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Mecklenburg-Vorpommern

17. Dezember 2017 | 22:40 Uhr

Selbstschutz : MV bewaffnet sich

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schreckschusspistolen, Pfefferspray: Große Nachfrage nach kleinem Waffenschein

svz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Etwas ungläubig betrachtet Wilfried Bels seine Vitrine, in der die Schreckschusspistolen ausgestellt sind. Dort, wo normalerweise bis zu 15 Modelle Platz finden, sind es derzeit nur noch fünf. „Mehr habe ich nicht. Die Lager unserer Lieferanten sind leer“, erzählt der Inhaber des Perleberger Geschäfts WMG.

In den vergangenen Monaten hat Bels deutlich mehr Kunden bedient, die etwas zur Selbstverteidigung haben wollten. „Im Durchschnitt sind es ein bis zwei Kunden pro Tag. Früher war es höchstens einer im Monat, der etwas zum Selbstschutz verlangt hat“, erzählt Bels. Den Hauptgrund vermutet er in dem derzeit alles beherrschenden Flüchtlingsthema. Die Palette der Kunden ist bunt gemischt. „Viele Urlauber haben sich bei uns eingedeckt, weil es bei ihnen zuhause nichts mehr gab. Es kommen häufig Väter, oder auch Großeltern, die etwas für ihre Enkel kaufen. Oder es kommen Frauen, die sich unsicher fühlen“, weiß Bels. „Sie kaufen meistens einen Revolver, weil der handlicher ist.“

Auch in Mecklenburg-Vorpommern besorgen sich immer mehr Menschen den kleinen Waffenschein, wie aus einer Umfrage unserer Zeitung Ende des vergangenen Jahres in den Landkreisen hervorgeht. Demnach wurden 2015 annähernd 300 dieser Dokumente neu vergeben. Das sind etwa ein Drittel mehr, als im Jahr 2014 (187 Scheine). Der Gesamtbestand an kleinen Waffenscheinen in MV belief sich im Oktober auf 3616 Stück, wie das Innenministerium mitteilte. Die Zahlen sagen jedoch nichts darüber aus, wie viele Kleinwaffen tatsächlich im Umlauf sind, da ihr Erwerb frei ist. Der kleine Waffenschein berechtigt den Inhaber unter anderem zum Führen von Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffen mit PTB-Zulassungszeichen in der Öffentlichkeit. Doch auch mit Schein ist das Schießen nur im Notfall erlaubt.

„Der Zusammenhang zwischen dem Terror und dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung ist definitiv spürbar“, sagt Ingo Meinhard, Chef des Verbandes Deutscher Büchsenmacher und Waffenhändler (VDB). „Alles was frei erhältlich ist, wird seit den Anschlägen in Paris stark nachgefragt. Anfang des Jahres ist die Nachfrage nochmals gestiegen. Wir rechnen nicht damit, dass sich das so schnell ändert.“

Das spiegeln auch die aktuellen Zahlen des Bundesministeriums wider. Bundesweit wurden seit Ende November 21    418 kleine Waffenscheine erteilt. Das entspricht einer Steigerung um 7,7 Prozent. Dem zufolge waren Ende Januar 300    949 kleine Waffenscheine im Nationalen Waffenregister gespeichert.

Nach den Übergriffen in Köln, bei denen Hunderte Frauen sexuell attackiert und bestohlen worden waren, hatten mehrere große Städte und Bundesländer eine deutlich gesteigerte Nachfrage nach kleinen Waffenscheinen registriert. In Köln gingen nach Angaben der Polizei allein bis Mitte Januar rund 300 Anträge ein. Im ganzen Jahr 2015 waren in Köln 408 kleine Waffenscheine ausgegeben worden.

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