Bildung : MV braucht 1000 Lehrer

Noch sind keine Stellen ausgeschrieben: Doch bis zum neuen Schuljahr braucht das Land 1000 Pädagogen.
1 von 2
Noch sind keine Stellen ausgeschrieben: Doch bis zum neuen Schuljahr braucht das Land 1000 Pädagogen.

Schülerzahlen wachsen schneller als erwartet. Die Stellenausschreibungen stehen noch aus.

von
17. Februar 2014, 20:30 Uhr

Die Landtagsfraktion der Linkspartei will mit eigenen Plakaten dem ihrer Meinung nach drohenden Lehrermangel in Mecklenburg-Vorpommern entgegenwirken. Auf 250 Plakaten heißen eine „Nele“, ein „Ole“ und ein „Peter“ neue Lehrer herzlich willkommen, und hoffen unter anderem auf einen „Neuanfang“ und bessere Zensuren.

Bis zu 1000 neue Lehrer müssten die staatlichen Schulen zu Beginn des nächsten Schuljahres einstellen, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Partei, Simone Oldenburg, als sie gestern zusammen mit Fraktionschef Helmut Holter gegenüber vom Bildungsministerium in Schwerin die ersten roten Werbeträger präsentierte. Rund 400 Lehrer scheiden meist altersbedingt aus dem Dienst und müssten ersetzt werden.

Mehr Lehrer brauchen die Schulen auch, weil inzwischen mehr Schüler die Schulen besuchen, als ursprünglich geplant war. Weitere 600 Lehrer müsste Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) einstellen, so Oldenburg, um den Schulalltag und die Lehr- und Lernbedingungen für Schüler und Lehrer so zu verbessern, wie er es mit dem 50-Millionen-Euro-Bildungspaket für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern angekündigt habe. Dazu gehört unter anderem mehr Förderunterricht für Mädchen und Jungen. Zudem sollen zum Beispiel Schulleiter für ihre Verwaltungsarbeiten und Lehrer, die Referendare ausbilden, so genannte Abminderungsstunden bekommen, in denen sie nicht unterrichten müssen. Auch ältere Pädagoginnen sollen bei gleichem Gehalt ein bis zwei Stunden weniger als bisher vor den Klassen stehen müssen. Der Unterricht muss also von anderen Lehrern übernommen werden.

Der drohende Lehrermangel sei trotz der in den vergangenen beiden Jahren verbesserten Situation an den Schulen „hausgemacht“, sagte Oldenburg. Sie wundere sich auch, warum ein halbes Jahr vor dem Schuljahresbeginn noch keine der 1000 Stellen ausgeschrieben sei. Bildungsminister Brodkorbs Sprecher Henning Lipski wollte die Lehrer-Werbe-Kampagne der Linkspartei nicht kommentieren. Er bestätigte jedoch, dass grundsätzlich die Arbeitskraft von 1000 zusätzlichen Lehrern benötigt wird. Ob dies auch 1000 neue Lehrer notwendig macht, stehe noch nicht fest. Zum Beispiel gebe es manche Pädagogen, die in den vergangenen Jahren aufgrund des so genannten Lehrerpersonalkonzepts nicht die volle Stundenzahl gearbeitet haben, und nun wieder mehr arbeiten könnten. Offen sei auch, wie etwa die Abminderungsstunden in Lehrerstellen umgesetzt werden. Die Schulämter seien „in der Endphase“, um die Ausschreibung konkreter Stellen an den einzelnen Schulen Anfang März starten zu können, so Lipski. Dann wird Brodkorb auch seine eigene Kampagne vorstellen, mit der er bundesweit um Lehrer für Mecklenburg-Vorpommern werben will.

Zum 1. Februar hatte Brodkorb 185 Nachwuchskräfte zum Beginn ihrer Lehrer-Ausbildung begrüßt. Ausgeschrieben waren 255 Stellen. Allerdings meldeten sich offenbar nur für die 60 Plätze an den Gymnasien genügend geeignete Bewerber. Unterdessen suchten die Schulämter ebenfalls zum 1. Februar auch knapp 50 bereits ausgebildete Lehrer. Wie viele Stellen erfolgreich besetzt wurden, konnte Lipski gestern nicht sagen.

Viele ältere Lehrer in MV

An den Schulen Mecklenburg-Vorpommerns unterrichtet inzwischen die Großeltern-Generation. Jeder zweite der landesweit rund 10 500 Lehrer ist über 50, nicht einmal 500 sind jünger als 35. Im Jahr 1991 hatte es landesweit noch 6700 Lehrer gegeben, die das 35. Lebensjahr nicht überschritten hatten, bei damals allerdings 21 500 Pädagogen insgesamt. Die Überalterung in den Lehrerkollegien ist Folge der Personalpolitik nach 1990. Wegen des dramatischen Geburtenknicks sank die Zahl der Schüler von rund 290 000 auf etwa 130 000. Um massenhafte Entlassungen zu vermeiden, wurden im Einvernehmen von Landesregierung und Gewerkschaften Lehrer auf Teilzeit gesetzt. Pro Jahr wurden nur etwa 100 junge Lehrer neu eingestellt. Die nun bevorstehende Pensionierungswelle erfordert Prognosen zufolge den Ersatz von 400 bis 600 Lehrern jährlich.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen