zur Navigation springen

Mit zwei Stippen auf Plötzenfang

vom

svz.de von
erstellt am 18.Apr.2012 | 08:44 Uhr

Mittenwalde | In der Morgendämmerung allein am Flussufer stehen, keine Spaziergänger, bis auf das Rauschen der Bäume und das Sirren der Angelsehne absolute Stille - das ist ja so gar nichts für Reimer Kossler: "Ich quatsche, bin nicht gern allein und schon gar kein Frühaufsteher" sagt der 49-Jährige und mokiert sich etwas über "eigenbrötlerische Männer in Gummistiefeln". Er selbst trägt weder Weste noch Gummistiefel, allerdings Outdoor-Klamotten in Grün. So weit zu den Klischees.

Auf dem heimischen Hof lädt Reimer Kossler seine Ausrüstung in den weißen Transporter. "Manchmal schleppt man mehr mit, als man fängt", dämpft er die Erwartungen. Seine Freundin Christine Hein hilft ihm beim Mischen des Anfüttermittels, das die Fische ködern soll. Sie kippt ein bisschen Fertigfutter in einen blauen Plastikeimer, dazu kommen Paniermehl, Maden, Haferflocken, Mais, Hafer und Kokosflocken als süßer Lockstoff. Dazu spritzt Kossler noch Wasser, nicht zu nass und nicht zu trocken, "erdfeucht" soll die Mischung sein. Gegen die Strömung tut er manchmal noch schweren Quarzsand dazu. Aber heute ist das nicht nötig, denn es geht zur "Staabe" - einem Teilstück der Dahme in Königs Wusterhausen.

Während der viertelstündigen Fahrt ordnet Christine Hein schon mal ihre Papiere. Die hat sie immer dabei, für die Wasserschutzpolizei. Da ist der hellgraue Fischereischein mit Passbild zum Raubfischangeln, der Nachweis für die Fischereiabgabe auf dunkelgrüner Pappe, die Jahresangelkarte für Gewässer des Deutschen Anglerverbandes und noch mehr Angelkarten. Heute stehen Plötze auf dem Speiseplan, auch "Rotaugen" genannt. Kurz vor der Schleuse "Neue Mühle" stecken die beiden ihre Rutenhalter ans Ufer, stellen Hocker und Zeltstuhl daneben und holen ihre 300-Gramm-Stippen raus, die es ausgezogen auf sieben Meter bringen. An der ebenfalls sieben Meter langen Angelschnur hängen noch Schwimmer bzw. Pose, Haken und Blei. Mit dem wird erst einmal die Tiefe ausgelotet. "Als Kind hab ich mit meinen Freunden im Grunewaldsee geangelt, da reichte ein gewöhnlicher Stock", erzählt der Vorsitzende des Angelsportvereins Ragow. Heute würden Jugendliche viel zu viel Geld für teure Ruten und glitzernde Kunstköder ausgeben. "Angeln ist der beste Zeitvertreib, den ich mir vorstellen kann. Man fängt als Kind an und kann das noch als alter Opa machen - und bekommt ein besseres Verständnis für die Natur", sagt der begeisterte Hobby-Angler, der seit zwölf Jahren Vereinsvorsitzender ist und sich schon mal über "Pseudo-Naturschützer auslässt. Es gibt Zeiten, da fährt der gelernte Maschinenschlosser mehrmals die Woche nach der Arbeit bei seiner eigenen Hausservice-Firma los und setzt sich abends noch ein paar Stunden an den Fluss. Die Fische würden morgens genauso gut wie abends beißen. Ein ums andere Mal zucken die Schwimmer an der Wasseroberfläche, dann heißt es schnell die Rute hochnehmen, bevor der Fisch nur ein bisschen von der Made abknabbert, wieder vom Haken springt und weiterschwimmt. Eine Plötze nach der anderen ziehen die beiden aus dem Wasser.

Am liebsten angelt Reimer Kossler vom Boot aus Zander, aber der hat gerade Schonzeit. Nach zwei Stunden ist Schluss. Jetzt werden die Angeln wieder eingerollt, die Schnüre aufgezogen und die Schwimmer in der Kiste verstaut. Da liegen dicke, schwere neben schlanken, leichten Varianten - Hunderte hat Reimer Kossler davon zu Hause, für alle Gewässer und Witterungsbedingungen, genauso viele wie Angelrollen, die er gerne auf dem Flohmarkt kauft und in einer Vitrine in seinem Schuppen sammelt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen