Landwirtschaft : MV fördert Schilfanbau

Ausstellung von Feuchtgebietspflanzen in Greifswald: Dieser Rohrkolben ist wegen seiner dämmenden und tragenden Eigenschaften bei der Entwicklung ökologischer Baustoffe gefragt.
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Ausstellung von Feuchtgebietspflanzen in Greifswald: Dieser Rohrkolben ist wegen seiner dämmenden und tragenden Eigenschaften bei der Entwicklung ökologischer Baustoffe gefragt.

Das Land will „nasse Bewirtschaftungsformen“ in Mooren vorantreiben

svz.de von
25. September 2017, 19:30 Uhr

Die nachhaltige Nutzung von wiedervernässten Mooren für die Landwirtschaft soll in Mecklenburg-Vorpommern attraktiver werden. Das Landwirtschaftsministerium entwickelt eigenen Angaben zufolge mit Partnern aus Wissenschaft und Praxis eine Strategie zur Einführung von „nassen Bewirtschaftungsformen“, sogenannten Paludikulturen.

Die Nutzung der Paludikultur ist Thema von zwei großen Tagungen in Greifswald. Das erste Treffen ist gestern mit 120 Experten gestartet. Zu einer internationalen Fachtagung werden von morgen an dann 185 Fachleute aus 27 Ländern in der Hansestadt erwartet.

Bislang wird nur ein minimaler Bruchteil der im Nordosten wiedervernässten Moo-re für den Anbau von Paludikulturen wie Röhricht, Schilf oder Erlen genutzt – nach Schätzungen von Fachleuten weniger als 1000 von 30 000 Hektar.

Es fehlten Anreize und teilweise auch der Markt, um auf nassen Standorten Rohrkolben oder Schilf anzubauen, sagte der Greifswalder Experte Wendelin Wichtmann. Im Gegensatz zur sogenannten entwässerungsbasierten Bewirtschaftung gebe es für die Paludikultur keine Direktzahlungen für die Landwirte.

Die Moor-Vernässung stößt in der Agrarbranche auch auf Widerstand, weil mit ihr traditionelle Agrarflächen verloren gehen. Im Nordosten gibt es rund 290 000 Hektar Moore, die größtenteils im 19. und 20. Jahrhundert für die Landwirtschaft trockengelegt worden waren. Ab 1991 wurden durch großangelegte Moorprojekte knapp 30 000 Hektar wiedervernässt. Davon werden nach Angaben des Agrarministeriums rund 6500 Hektar als feuchte oder nasse Wiesen und Weideflächen genutzt.

Für Landwirte sei es besonders wichtig, dass bei Umstellung bisher traditionell genutzter Moorflächen auf Paludikulturen die Beihilfefähigkeit dieser Flächen erhalten bleibe, hieß es aus dem Landesamt für Umwelt, Natur und Geologie (LUNG). Schilf lasse sich hervorragend als Paludikultur etablieren und könne sowohl als Reet als auch energetisch als Biomasse verwertet werden. „Dennoch gilt Schilf nicht als landwirtschaftliches Produkt, so dass der Anbau derzeit noch zum Verlust der Flächenprämie führt“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums. Hier müssten auf der Ebene der EU entsprechende Änderungen herbeigeführt werden. MV benötige dafür die Unterstützung des Bundes.

Nach Einschätzung des Greifswald Moor Centrums birgt die Nutzung nasser Standorte mit Paludikulturen Vorteile. Zum einen vermindere allein schon die Wiedervernässung den CO2-Ausstoß. Weltweit würden durch entwässerte Moorböden jährlich zwei Gigatonnen CO2 freigesetzt. Das entspreche insgesamt vier Prozent aller vom Menschen verursachten Emissionen.

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