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Mecklenburg-Vorpommern

21. Oktober 2017 | 18:07 Uhr

MV-Bildungssystem bundesweit Vorletzter

vom

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erstellt am 19.Aug.2010 | 04:55 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern liegt in einem neuen Vergleich der Bildungssysteme der Bundesländer auf dem vorletzten Platz vor Berlin. Das geht aus dem Bildungsmonitor 2010 des Instituts der deutschen Wirtschaft hervor, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Die größten Schwächen im Nordosten sind demnach die bundesweit niedrigste Studienberechtigungsquote sowie die höchste Abbruchquote bei Ausbildungsverträgen. Die Stärken des Landes liegen bei der Hochschulausbildung im mathematisch-technischen Bereich und bei der Integration von Schülern aus sogenannten bildungsfernen Schichten.

In beiden Kategorien erreicht Mecklenburg-Vorpommern Rang 4.Der Studie, die von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Auftrag gegeben wurde, liegen Daten aus dem Jahr 2008 zugrunde. An der Spitze des Bildungsmonitors stehen die Länder Sachsen, Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern. Die übrigen zwölf Bundesländer liegen eng beieinander.

In der Kategorie Akademisierung ist Mecklenburg-Vorpommern das Schlusslicht. Nur 7,9 Prozent der Absolventen beruflicher Schulen erwarben das Abitur, im Bundesschnitt waren es 16,5 Prozent. An den allgemeinbildenden Schulen wurde der Effekt des damals doppelten Abiturjahrgangs herausgerechnet, so dass 25,5 Prozent der Schüler die Hochschulreife erlangten. Als besonders problematisch wird in dem Ranking die hohe Abbruchquote bei Ausbildungsverträgen bezeichnet.

Jeder dritte Azubi (32,5 Prozent) brach 2008 die Ausbildung ab. Bundesweit waren es 22,9 Prozent. Kritisiert wurde auch eine schwache Forschungsorientierung der Hochschulen.Als positiv bewertete die Studie, dass es kaum einen Zusammenhang zwischen dem sozialen Hintergrund des Elternhauses und den naturwissenschaftlichen Kompetenzen der Schüler gab. Die Gefahr der Weitergabe von Bildungsarmut ist demnach gering.

Auch im Lesen machte sich der soziale Hintergrund der Schüler weniger bemerkbar als im Bundesdurchschnitt. Der Anteil der Hochschulabsolventen in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) ist der Untersuchung zufolge im Nordosten höher als im Bundesdurchschnitt. Zwei Drittel des Hochschulpersonals arbeiten in diesem Bereich (Bundesdurchschnitt 55,3 Prozent).

Bremen und die ostdeutschen Länder haben sich nach Angaben der INSM seit dem ersten Bildungsmonitor 2004 stark verbessert. Die neuen Länder hätten die wegen sinkender Schülerzahlen frei gewordenen Mittel weitgehend in ihren Bildungssystemen belassen, hieß es.

Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminister Henry Tesch (CDU) sieht die Landespolitik durch den Bildungsmonitor darin bestätigt, dass sie sich mit dem Schulgesetz von 2009 auf die richtigen Handlungsfelder konzentriert. Dazu gehöre die intensivere Studien- und Berufsfrühorientierung mit dem Ziel, dass sich mehr Schüler für ein Studium entscheiden und die Abbrecherzahlen in der Schule und der beruflichen Ausbildung sinken.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Marc Reinhardt, bezeichnete das schlechte Abschneiden des Landes als Ergebnis rot-roter Regierungspolitik bis 2006. Die danach eingeleiteten Verbesserungen seien 2008 noch nicht sichtbar geworden.
Dem widersprach sein Amtskollege von der Linksfraktion, Andreas Bluhm. Der vorletzte Platz spiegele vielmehr CDU-Bildungspolitik seit 2006 wider. Das Land habe schon besser abgeschnitten, so sei es 2004 auf Platz 12, 2006 und 2009 auf Platz 10 gekommen. 2007 und 2008 habe es allerdings den letzten Platz belegt.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Hans Kreher, sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Ergebnis im Ranking und den Bildungsausgaben der Länder. Dies bestätige die Kritik der Liberalen an den jüngsten Kürzungen bei freien Trägern, insbesondere an den beruflichen Schulen. „Diese Kürzungen müssen umgehend zurückgenommen werden“, forderte er.

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