft privater Sicherheitsunternehmen. Auch die Landesregierung und deren untergeordnete Behörden greifen zunehmend auf die Dienste privater Wachschützer zurück, etwa bei der Objektüberwachung, Sicherstellung von Veranstaltungen oder einfachen Pförtnerdiensten. Die Kosten steigen rapide.

Bezahlte das Land 2007 noch 6,8 Millionen Euro für die Bewachung durch Sicherheitsfirmen, so waren es im vergangenen Jahr 27,7 Millionen Euro. Die Zahlen basieren auf Angaben der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der AFD-Fraktion im Landtag.

Damit haben sich die staatlichen Ausgaben für private Wachleute in nur zehn Jahren fast vervierfacht. „Das sind Steigerungsraten von denen wir bei der Polizei nur träumen können“, sagte Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Die Gewerkschaft sieht diese Entwicklung kritisch. „Zum einen wird die Polizei zwar bei Bewachungsaufgaben entlastet, allerdings fallen damit auch Stellen für unsere Kollegen mit eingeschränkter Dienstfähigkeit weg“, erklärte Schumacher.

Inzwischen werden Wachleute sogar als Aufsichtspersonal für schriftliche Staatsprüfungen beim Landesamt für Gesundheit und Soziales eingesetzt, wie aus der Antwort der Landesregierung hervorgeht. Der Grund liegt vermutlich in der immer noch deutlich schlechteren Bezahlung des Wachpersonals gegenüber Angestellten im öffentlichen Dienst. Allerdings habe sich die Lohnsituation im Sicherheitsgewerbe in den vergangenen Jahren insgesamt verbessert, sagte Silke Wollmann, Sprecherin des Bundesverbandes der Sicherheitswirtschaft, gegenüber unserer Redaktion.

Mit der gestiegenen Nachfrage kann sich die Sicherheitsbranche in Mecklenburg-Vorpommern über steigende Umsätze und neue Arbeitsplätze freuen. Gab es 2008 noch 4550 Beschäftigte im Sicherheitsgewerbe, waren es im vergangenen Jahr bereits 5320. Die Umsätze der Wachunternehmen im Land stiegen von 79 Millionen im Jahre 2008 auf 126 Millionen im Jahr 2014.

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