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Wohneigentum : MV gehört zu den Schlusslichtern

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Jeder dritte Haushalt in MV leistet sich seine eigenen vier Wände. Damit liegt das Land an viertletzter Stelle hinter Berlin, Hamburg und Sachsen. Das hat eine Analyse des Forschungsinstitutes empirica ergeben.

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erstellt am 09.Feb.2012 | 07:30 Uhr

Schwerin | Jeder dritte Haushalt in Mecklenburg-Vorpommern leistet sich seine eigenen vier Wände. Damit liegt das Land bundesweit an viertletzter Stelle hinter Berlin, Hamburg und Sachsen. Das hat eine Analyse des Berliner Forschungsinstitutes empirica im Auftrag der Landesbausparkassen (LBS) ergeben. Bundesweit beträgt die durchschnittliche Wohneigentumsquote demnach 43 Prozent.

Einkommen, Hauspreise und Finanzierungsbedingungen würden es allerdings 61 Prozent der deutschen Haushalte erlauben, sich ein ortsübliches Eigenheim zu leisten, so die Studie. In MV seien es sogar 70 Prozent. Für die Analyse haben die Forscher Einkommens-Daten des Statistischen Bundesamtes mit Informationen aus dessen Preis-Datenbank für gebrauchte Einfamilienhäuser aus dem ersten Halbjahr 2011 verknüpft. Nach der Definition der Forscher ist Wohneigentum dann machbar, wenn bei einem Eigenkapital in Höhe eines Jahresnettoeinkommens die Finanzierungsbelastung von insgesamt sieben Prozent pro Jahr für Zins und Tilgung 35 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens nicht übersteigt.

Die Potenziale für die eigenen vier Wände werden damit erklärt, dass seit Mitte der 90er-Jahre in Deutschland die Zinsen bei relativ stabilen Hauspreisen gesunken sind. Im wirtschaftsstarken Süden seien die Immobilienpreise allerdings verhältnismäßig hoch. So habe die Eigenheim-Affinität im "Ländle" dazu geführt, dass die Quote in Baden-Württemberg mit 49 Prozent nur sechs Prozentpunkte hinter dem möglichen Wert zurückliegt. In den neuen Ländern schlage sich noch immer der Nachholbedarf aus der DDR-Zeit nieder, so die Analyse. Noch größere Potenziale ergäben sich nur noch für Bremen, wo die Immobilienpreise für einen Stadtstaat verhältnismäßig günstig seien, aber offenbar das passende Angebot fehle.

Für die große Differenz in MV zwischen tatsächlicher und machbarer Wohneigentumsquote sieht die Eigentümerschutz-Gemeinschaft "Haus & Grund" mehrere mögliche Erklärungen. "Zu allererst wird wohl die Zukunftsunsicherheit eine sehr große Rolle spielen", meint Michael Wendelstorf vom Vorstand des Vereins in Neubrandenburg. Bei der unsicheren Arbeitsplatzsituation verzichteten viele Menschen darauf, sich dauerhaft an einen Standort zu binden und langfristig zu verschulden. Die demografische Entwicklung lasse zudem die Vermutung zu, dass Einfamilienhäuser in den klassischen Speckgürtel-Siedlungen künftig nicht wertstabil seien, da die Nachfrage sinke.

Ein zweiter Grund für die geringe Eigenheimquote könnte der spürbare Drang der Bewohner sein, in die Innenstädte zu ziehen, so Wendelstorf. Diese hätten oft nur ein begrenztes Potenzial an Eigentumswohnungen, da die Besitzquoten der kommunalen Wohnungsunternehmen und vergleichbaren Genossenschaften im Osten aus historischen Gründen besonders hoch sind. Demnach lag die Quote in Neubrandenburg 2009 beispielsweise bei 58 Prozent. Nicht zuletzt hätten sich auch die Ansprüche der Interessenten konkretisiert: Aufzug, Balkone oder Parkplätze seien in Gebrauchtimmobilien eher selten zu finden, würden aber verstärkt nachgefragt.

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