Kormorane fressen zu viele Karpfen

Ein Kormoran frisst täglich etwa 500 Gramm Fisch. dpa
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Ein Kormoran frisst täglich etwa 500 Gramm Fisch. dpa

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18. November 2009, 05:27 Uhr

Prignitz | "Es wird in diesem Jahr wohl kein Karpfenbesatz in den Prignitzer Gewässern geben", mutmaßt Dieter Polak vom Kreisanglerverband Prignitz. Vier Tonnen Karpfen sollten ursprünglich im Herbst in die Gewässer eingebracht werden, so wie in den Vorjahren. Dazu hat der Landesanglerverband Brandenburg die Plau-Müritz-Fischerei vertraglich gebunden. Sie sollte insgesamt 14 Tonnen Satzkarpfen liefern, kann dieser Verpflichtung aber nicht nachkommen.

"Unsere Teiche sind fast leer. Die Schäden durch den Kormoran sind in diesem Jahr so massiv, dass wir einfach nicht liefern können", bedauert Ulrich Paetsch von der Plau-Müritz-Fischerei. Und er nennt Zahlen: Im Jahr 1990 gab es in Mecklenburg etwa 2000 Kormoranbrutpaare, 2008 waren es 14 000.

"Wir haben im Bereich der Teichanlagen und der Müritz etwa 3000 Kormorane, die sich ab Juli bis Ende Oktober hier aufhalten. Ein Kormoran frisst pro Tag etwa 500 Gramm Fisch, das heißt hier kommen täglich Mengen von 1,5 Tonnen zusammen. Pro Saison fressen die Kormorane also etwa 150 Tonnen Fisch aus unseren Gewässern und wir können nur wenig dagegen tun. Vor allem die Zuchtteiche für Karpfen sind sehr gefährdet, weil der Kormoran gern kleinere Fische von 200 bis 300 Gramm fängt", sagt Paetsch.

Hinzu komme, dass die Fische durch die Jagd der Kormorane kaum wachsen, nur auf der Flucht sind und viele Fische verletzt werden. "Wir haben ohne Kormorane an den Karpfenteichen Verlustraten von 20 bis 25 Prozent, das ist normal. In diesem Jahr stehen wir bei 70 Prozent, das heißt, von 100 ausgesetzten Karpfen sind nur noch 30 da und die sind in einem so schlechten Zustand, dass wir sie nicht als Satzfische verkaufen können", stellt Paetsch fest.

Dass der Kormoran zum Vogel des Jahres gekürt wurde, hält er für reinen Hohn. "Ich bin auch für Naturschutz, war viele Jahre Vorsitzender des Fördervereins Müritz-Nationalpark. Aber der Kormoran richtet zu große Schäden an. Wir brauchen keinen Kormoranschutz, sondern ein Kormoran-Mangement", fordert Paetsch.

Umweltschutz darf nicht an

Wasseroberfläche aufhörenDer finanzielle Schaden für die Müritz-Fischer liege in diesem Jahr weit über 100 000 Euro, genau beziffern könne man ihn aber noch nicht, so Paetsch. Das Problem beschränke sich nicht nur auf die Teichwirtschaften. Auch die Müritz selbst werde arg in Mitleidenschaft gezogen. "Sie ist ein großes Gewässer, sehr sauber und arm an Nährstoffen. Die jährliche Fischreproduktion liegt bei 170 bis 200 Tonnen. Davon fressen allein die Kormorane etwa 100 Tonnen Fisch auf", weiß Paetsch.

Seine Mitarbeiter werden dazu abgestellt, den Kormoran zu "vergraulen". Da wird geschossen und Radau gemacht, um die Vögel zu verscheuchen. "Aber das reicht nicht, wir kommen da auch an unsere personellen Grenzen."

Eine wirtschaftliche Gefährdung der Plau-Müritz-Fischerei gebe es im Moment noch nicht. "Wir sind breit aufgestellt und züchten auch Wels, Maräne, Forellen, Quappen und Stör. An diese Fische kommt der Kormoran nicht heran. Und wir vermieten Ferienhäuser und Boote. Es würde uns ohne den Kormoran aber deutlich besser gehen. Wir könnten bessere Löhne zahlen und mehr Leute beschäftigen", macht Paetsch deutlich.

Allerdings sieht die Zukunft nicht gut aus. Nach einer Studie des Landwirtschaftsministeriums in Mecklenburg wird sich der Kormoranbestand in den nächsten Jahren nochmals vervierfachen. Dann werde es mit dem Fischertrag wirklich eng und vor allem kleinere Betriebe würden diese Belastung nicht mehr verkraften, blickt Paetsch voraus.

Ähnlich wie in Mecklenburg ergehe es auch seinen Kollegen in Brandenburg. Hier arbeite man auf der Ebene der Fischereiverbände eng zusammen. Vor allem die Fischer in Peitz kennen die Problematik. "Wenn sie aufgeben und die Teiche trocken bleiben, ist dem Naturschutz auch nicht gedient. Wir brauchen ein Management, Abschussquoten, die den Kormoran im Bestand dezimieren, die Art aber nicht gefährden. Umweltschutz darf nicht an der Wasseroberfläche aufhören", so der Fachmann.

Gemeinsam wollen die Fischereiverbände jetzt aktiv werden. Ein erster Erfolg sei die Diskussion im europäischen Parlament. "Man kann nicht ein europäisches Aalmanagement einführen und den Kormoran weiter unter Schutz stellen, der dann die ausgesetzten Aale wieder auffrisst. Hier ist die Politik der Länder, des Bundes und der EU gefordert, denn sonst bleiben die Fischer und die Fischbestände auf der Strecke", befürchtet Ulrich Paetsch.

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