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Stress im Fuhrpark : MV-Firmen verklagen Lkw-Kartell

vom
Aus der Onlineredaktion

Spediteure und Fuhrunternehmen fordern Hunderttausende von Euro zurück. Verband: Überhöhte Preise belastet Branche

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Stress im Fuhrpark: Hunderte von Spediteuren und Fuhrunternehmern aus Mecklenburg-Vorpommern gehen gegen das vor Jahren aufgeflogene Netzwerk europäischer Fahrzeugbauer vor, die am Lkw-Kartell beteiligt waren. Die meisten der Mitgliedsunternehmen, die von 1997 bis 2010 neue Fahrzeuge gekauft haben, würden sich an Sammelklagen gegen Europas Lkw-Hersteller beteiligen, kündigte Rolf Kroeger, Präsident des Landesverbandes des Verkehrsgewerbes Mecklenburg-Vorpommern an – und Forderungen von Hunderttausenden von Euro stellen.

Die Europäische Kommission hatte nahezu allen namhaften Lkw-Herstellern Kartellabsprachen nachgewiesen und vor einem Jahr eine Milliardenstrafe verhängt – insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Für die höchste Einzelstrafe muss der deutsche Lkw-Fabrikant Daimler geradestehen – rund eine Milliarde Euro. Die Kommission hatte festgestellt, das die Lkw-Bauer MAN, Daimler, Iveco und Volvo/Renault zwischen 1997 und 2011 an einer Kartellabsprache über Preise und Bruttolistenpreiserhöhungen sowie über den Zeitplan und die Weitergabe der Kosten für die Einführung von Emissionstechnologien nach den Abgasnormen Euro 3 bis Euro 6 beteiligt waren.

Die Absprachen bezogen sich auf den dabei nur auf neue mittelschwere und schwere Lkw. Davon seien alle Unternehmen in MV betroffen, die sich seinerzeit neue Lastkraftwagen gekauft oder geleast hatten, sagte Kroeger. Die betroffenen Firmen im Land hätten durch die Preisabsprachen Hunderttausende an Euro zu viel bezahlt: „Das belastet die Branche enorm“, meinte Kroeger. Die Firmen seien durch geringe Gewinnmargen ohnehin bereits stark „gebeutelt“.

Die Schäden sind enorm: Das Kartell war über 14 Jahre aktiv. In dem Zeitraum hätten die vielen Spediteure und Fuhrunternehmen zwei- bis dreimal ihre Fahrzeuge erneuert, erklärte Kroeger. In der Regel seien die Fahrzeuge drei bis sechs Jahre im Einsatz. Europaweit dürften im Kartellzeitraum von 1997 bis Anfang 2011 knapp zehn Millionen mittelschwere und schwere Lkw verkauft worden sein. „Die Unternehmen konnten dem Kartell nicht entrinnen“, erklärte Martin Bulheller, Sprecher des Bundesverbandes Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) gestern. Europaweit gehe der Schaden in die Milliarden. In Deutschland hätten sich bereits mehr als 1000 Unternehmen mit über 40 000 Lkw allein bei der Kartellrechtskanzlei Financialright claims in Düsseldorf einer vom BGL initiierten Gemeinschaftsklage angeschlossen, teilte der Verband mit. Financialright claims führt bereits eines der größten Verfahren gegen Volkswagen wegen des Dieselskandals. Berichten zufolge schätzen Juristen die verabredeten Preisaufschläge bei Lkw-Käufen in dem Zeitraum auf zehn bis 20 Prozent des Bruttopreises bzw. der Leasingrate. Beim Durchschnittspreis von etwa 100 000 Euro pro Lkw ergäben sich bei 40 000 gemeldeten Fahrzeugen Forderungen zwischen 400 und 800 Millionen Euro, hieß es.  

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