Universität Greifswald : MV-Forscher entschlüsseln Spinnen-Sex

Tasmanische Höhlenspinne
Foto:
Tasmanische Höhlenspinne

Erstmals Nachweis von Nerven am Begattungsorgan.

svz.de von
08. Juli 2015, 08:00 Uhr

Im Begattungsorgan von Spinnenmännchen haben Forscher erstmals Nervenzellen nachgewiesen. Offenbar hätten die Männchen zumindest während der Paarung Einfluss auf ihren Vaterschaftserfolg - und nicht wie bisher angenommen nur die Weibchen, berichten Zoologen der Universität Greifswald im Fachmagazin „Biology Letters“. Über die Nerven erhielten die Tiere während der Paarung Informationen über das Weibchen und könnten wohl den Fluss ihres Ejakulats entsprechend anpassen. Bislang galten die Begattungsorgane der männlichen Tiere bei allen Spinnenarten als taub und unempfindlich.

Die Forscher um die Zoologin Elisabeth Lipke hatten Tasmanische Höhlenspinnen (Hickmania troglodytes) untersucht, eine in Australien vorkommende, handtellergroße Spinnenart. In

15 000- bis 20 000-facher Vergrößerung analysierten sie mit einem sogenannten Transmissions-Elektronenmikroskop die zu Begattungsorganen umgewandelten Extremitäten im Vorderkörper, die Pedipalpen. „Die Neuronen in der Spitze des Begattungsorgans steuern Druck und Zug und könnten dem Männchen dabei helfen, sich während der Paarung besser auf das Weibchen einzustellen“, erklärt Lipke.

Zudem wiesen die Forscher zwei Drüsen im Begattungsorgan nach, die offenbar beim Transfer des Spermas während der Kopulation eine wichtige Rolle spielen. „Ähnlich wie bei Insekten könnten die Spinnenmännchen über diese Drüsen ihre Samenflüssigkeit modifizieren und zusätzliche Sekrete an das weibliche Tier abgeben und so Prozesse im Weibchen beeinflussen“, vermutet Lipke. „Somit könnten die Männchen sich über die Beigabe von individuellen Sekreten den Vaterschaftserfolg sichern.“ Spinnenweibchen paaren sich häufig mit mehreren Männchen, die sich mitunter durch üppige Brautgeschenke die Gunst der Auserwählten zu sichern suchen. Bei längerer Kopulationszeit werden mehr Spermien übertragen und somit auch mehr Nachkommen gezeugt, so die Annahme.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen